„Ich entfolge dir“: Wenn Instagram keinen Spaß mehr macht

Quelle: privat

Verena, 21

@verena__1211

Instagram, Whatapp, Snapchat … Social Media ist inzwischen ein Hauptbestandteil unseres Lebens geworden. Schon in jungen Jahren beschäftigen wir uns damit und bewegen uns im Internet ohne jeglichen Gedanken, wie und ob uns die Personen dort in unserem Denken und Handeln beeinflussen.

Selbstzweifel durch Instagram?

Laut der JIM-Studie von 2017 nutzen inzwischen 82 Prozent der Jugendlichen Whatsapp täglich und 46 Prozent sind jeden Tag auf Instagram aktiv. Wir werden tagtäglich unbewusst und auch direkt von anderen Personen beeinflusst, die eigentlich keinen Einfluss auf unser Denken und unsere Körperwahrnehmung haben sollten. Durch Social-Media-Profile werden uns komplett falsche Körperideale gezeigt, die uns letztendlich dazu bringen, große Selbstzweifel aufzubauen. Unser Selbstwert sinkt. Oft folgt daraus, dass wir mit unserem Körper unzufrieden sind. Auch mir ging es lange Zeit so. Durch meinen täglichen Social-Media-Konsum, habe ich ebenfalls viele scheinbar „perfekte“ Menschen gesehen und irgendwann unbewusst angefangen, mich mit ihnen zu vergleichen. Ich habe mich selbst fertig gemacht und mich dadurch immer mehr zurückgezogen. Lange Zeit hatte ich vergessen, dass ich nicht „perfekt“ sein muss, um mich selbst zu mögen. Die Selbstzweifel und Vorwürfe wurden erst besser, als ich durch Zufall festgestellt habe, wie sehr es helfen kann, den Social-Media-Feed zu entrümpeln.

#Unfollow: eine Beleidigung?

Instagram entruempelnQuelle: Photo by Ernest Brillo on Unsplash.comQuelle: Photo by Ernest Brillo on Unsplash.com
Quelle: Photo by Ernest Brillo on Unsplash.com
„Was mir nicht guttut, schau ich mir nicht mehr an."

Zu Beginn meiner Entrümpelungsaktion habe ich mir die Frage gestellt, ob es schlimm ist, Freunden und Bekannten aufgrund ihrer Selbstdarstellung und ihren Sprüchen zu entfolgen. Vor einiger Zeit hätte ich das auf jeden Fall noch mit „Ja“ beantwortet. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es okay ist, seine eigene Meinung oder seine Einstellung auch mal mit einem „Entfolgen“ zu äußern. Ich bin tatsächlich auch schon ein paar Leuten entfolgt und habe nach ein paar Monaten festgestellt, dass ich ihre Beiträge vermisse. Ich wollte den Kontakt wieder und habe sie deswegen auch wieder zu meinen Abonnements hinzugefügt. Auch das ist in Ordnung.
Niemand nimmt es dir übel, wenn du sagst „Nein, danke. Es ist zu viel für mich. Es tut mir nicht gut“, auch wenn es vielleicht deine Freundin oder ein Bekannter ist. Du wirst nicht gezwungen verschiedenen Leuten zu folgen, sondern das passiert nach deinem Willen und du kannst deine Entscheidung jederzeit ändern. So etwas passiert schließlich ständig. Und wenn es wirklich Freunde gibt, die dir dann böse sind, ist es vielleicht besser, sich etwas von der Person zu distanzieren. Denn welche Freundschaft sollte von Likes und Kommentaren abhängig sein?

Ich entscheide, was mir guttut

Ich selbst folge auf Instagram vielen, die ich aus der Schule kenne. Ich habe überhaupt nichts gegen tolle Sprüche, Urlaubsbilder und Hashtags, aber wenn ich durch meinen Feed gehe und mir das zwanzigste Bild des perfekten Urlaubs innerhalb von zwei Tagen ins Auge sticht und ich mir denke: „Na super, schon wieder ein perfektes Leben“ und die Augen verdrehe, drücke ich schnellstmöglich den Entfolgen-Button. Denn was nützt es mir, die Bilder mit Groll zu betrachten? Social Media sollte Spaß machen und nicht nur ein schlechtes Gewissen, Selbstvorwürfe und Druck verursachen.

