Trans sein und auf Widerstand stoßen: Meine Erfahrung mit Adipositas im Gesundheitssystem

Stolas, 17

Stolas gibt in diesem Beitrag einen persönlichen Einblick in die Herausforderungen, mit denen trans* Personen im Gesundheitssystem konfrontiert werden – von Hürden in der medizinischen Versorgung bis hin zu langen Wartezeiten auf psychotherapeutische Unterstützung. 


Ich bin seit fast vier Jahren als trans* geoutet. Vor knapp einem Jahr habe ich mich an eine Ärztin gewandt, die mir von einer meiner Hausärztinnen empfohlen wurde. Mein Wunsch war es, eine Hormontherapie zu beginnen – für mich ein wichtiger Schritt, um mich selbst zu finden und in meiner Identität anzukommen. Doch schon beim ersten Termin kam die Ernüchterung: Ich sei zu übergewichtig und bekäme deshalb kein Testosteron verschrieben.

Ich müsse erst abnehmen und deutliche gesundheitliche Verbesserungen zeigen, bevor die Ärztin meine Hormonbehandlung in Betracht ziehen würde. Statt mich in meiner Identität ernst zu nehmen und mich auf meinem Weg unterstützend zu begleiten, fühlte ich mich abgewiesen, bewertet und auf meinen Körper reduziert, allein aufgrund meines Gewichts.

 

DU SUCHST AUSTAUSCH MIT ANDEREN?

In unseren Selbsthilfegruppen kannst du dich mit anderen über die Themen Körper, Essen, Selbstwert unterhalten und gegenseitige Unterstützung erfahren. Melde dich direkt hier dafür an!

 

Ich hatte gehofft, in der medizinischen Versorgung eine sichere Anlaufstelle zu finden, doch stattdessen stieß ich auf eine Barriere, die meine Bedürfnisse und mein Gefühl von Selbstachtung ignorierte. Von da an begann ein langer und ermüdender Prozess. Ich brauchte eine Vielzahl an weiteren Fachärzt:innen, Psycholog:innen, Psychiater:innen, Ernährungsberatung, kardiologische Untersuchungen, usw.

Schließlich wurde mir ein Medikament zum Abnehmen verschrieben: Wegovy, ein verschreibungspflichtiges Mittel zur Gewichtsreduktion, das den Wirkstoff Semaglutid enthält. Es ahmt ein natürliches Hormon nach, das dem Gehirn Sättigung signalisiert. Dadurch wird der Appetit reduziert und die Magenentleerung verlangsamt.

Der Nachteil:

Die verlangsamte Magenentleerung verursacht bei mir starkes Sodbrennen und andere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Fatigue (Erschöpfung) und Schwäche bei körperlicher Anstrengung.

Ich bin seit ein paar Monaten auf der Suche nach einem Therapeuten oder einer Therapeutin, wurde aber schon fünf Mal abgelehnt. Die Suche wird einfach immer ermüdender.

Das Problem:

Die Nachfrage übersteigt seit Jahren schon das eigentliche Angebot. Gründe sind veraltete Bedarfspläne (₁basierend auf Zahlen von 1999) für Kassensitze, ein stark gestiegenes Bewusstsein für psychische Gesundheit sowie zu wenig Therapeut:innen. Die Wartezeit bis zu einem Therapiebeginn beträgt mittlerweile im Schnitt oft ₂ fünf Monate oder länger. Für Menschen, die dringend Unterstützung brauchen, ist das eine enorme Belastung. Es entsteht ein Teufelskreis: Wer Hilfe sucht, wird abgewiesen oder muss monatelang warten und wird dadurch oft noch verletzlicher.


Mein persönlicher und noch laufender Weg zeigt, wie viele Barrieren es im Gesundheitssystem gibt, besonders für trans* Personen, die oft mit zusätzlichen Vorurteilen und bürokratischen Hürden zu kämpfen haben. Es ist wichtig, dass wir über diese Herausforderungen sprechen, und Druck machen für mehr Ressourcen, bessere Ausbildung und eine empathischere medizinische Versorgung.

Mein Weg ist noch nicht zu Ende, und ich wünsche mir für mich und alle, die dasselbe erleben, ihn endlich ohne Widerstände gehen zu können, denn jeder Mensch verdient es, in seiner oder ihrer Identität respektiert und auf dem Weg begleitet zu werden, ohne ständige Abweisungen und Erschwernisse.

 

₁/₂  Fehlende Therapieplätze: Lange Wartezeiten belasten Betroffene

Wie lange wartet man in Deutschland auf einen Therapieplatz?

 

Schreib uns

Bianca Peerberaterin

Bianca

Wünschst du dir mehr Tipps?

