Zwischen Muskelideal und Kontrollverlust: Männer und Essstörungen
Mentale Erkrankungen bei Männern* werden noch immer oft nicht erkannt – oder nicht ernst genommen. Ihnen wird früh vermittelt, stark zu sein, Probleme mit sich selbst auszumachen und nicht darüber zu sprechen. Gefühle wie Unsicherheit, Angst oder Überforderung werden eher verdrängt als benannt. Das führt dazu, dass psychische Belastungen bei Männern häufig lange unbemerkt bleiben. Das gilt auch – und ganz besonders – für Essstörungen.
* Hinweis: In diesem Beitrag sprechen wir überwiegend von „Männern“, da sich viele Studien und Zahlen auf diese Kategorisierung beziehen. Gleichzeitig meinen wir ausdrücklich auch Personen, die sich als männlich identifizieren oder gesellschaftlich als männlich gelesen werden – da auch sie von ähnlichen Erwartungen und Zuschreibungen betroffen sind.
Essstörungen zeigen sich bei Jungen und Männern oft anders und fallen deshalb weniger auf. Statt dem Wunsch, möglichst dünn zu sein, geht es bei ihnen häufig um Leistung, Kontrolle und einen „perfekten“, muskulösen Körper.
Magersucht, Bulimie und Binge-Eating: So können sich Essstörungen bei Männern zeigen
Menschen mit dieser Erkrankung weisen oft einen deutlichen Gewichtsverlust bzw. anhaltendes Untergewicht auf, wobei sie sich selbst als zu dick und unförmig wahrnehmen. Ihre Gedanken kreisen ständig um Essen, Gewicht und Figur.
Magersucht zeigt sich bei Männern im Kern ähnlich wie bei Frauen: große Angst vor Gewichtszunahme, stark eingeschränktes Essen, ständige Gedanken um Körper und Gewicht. Bei Männern kommt jedoch oft ein zusätzlicher Druck hinzu, muskulös und „männlich“ zu wirken.
Ca. 8 von 100 Erkrankten sind männlich.
Ist eine Essstörung, die durch wiederholte Episoden von sogenannten Essanfällen gekennzeichnet ist. Bei Bulimie wechseln sich Essanfälle mit dem Versuch ab, das Gegessene wieder „auszugleichen“.
Als Gegenmaßnahmen kommen dabei verschiedene Strategien zum Einsatz: Dazu gehören selbst herbeigeführtes Erbrechen, strenges Fasten oder Auslassen von Mahlzeiten, übermäßiger Sport, der Missbrauch von Abführmitteln oder entwässernden Medikamenten sowie eine stark kontrollierte oder restriktive Nahrungsaufnahme zwischen den Essanfällen.
Männer erbrechen seltener, kompensieren dafür häufiger mit sehr viel Sport.
Ca. 15 von 100 Erkrankten sind männlich.
Es stehen wiederholte Essanfälle im Vordergrund, ohne anschließendes Erbrechen oder extremes Training. Viele Männer berichten hier von Essen als Stressabbau oder Belohnung – etwa nach langen Arbeitstagen oder Phasen großer Kontrolle. Die Essanfälle passieren häufig heimlich und Betroffene kämpfen mit einem Gefühl von Scham. Männer leiden hier oft zusätzlich unter dem Gefühl, mit psychischen Problemen „nicht männlich genug“ zu sein.
Ca. 15 von 100 Erkrankten sind männlich.
Wichtig:
Essstörungen bei Männern werden häufig später erkannt oder gar nicht diagnostiziert – die tatsächlichen Zahlen könnten daher höher liegen.
Wenn stark nicht stark genug ist: Muskelsucht und Körperbild bei Männern
Häufig geht es bei Männern nicht primär ums Abnehmen, sondern darum, stark, muskulös und leistungsfähig zu sein. Genau hier setzt die sogenannte Muskelsucht an. Sie ist eine Form der Essstörung, die besonders bei Jungen und Männern vorkommt und eng mit dem Wunsch verbunden ist, einem bestimmten männlichen Körperideal zu entsprechen. In der Fachsprache wird sie auch als Muskeldysmorphie bezeichnet und teilweise unter dem Begriff „männliche Anorexie“ eingeordnet.
Betroffene fühlen sich zu schmal oder zu wenig trainiert – selbst dann, wenn sie sehr muskulös sind. Gedanken kreisen ständig darum, noch mehr Muskeln aufzubauen und Körperfett zu reduzieren. Essen wird streng geplant, oft nach festen Regeln, die nur einem Ziel dienen: dem Muskelaufbau.
Gleichzeitig treiben viele exzessiv Sport, meist Krafttraining oder Bodybuilding. Pausen, Erholung oder soziale Kontakte treten in den Hintergrund.
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Zwischen Idealbild und Realität: Wie soziale Medien Muskelsucht verstärken
Muskelsucht zeigt, wie nah Essstörungen und gesellschaftliche Schönheitsideale zusammenhängen. Und gerade soziale Medien verstärken den Druck durch ständig präsente Bilder von scheinbar perfekten, durchtrainierten Körpern. Was dabei oft übersehen wird: Auch dieses Verhalten kann krank machen – körperlich wie psychisch.
Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen. Viele Männer suchen spät Hilfe, weil sie ihr Verhalten lange rechtfertigen, verstecken oder als normal ansehen. Das kann die Behandlung erschweren – macht sie aber nicht weniger wichtig.
Zurück zu einem gesunden Gleichgewicht
Wenn du selbst merkst, dass Essen, Sport oder dein Körper ständig Raum in deinem Kopf einnehmen, dass Druck, Kontrolle oder Scham dein Verhalten bestimmen, dann ist das kein persönliches Versagen. Es ist ein Zeichen dafür, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Darüber zu sprechen und Hilfe anzunehmen, ist kein Zeichen von Schwäche.
Wenn du Unterstützung suchst, kannst du dich an deine:n Hausärzt:in, psychotherapeutische Praxen oder spezialisierte Beratungsstellen wenden. Auch anonyme Angebote – etwa per Telefon oder Online-Beratungen – können ein erster, hilfreicher Schritt sein.
Tipp: Falls du selbst betroffen bist, schick den Link zu diesem Artikel doch an eine dir nahestehende Person weiter, die schon öfter gesagt hat, dass sie gerne für dich da wäre.
Quellen:
https://www.tce-essstoerungen.de/ueber-tce/haeufige_fragen/statistik_zu_essstoerungen_bei_maennern.php
https://essstoerungen.bioeg.de/habe-ich-eine-essstoerung/wie-bedeutsam-ist-das-geschlecht/
https://www.gesundheitsinformation.de/sind-essstoerungen-bei-jungen-und-maennern-anders-als-bei-maedchen-und-frauen.html
(06.05.2026)
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Quelle: privatAnina
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