Keine Periode - was jetzt?
Ist deine Periode unregelmäßig oder bleibt sogar ganz aus? Und ist das überhaupt schlimm? Blogbeitrag zum Buch und Aufklärungsprojekt: Keine Periode – was jetzt?
Autorin Olivia berichtet, wie ein Buch über das Ausbleiben der Periode ihr persönlich geholfen hat, ihre Essstörung loszulassen und wie sich ihr Leben dadurch komplett verändert hat. Ihre Erfahrungen teilt sie heute im Rahmen eines ehrenamtlichen Aufklärungsprojektes mit anderen Betroffenen.
Keine Periode? Oder nur sehr unregelmäßig? Kommt dir das bekannt vor? Vielleicht bist du sogar froh, dass du dir die monatliche Blutung ersparst? Das war ich persönlich anfangs auch. Doch je mehr ich mich darüber informierte, welche Auswirkungen ein Hormonungleichgewicht und damit eine ausbleibende Periode auf den weiblichen Körper haben, umso erschreckender fand ich das Fehlen meiner monatlichen Blutung.
Gründe für das Ausbleiben der monatlichen Blutung
Es gibt mehrere Gründe, warum die Periode bei Frauen* im gebärfähigen Alter ausbleiben kann. Untersucht man die zugrundeliegenden Hormone, sind zwei Profile die häufigste Ursache1:
- Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS; früher PCOS)
- und die Hypothalamische Amenorrhoe (HA).
Auch wenn sich die beiden Diagnosen in ihren Symptomen sehr ähneln und daher leider häufig, auch von Behandler:innen, verwechselt werden, ist der grundlegende Unterschied, dass bei PMOS ein Überschuss an männlichen Sexualhormonen zugrunde liegt2. Bei HA spielen dagegen die folgenden fünf möglichen Ursachen in der Lebensweise Betroffener eine prägnante Rolle:
- Essgewohnheiten,
- Sport,
- Gewichtsverlust bzw. ein zu niedriges Körpergewicht,
- Stress,
- Genetik.
Hat frau zwar noch ihre Periode, aber sehr lange oder unregelmäßige Zyklen, kann dies ein Hinweis auf eine Vorstufe von HA sein.
* Disclaimer: Wir nutzen den Begriff Frauen für menstruierende Personen, um die Sprache zu vereinfachen.
Die gute Nachricht ist, dass ein regelmäßiger Zyklus sich in den meisten Fällen zurückerlangen lässt und auch der Körper sich von dem Hormonmangel erholen kann (wenn die zugrunde liegenden Ursachen behandelt werden)!3
Die Hypothalamische Amenorrhoe (kurz: HA) ist das typische Hormonprofil, welches im Zusammenhang mit restriktiven Essstörungen wie Magersucht, Orthorexie oder Bulimie der Grund für eine ausbleibende Periode ist.
Die HA ist eine Komponente der „Triade der weiblichen Athleten” („Female Athlete Triad”) und eines relativen Energiedefizits im Sport (RED-S) und verursacht eine Störung im Gehirn, wodurch Signale des Hormonsteuerungszentrums, des Hypothalamus, blockiert oder signifikant vermindert werden. Infolgedessen kommt es nicht zur Eireifung und zum Eisprung, wodurch letztendlich auch die Periode ausbleibt 4.
Bist auch du betroffen?
Könnte es sein, dass du dich beim oder nach dem Training nicht ausreichend mit Energie versorgst? Dass du bestimmte Lebensmittelgruppen meidest und zum Beispiel zu wenig Fette und Kohlenhydrate in deine Ernährung integrierst? Kannst du nicht auf Sport oder Bewegung verzichten? Machst du dir bei Prüfungen oder im privaten Alltag häufig selbst Stress damit, deinen Ansprüchen zu genügen und Ziele zu erreichen? Ist es dir wichtig, schlank und fit auszusehen?
Dann bist du nicht allein. Du kannst auch bei scheinbar gesunden Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten mit einem ausbleibenden Monatszyklus zu kämpfen haben. Es kann sogar sein, dass dein „gesunder“ Lebensstil letztendlich nicht so gesund für deinen Körper ist.
