Führt die radikale Akzeptanz zur Freiheit?!

Autorin Annalena

Annalena, 27

Tagein tagaus gefangen in den Gedanken und Zwangshandlungen der Anorexie. Ein Leben bestimmt durch Regeln und Strukturen. Den gesamten Alltag über im Funktionsmodus agiert. Im Inneren eine Leere und gleichzeitige Schwere. Es ähnelt einem Roboter, welcher durch die Zwänge und Regeln der Anorexie gesteuert wird. Dieser Endzustand war das Ergebnis meiner jahrelangen Anorexie.

Vier Monate später sitze in meinem Zimmer in der Klinik Lüneburger Heide und verfasse diesen Blogartikel. Mein Körper ist gefüllt mit einer Ruhe und gleichzeitiger Lebendigkeit. Ich spüre Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Ich bin voller Vorfreude auf das Leben, voller Energie und Zuversicht. All das, was ich mir jahrelang gewünscht habe, wonach ich mich so sehr gesehnt habe, ist nun die Realität. Doch wie kam es dazu?

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Das Leid und die gleichzeitige Hoffnung als notwendige Basis

Mit dem Betreten der Klinik habe ich beschlossen alles Alte hinter mir zu lassen, mir dort den Raum zu geben um mich selbst zu finden und meinen eigenen Weg zu gehen. Mir war bewusst, dass es kein einfacher Weg werden würde. Gleichzeitig war mir klar, dass es die einzige Möglichkeit war, um am Leben zu bleiben und den Teufelskreis der Anorexie zu durchbrechen. Ich habe akzeptiert, dass ich es alleine aus eigener Kraft nicht mehr schaffe und professionelle Hilfe benötige.

Die ersten Wochen in der Klinik stand zunächst eine kontinuierliche und stabile Gewichtszunahme im Mittelpunkt. Ich habe sie zugelassen, trotz der Angst die Veränderung nicht aushalten zu können, mich abzuwerten und selbst zu hassen. Doch ich habe die Verantwortung den Experten übergeben, da mir mein Körper deutlich zu spüren gab, mich in diesem unterernährten Zustand nicht mehr lang am Leben halten zu können. Die Gefahren der Anorexie waren mir bewusst, auch dass ich sonst am Ende womöglich mit dem Leben zahlen muss. Doch ich hatte keine Vision wie der Weg zu meinem Ziel, einem freien und glücklichen Leben aussehen könnte. Das war der Grund warum ich die Jahre zuvor die Erkrankung nicht loslassen konnte. In der Klinik gelang es mir Woche für Woche den Weg zu meinem Ziel immer deutlicher herauszuarbeiten. Umso konkreter er wurde, desto entschlossener wurde ich ihn weiter zu gehen. Ein Ziel ist unter anderem wieder meinen Beruf auszuführen. Vor allem jedoch nicht nur die Arbeit abzuliefern, sondern auch an Teamaktivitäten, der Gemeinschaft, teilzunehmen oder eine Wanderung in den Bergen mit guten Freunden, ins Kino zu gehen und sich auf den Film konzentrieren können ohne gedanklich immer beim Essen, den Kalorien und der Figur zu verharren. Mein Ziel ist das alltägliche Leben im Hier und Her und nicht gefangen in den Gedanken zu erleben.

Mein Therapieprozess

Neben der Gewichtszunahme für die körperliche Gesundheit, der Gespräch- und Kunsttherapie um tiefliegende Wunden zu heilen, hat das Skills-Training für eine kognitive Neustrukturierung beigetragen und mich dabei unterstützt neue Gedankengänge zu etablieren. Skills umfassen erlernte Verhaltensweisen, die dabei unterstützen einen besseren Umgang mit schwierigen Situationen zu finden. Dadurch erhöhte sich meine Motivation den neuen Weg weiterhin zu gehen kontinuierlich. Ich fand einen Umgang die Hürden im Rahmen der Anorexie-Recovery auszuhalten, in schwierigen Momenten innezuhalten und nicht direkt nach meinem ersten Impuls zu handeln. Hierbei sind viele Parallelen zur Akzeptanz und Commitment-Therapie erkennbar (Definition siehe unten).

Grundlagen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie steht für die Akzeptanz (ACT) von Gefühlen, die Orientierung an den eigenen Werten und schlussendlich für Umsetzung durch das Folgen von Taten. Das Ziel ist das Erlernen eines flexibleren Umgangs mit den Herausforderungen des Lebens. Dies bedeutet, dass in emotional schwierigen Situationen nicht direkt aus dem Impuls heraus agiert wird, sondern durch ausreichend Reflexion eine Handlungsfreiheit entsteht und demnach bewusst gehandelt werden kann.
Neben der bewussten Entscheidung legt die ACT ihren Fokus auf die Akzeptanz und das Loslassen von Dingen, die nicht veränderbar sind. Dadurch wird das Leid geringer gehalten, da es nicht durch dysfunktionale Gedanken weiter ausgebaut wird. Hierfür ist in manchen Situationen allein die Frage „Ist das hilfreich?“ ausreichend, um den negativen Gedankenstrudel zu stoppen. Dies wiederum führt dazu, dass wir innehalten können und anschließend eine bewusste Handlung möglich ist.

(vgl. https://www.actitude.de/magazin/akzeptanz-und-commitment-therapie)

Zusätzlich wurde mein Mut, mit der Gewissheit, dass keine Emotion endlos ist und dass ich Emotionen haben, aber ich nicht meine Emotion bin, bestärkt. Das Fachwissen über Emotionen hat mich ermutigt mich ihnen zu stellen. Gleichzeitig wurde ich mit jedem Aushalten der Emotionen in meiner eigenen Handlungsfähigkeit bestärkt. Ich hatte das Gefühl die Herrin über meine Emotionen zu sein, mit den Emotionen surfen zu können, anstatt mich für meine Emotionen zu bestrafen. So wurde ich Tag für Tag zunehmend meine eigene Freundin, anstatt meine größte Feindin.

So habe ich beispielsweise akzeptiert, dass ich im Untergewicht meiner sportlichen Leidenschaft, dem Halbmarathon, nicht nachgehen darf. Ich habe akzeptiert, dass ich eine verzerrte Körperwahrnehmung habe und meine familiäre Situation nicht meiner Wunschvorstellung entspricht und ich zunächst nicht mehr in mein Heimatdorf zurückziehen werde. Mit der Akzeptanz dieser Gegebenheiten lenke ich die Energie und den Fokus auf die Dinge, die ich beeinflussen kann. Ich trauere nicht mehr dem Defizit nach, sondern fokussiere mich auf die neuen Chancen, Möglichkeiten und Wege, die das Leben für mich bereithält.

Die Wiederernährung als unumgänglicher Baustein

Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle auch auf die Notwendigkeit der körperlichen Stabilisierung verweisen. Erst mit zunehmendem Gewicht ist es möglich sich auf neue kognitive Prozesse einzulassen, flexibler zu denken und die rigiden, engstirnigen und zwanghaften Denkweisen abzulegen. Ganz nach dem Motto „Das Gewicht ist nicht alles, aber ohne Gewicht ist alles nichts“

Trau dich, es könnte es ja gut werden!

Ich möchte dich mit meinen eigenen Erfahrungen dazu ermutigen, dich mit deinen Zielen auseinander zu setzen, altes loszulassen und neues wagen. Denkweisen zu hinterfragen und alte Muster zu durchbrechen, um bewusst Taten folgen zu lassen, die langfristig ein gesundes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

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Alin Peeberaterin

Alin

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