Dich belasten Gedanken & Zweifel rund um die Themen Aussehen, Körper, Essen, Selbstwert? Hier kannst du uns 24/7 über WhatsApp schreiben. Jede Nachricht wird beantwortet! Bitte beachte, dass wir kein Krisendienst sind. Falls du dich in einer akuten Krise befindest, Suizidgedanken hast oder sofort Hilfe brauchst, ruf bitte umgehend die Telefonseelsorge an: 0800 1110111 (kostenlos).

Schreib uns!*

* dieser Link funktioniert nur auf deinem Mobiltelefon/Tablet, und du musst WhatsApp installiert haben.

Dich belasten Gedanken & Zweifel rund um die Themen Aussehen, Körper, Essen, Selbstwert? Hier kannst du uns per E-Mail schreiben. Jede Nachricht wird beantwortet! Bitte beachte, dass wir kein Krisendienst sind. Falls du dich in einer akuten Krise befindest, Suizidgedanken hast oder sofort Hilfe brauchst, ruf bitte umgehend die Telefonseelsorge an: 0800 1110111 (kostenlos).

* Pflichtfelder

Du hast selbst die Wahl, ob und über welchen Kanal du mit uns in Kontakt treten möchtest – entweder per WhatsApp oder per E-Mail. Insofern noch nicht erfolgt, musst du hierfür unabhängig von unserer Beratungsplattform bei einem Kommunikationsdienstleister deiner Wahl (z.B. Web.de, GMX.de, Gmail.com, Facebook/Meta, etc. ) eine E-Mail-Adresse bzw. einen WhatsApp-Account registrieren. Bitte beachte, dass du hierbei stets die Datenschutzbestimmungen der Kommunikationsdienste akzeptierst, die als „Datenverarbeiter“ die gesetzlichen Datenschutzauflagen (insbesondere der DSGVO) zu erfüllen haben.

Nachdem du uns über den „Kommunikationsdienst“ deiner Wahl angeschrieben hast, wird deine Nachricht automatisiert in einer zentralen Beratungsplattform (Lime Connect) gespeichert und verarbeitet.

Grundsätzlich können alle unsere Peer-Berater*innen auf deine Nachricht(en) und ggf. auch Kommunikationsdaten (z.B. Email-Adresse, Handy-Nummer) über diese Plattform zugreifen. Wir werden mit deinen Daten bzw. Informationen natürlich sehr vertraulich umgehen und diese niemals weitergeben oder außerhalb dieser Plattform speichern. Die einzige Ausnahme: Falls du im Gespräch mit den Berater*innen Suizidgedanken äußerst oder andeutest, sind wir dazu verpflichtet, deine E-Mail-Adresse, Handynummer oder IP-Adresse an die Polizei weiterzugeben.

Der Versand von Nachrichten, egal ob per E-Mail oder per Whatsapp, erfolgt durch uns ausschließlich über die Beratungsplattform. Lime Connect speichert hierfür Nachrichten in eigenen Datenbanken und übermittelt diese direkt oder über Schnittstellen an die von euch gewählten Kommunikationsdienste.

Theoretisch kann auch Lime Connect als s.g. Auftragsdatenverarbeiter auf deine Daten bzw. unsere Kommunikation zugreifen. Um dies abzusichern, haben wir mit dem Dienstleister eine „Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung“ geschlossen, die die Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung gewährleistet. Mehr dazu kannst du hier lesen.

Lime Connect nutzt bzw. speichert zur Bereitstellung des Dienstes die von euch bei den Kommunikationsdiensten hinterlegten personenbezogenen Daten, insbesondere Vor- und Nachnahme, Endgerät, Profilbild sowie die über Lime Connect ausgetauschten Nachrichten. Diese Daten werden in einer verschlüsselten Datenbank gespeichert. Weder Lime Connect, noch wir, werden jemals personenbezogene Daten von euch an die Kommunikationsdienste übermitteln!

Die o.g. Daten werden nur zur internen Fallbearbeitung bzw. für die Beantwortung eurer Nachrichten genutzt, wir geben sie nicht weiter und verwenden sie nicht anderweitig. Für andere Chat-Nutzer sind die o.g. Daten nicht sichtbar oder zugänglich, da wir keine Gruppennachrichten verschicken. Wenn du dich von dem Dienst abmeldest (s.u.) werden deine o.g. Daten aus der Datenbank gelöscht.

Mehr Informationen und die Datenschutzerklärung von Lime Connect findest du hier.

Du kannst dich jederzeit vom Dienst abmelden und deine Einwilligung zur Datenverarbeitung widerrufen. Sende dazu einfach in deinem Messenger die Nachricht „STOPP“. Wenn du zusätzlich auch alle Daten löschen möchtest, sende „Alle Daten löschen“.

Bitte beachte auch unsere ausführlichen Informationen in unseren Datenschutzbestimmungen. ( als Link: https://in-cogito.de/datenschutz/)

Chat-
Beratung
Gesprächs-
Gruppen
Spenden