Kein Spaß mehr an Social Media

Es gibt viele tolle Profile auf Instagram. Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind und uns Follower eine Menge geben. Sei es durch atemberaubende Bilder, wunderschöne Texte oder durch Content, der zum Nachdenken anregt. Eine lange Zeit war Instagram für mich nur eine Plattform, auf der die Mehrheit der Nutzer sich „perfekt“ inszenieren. All die Reisen, „schlauen“ Sprüche und Selbstdarstellungen haben auch mich indirekt an mir zweifeln lassen. Wer möchte nicht zu dieser perfekten Welt gehören, in der Körper schlank und die Personen unglaublich „schön“ sind.
Ich hatte den Spaß an Social Media verloren. Mich hat der Insta-Feed so runtergezogen, dass meine Zweifel die Oberhand gewannen. Ich wollte wieder mehr Ehrlichkeit in meinem Feed, mich mit mehr wirklich beeindruckenden Persönlichkeiten befassen.

Der Anstoß durch Influencer

Durch Zufall bin ich auf das Profil von Morena Diaz gestoßen und es hat mich berührt. Ihre Art die Dinge zu sehen, die wir heutzutage fast nicht mehr wahrnehmen und ihren „Kampf“ in Richtung Selbstliebe zu begleiten, hat auch bei mir einen Schalter umgelegt.

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Here’s my answer to #bodyshaming and hate on the internet ??♥️ under my last video someone commented in German: fat, fatter, Morena and ugly on top. Well.. I don’t care, I’m happy and my recipe to not care is simply to know that you’re absolutely enough the way you are and to not give some internet rambos the power to make you insecure. Dancing and jiggling the hate awayyyy ♥️♥️♥️ happy easter everyone ! ?. . #jedentageinbisschenm0reniita #selflove #confidence . . p.s fat is not an insult, it‘s an adjective. Fat people are as worthy as thin people as able bodied people as disabled people. But in this context I knew this person wanted to insult me. . . Meine Antwort auf #bodyshaming und Hass im Internet: ??♥️ unter meinem letzten Tanzvideo hat jemand gemeint, er müsse meinen Körper und mich beleidigen und runterziehen aber ganz ehrlich? Keine Chance. Mein Rezept: man muss wissen, dass man gut ist wie man ist und diesen Internet Rambos keine Macht geben, dich zu verunsichern. Deshalb tanze ich diesen Hate einfach weg ♥️♥️ wünsche allen frohe Ostern ??

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Ich glaube sogar, dass ich durch diesen Account den ersten Schritt in Richtung Selbstliebe geschafft habe. Ich dachte vorher immer, dass mich Social Media nicht beeinflusst, weder in Richtung Selbstwertgefühl noch Selbstdarstellung. Doch in Wahrheit hat es mich sehr beeinflusst. Mein Entschluss stand fest: Alles muss raus!

So habe ich meinen Insta-Feed aussortiert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen auszusortieren, geht das relativ einfach und schnell. Ich habe zum Beispiel durch meinen Feed gescrollt und mir überlegt, ob mir die Beiträge dieser Personen guttun. Oft hatte ich die Entscheidung unterbewusst auch schon länger getroffen und es fehlte nur noch das finale Entfolgen. Das hört sich jetzt an, als wäre es eine relativ große Sache. Und für mich war es das auch – das Entfolgen an sich nicht, aber die Gedanken und Zweifel dahinter, die Angst, nicht mehr Teil von etwas zu sein.

Auch nach ein paar Monaten, in denen ich immer weiter aussortiere, fallen mir ab und an noch Profile auf, die bisher beispielsweise inaktiv waren und dann plötzlich wieder etwas posten. Es gibt also immer etwas abzuwägen, zu tun und zu sortieren. Und wahrscheinlich ist man damit nie komplett fertig. Denn das ganze Leben ist ein Weiterentwicklungsprozess und wie die Menschen und ihre Medienidentität entwickeln wir uns alle weiter. Neue Denkweisen und Lebenswege verändern unsere Sicht auf die Dinge und auf das Leben an sich.

Keine Like-Flatrate

Inzwischen mache ich mir immer viele Gedanken, bevor ich jemand Neuem folge. Ich schaue mir nicht nur das eine Bild an, was mich auf die Person aufmerksam gemacht hat, sondern auch noch weitere und entscheide dann, ob ich mich mit dem Content und den Gedanken der Person beispielsweise identifizieren kann. Erst dann folge ich ihr.

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