Adipositas – Mehr als nur ‚,weniger essen", ,,mehr bewegen"
„Er oder sie müsste sich einfach mal zusammenreißen.“ – „Weniger essen und mehr bewegen. So schwer ist das doch nicht.“
Kaum eine Erkrankung ist so stark mit Vorurteilen behaftet wie Adipositas. Betroffene erleben neben gesundheitlichen Belastungen häufig auch Stigmatisierung im Alltag, im Beruf und im Gesundheitssystem. Es ist, wissenschaftlich betrachtet, eindeutig. Adipositas ist eine chronische Erkrankung. Sie ist keine Charakterschwäche und kein Mangel an Willenskraft.
Adipositas: Was ist das?
Die World Health Organization (WHO) stuft Adipositas als Krankheit ein, da sie mit anhaltenden Stoffwechsel- und Hormonveränderungen verbunden ist und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen erhöht. Als chronische Erkrankung gilt sie, weil sie meist langfristig besteht, sich über Jahre entwickeln kann und oft eine dauerhafte medizinische Begleitung erfordert. Adipositas entwickelt sich nicht immer gleichmäßig oder vorhersehbar, sondern entsteht bei verschiedenen Menschen unterschiedlich schnell und kann in unterschiedlichen Mustern verlaufen. Deshalb erfordert sie wie andere chronische Erkrankungen eine langfristige Betreuung statt kurzfristiger Lösungen.
Sie kann sich auf verschiedene Bereiche auswirken, zum Beispiel auf die körperliche Gesundheit, etwa durch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf das psychische Wohlbefinden und auf das soziale Leben. Außerdem kommt es nach Gewichtsabnahmen häufig zu einer erneuten Gewichtszunahme, was ebenfalls typisch für chronische Erkrankungen ist.
Stigmatisierung und Gewichtsdiskriminierung
Menschen mit Adipositas erfahren oft Stigmatisierung im Alltag, bei der Arbeit und sogar im medizinischen Umfeld. Stereotype wie „faul“ oder „isst nur Junk Food“ verstärken Scham, beeinträchtigen Selbstwert und führen dazu, dass medizinische Hilfe seltener in Anspruch genommen wird.
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Über Adipositas wird viel gesprochen. Oft vorschnell. Oft wertend. Viele der folgenden Sätze klingen harmlos. Manche sind sogar gut gemeint. Aber sie greifen zu kurz und können verletzen. Hier sind einige dieser häufigen Gedanken, die aufkommen:
Diese Aussage ist zu vereinfacht. Unser Körper reguliert Hunger, Sättigung und Energieverbrauch über komplexe biologische Mechanismen. Besonders nach starkem Gewichtsverlust kann es passieren, dass der Körper gegen die weitere Gewichtsabnahme arbeitet, weil er versucht, sein ursprüngliches Gewicht zu halten. Das zeigt, dass Gewichtsentwicklung nicht nur eine Frage von Willenskraft ist, sondern auch von biologischen Faktoren.
Natürlich spielen Ernährung und Bewegung eine Rolle. Sie sind wichtig für die Gesundheit insgesamt. Aber sie erklären nicht alles. Manche Menschen nehmen unter gleichen Bedingungen schneller zu als andere. Genetik, hormonelle Steuerung, Stress, Schlaf, Medikamente und Lebensumstände beeinflussen das Gewicht oft stärker, als man von außen vermutet.
Viele Menschen mit Adipositas haben unzählige Diäten hinter sich. Sie haben verzichtet, gezählt, geplant und neu angefangen. Dass das Gewicht langfristig stabil bleibt, kann jedoch durch biologische Faktoren erschwert werden, unter anderem da der Körper Hunger- und Stoffwechselprozesse so reguliert, dass ein erneuter Anstieg nach Gewichtsverlust begünstigt werden kann. Medizinische Unterstützung kann dabei helfen, diese Mechanismen besser zu verstehen, individuelle Strategien zu entwickeln und mögliche gesundheitliche Folgen zu überwachen. Unterstützung anzunehmen ist daher kein Scheitern, sondern ein realistischer Schritt im Umgang mit einer chronischen Erkrankung
Dieses Vorurteil sitzt tief in unserer Gesellschaft und führt dazu, dass Menschen mit Adipositas oft als selbst verantwortlich für ihr Gewicht angesehen werden. Dadurch fällt es leichter, Abstand zu halten oder Betroffene auf ihr Verhalten zu reduzieren, anstatt die komplexen Ursachen zu berücksichtigen. Dabei wird ausgeblendet, wie stark Umwelt, psychische Belastungen, soziale Faktoren und genetische Veranlagung das Körpergewicht beeinflussen. Niemand entscheidet sich bewusst für eine chronische Erkrankung.
Eine bariatrische Operation, auch Adipositas- oder metabolische Chirurgie genannt, ist kein schneller Ausweg, sondern ein medizinischer Eingriff, bei dem der Magen oder der Verdauungstrakt so verändert wird, dass Sättigung und Nahrungsaufnahme beeinflusst werden. Dabei geht es nicht um eine einfache Lösung, sondern um einen komplexen Behandlungsprozess mit Vorbereitung, klarer medizinischer Indikation und langfristiger Nachsorge. Mehr dazu im Erfahrungsbericht „Ein neuer Körper, ein alter Kampf, ein anderer Weg“.
Adipositas betrifft nicht nur das äußere Erscheinungsbild. Sie kann das Risiko für ernsthafte Folgeerkrankungen erhöhen, zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes, und die Lebensqualität deutlich einschränken. Gleichzeitig verschlechtert die gesellschaftliche Abwertung die Situation zusätzlich. Wenn Menschen mit Adipositas abgewertet oder vorverurteilt werden, kann es passieren, dass sie sich zurückziehen, Arztbesuche vermeiden oder sich nicht mehr ernst genommen fühlen. Das kann die gesundheitliche Situation weiter belasten.
Tipps für einen respektvollen Umgang mit Adipositas
Auch vermeintlich kleine Dinge wirken belastend: zu kleine Sitzgelegenheiten, unpassende Kleidung oder unzureichende medizinische Ausstattung. Ein respektvoller Umgang ist entscheidend, um gesundheitliche Risiken zu reduzieren und eine faire, wirksame Versorgung zu ermöglichen.
Schuldzuweisungen, ,,Fat Jokes” oder Kommentare zu Essen und Bewegung vermeiden. Stattdessen neutrale Formulierungen wie „gesund leben“ nutzen.
Wenn du siehst, dass jemand ausgegrenzt oder beleidigt wird, setze dich aktiv dagegen ein und erkläre, dass Adipositas eine komplexe Erkrankung ist, keine Charakterfrage.
Menschen nicht über Gewicht definieren und ein inklusives Umfeld schaffen – bei Sitzgelegenheiten, Kleidung oder Frezeitangeboten auf unterschiedliche Körpergrößen achten. Gemeinsame Aktivitäten sollten Spaß machen, ohne Gewicht als Maßstab.
Es kann hilfreich sein, auf bestehende Unterstützungsangebote wie Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder Austauschmöglichkeiten hinzuweisen, wenn Betroffene danach suchen. Gleichzeitig sollte sensibel mit Darstellungen von Adipositas in Medien umgegangen werden, um Stigmatisierung zu vermeiden und eine differenzierte Diskussion darüber zu fördern.
Offen bleiben, eigene Gedanken und Worte reflektieren und sichtbar gegen Diskriminierung handeln.
Erfolge an Wohlbefinden, Bewegung und Lebensqualität messen, nicht nur an der Zahl auf der Waage.
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Quelle: privatMonja
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