Mit einem Buch hat sich mein Denken komplett verändert…
Auch ich war viele Jahre lang Betroffene von einer ausbleibenden Periode. Erst als ich die Antibabypille absetzte und monatelang kein Blut sah, begann ich mir ernsthaft Sorgen zu machen. Kann ich in Zukunft überhaupt noch Kinder bekommen, so ohne Periode? Verzweifelt suchte ich Antworten auf meine Fragen und Sorgen. Doch war es schwierig, wissenschaftlich fundierte Informationen dazu zu finden.
Auch die Ärztinnen und Ärzte konnten mir nicht wirklich helfen, sondern boten mir meist nur an, wieder die Pille oder eine Hormonersatztherapie zu nutzen. Aber das waren doch alles nur kurzfristige Lösungen. Unter Einnahme der Antibabypille findet kein Eisprung statt. Daher tritt keine echte Monatsblutung ein.
Die Pille und Hormontherapie
Die Blutung, die während der Einnahme der Pille eintritt, ist eine sogenannte Entzugsblutung (auch Abbruchblutung genannt) und tritt nur aufgrund der Einnahmepause ein. Daher ist sie klar zu trennen von einem funktionierenden Zyklus.
Eine Hormonersatztherapie führt dem Körper bei einem Mangel an weiblichen Sexualhormonen zwar die fehlenden Hormone zu und schützt so vor weiterem Knochenabbau, die körpereigene Hormonproduktion findet aber weiterhin nicht statt. Das heißt unter Einnahme einer Hormonersatztherapie wird der Körper zwar vor weiteren Schäden geschützt, aber so richtig „von alleine“ funktionieren tut er trotzdem nicht.
Deswegen wollte ich meine natürliche Periode zurück! Also recherchierte ich selbst. Nach langer Suche nach Informationen fand ich das englische Buch „No Period. Now what?“ von der Autorin Nicola Sykes. Der Titel klang vielversprechend! Ich bestellte das Buch und verschlang es innerhalb von zwei Tagen. WOW!!!
Mein Denken hatte sich komplett umgekrempelt.
Das Buch öffnete mir die Augen: Keine Periode zu haben ist nicht nur bei einem Schwangerschaftswunsch ein Problem! Wenn der Körper keinen Zyklus (d.h. auch keinen Eisprung) zulässt, heißt das, dass er nicht genug Energie übrighat, um sich eine Schwangerschaft zuzutrauen. Zudem fehlen weibliche Sexualhormone, deren Mangelzustand drastische Folgen für die Knochendichte, aber auch für andere Organe wie das Herz, hat.
Diese Zusammenhänge werden im Buch wissenschaftlich fundiert aufgezeigt. Ergänzende Erfahrungsberichte zeigen die persönlichen und psychischen Herausforderungen auf dem Weg zur Genesung, zum Beispiel vom Umgang mit Gewichtszunahme und dem Körperbild. Viele Betroffene schreiben, wie sie durch die Genesung einen gesünderen und viel glücklicheren Umgang mit dem eigenen Körper, dem Essen und dem Sport gefunden haben.
Meine Motivation war nun Feuer und Flamme.
Ich wünschte mir auf einmal nichts lieber, als einen funktionierenden Körper zu haben. Ich wünschte mir, wieder für meinen Körper da zu sein und eine Verbindung zu ihm zu spüren.
… und genau deswegen habe ich das Buch ins Deutsche übersetzt und ein Projektteam zum Thema Zyklusgesundheit im Zusammenhang mit Sport, Stress und Ernährung aufgebaut!
Für mich persönlich gibt es kein Buch, das mein Leben so sehr beeinflusst hat wie dieses – und zwar hundertpro zum Positiven. Ich hätte mir gewünscht, dass ich schon viel eher über die Auswirkungen einer ausbleibenden Monatsblutung auf meinen Körper aufgeklärt worden wäre. Ich glaube, dass ich dann schon viel eher die Motivation zur Genesung von meiner jahrelangen Anorexie gefunden hätte.
Aus dem, was ich mir gewünscht habe, habe ich neben meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei InCogito ein zweites ehrenamtliches Aufklärungsprojekt initiiert. Mein Ziel war es, dass auch in deutscher Sprache für Betroffene, Angehörige und Behandler:innen mehr Informationen und Hilfsangebote zur Verfügung stehen. Also startete ich den Aufbau einer deutschen Projektgruppe. Zuerst übersetzten wir in Abstimmung mit der Autorin Nicola Sykes die englische Version des Buches ins Deutsche(als Taschenbuch und ebook), sondern wir führen als ehrenamtliches Projektteam auch Aufklärungsworkshops zu Zyklusgesundheit im Zusammenhang mit Sport, Stress und Ernährung durch, haben eine Online-Supportgruppe und eine Instagram-Seite sowie einen Blog. Andere Betroffene aufzuklären und sie bei ihrer Genesung zu unterstützen, bedeutet uns sehr viel.
Mehr Informationen zum Projekt
Instagram: @keine.periode
Online-Supportgruppe: http://noperiod.info/community, um deinen Genesungsweg gemeinsam mit anderen (ehemaligen) Betroffenen bestreiten zu können
Blog: https://www.noperiodnowwhat.com/blog-auf-deutsch
Bei Fragen wende dich gerne an: keine.periode@web.de
Quelle: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1073854110Keine Periode – Was jetzt? – Wie du deinen Zyklus zurückerlangst und deine Fruchtbarkeit optimierst.
Du kannst auch bei scheinbar gesunden Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten mit einem ausbleibenden Monatszyklus zu kämpfen haben. Es kann sogar sein, dass dein Lebensstil der Übeltäter ist.
Unabhängig davon, wie lange du schon keine Periode mehr hast, wird der im Buch erklärte Genesungsplan dich auf dem Weg zur Wiederherstellung deines Zyklus und zur Verbesserung deiner langfristigen Gesundheit und Fruchtbarkeit begleiten. Dieses umfassende Buch wird:* Erklären, was in deinem Körper passiert und warum
- Richtlinien dafür bieten, wie viel und was du essen solltest (Die gute Nachricht: Es macht wahrscheinlich viel mehr Spaß, als du es gewohnt bist!)
- Bewegungsempfehlungen geben
- Dich bei der Umstellung deiner Gewohnheiten unterstützen
- Verschiedene Verhütungsmethoden für die Zeit nach der Wiedererlangung des Zyklus diskutieren.
Du schaffst das!
1 Liu, J. H., Patel, B., & Collins, G. (2016). Central causes of amenorrhea. In Endotext. MDText.com. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK278939/
2 Legro, R. S. (2017). Evaluation and treatment of polycystic ovary syndrome. In Endotext. MDText.com. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK278959/
3 Pape, J., Herbison, A. E., & Leeners, B. (2021). Recovery of menses after functional hypothalamic amenorrhoea: If, when and why. Human Reproduction Update, 27(1), 130–153. https://doi.org/10.1093/humupd/dmaa032
4 Gordon, C. M., Ackerman, K. E., Berga, S. L., Kaplan, J. R., Mastorakos, G., Misra, M., Murad, M. H., Santoro, N. F., & Warren, M. P. (2017). Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of clinical endocrinology and metabolism, 102(5), 1413–1439. https://doi.org/10.1210/jc.2017-00131
Edozien, L. C. (2006). Mind over matter: Psychological factors and the menstrual cycle. Current Opinion in Obstetrics and Gynecology, 18(4), 452–456.
Hill, E. E., Zack, E., Battaglini, C., Viru, M., Viru, A., & Hackney, A. C. (2008). Exercise and circulating cortisol levels: The intensity threshold effect. Journal of Endocrinological Investigation, 31(7), 587–591. https://doi.org/10.1007/BF03345606
Loucks, A. B. (2003). Energy availability, not body fatness, regulates reproductive function in women. Exercise and Sport Sciences Reviews, 31(3), 144–148. https://doi.org/10.1097/00003677-200307000-00008
Mastorakos, G., Pavlatou, M., Diamanti-Kandarakis, E., & Chrousos, G. P. (2005). Exercise and the stress system. Hormones, 4(2), 73–89. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16613809/
U.S. Department of Agriculture, & U.S. Department of Health and Human Services. (2010). Dietary guidelines for Americans, 2010 (7th ed.). U.S. Government Printing Office. https://odphp.health.gov/sites/default/files/2020-01/DietaryGuidelines2010.pdf
Whirledge, S., & Cidlowski, J. A. (2010). Glucocorticoids, stress, and fertility. Minerva Endocrinologica, 35(2), 109–125. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3547681/
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Quelle: privatBianca
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