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Nora Wunderwald

Nora Wunderwald: Ich möchte eine Inspiration sein

Quelle: privat

Anka Lisa, 21

Schminktipps, Hauls und Hacks? Nicht bei Nora Wunderwald. Die  YouTuberin möchte ihre Reichweite in den sozialen Medien verantwortungsvoller nutzen und will mit ihrem nachhaltigen Lebensstil und ihrer offenen Art ein Vorbild sein. Im Interview erzählt sie, wie sie mit negativen Online-Kommentaren, Offline-Stress und ihrer Rolle als Influencerin umgeht.

ANKA für InCogito: Hi, Nora! Schön dich zu sehen und mit dir sprechen zu dürfen.

NORA: Hallo. Gerne, ich freue mich auf unser Gespräch.

ANKA: Wie geht es dir denn gerade?

NORA: Crazy. Crazy times.

ANKA: Das musst du erklären …

NORA: Naja, ich bin vorhin vom Ballett und vom Einkaufen wiedergekommen und dachte, dass ich mir jetzt einen entspannten Abend mache und wir dann telefonieren. Seitdem ist meine neue Waschmaschine überraschenderweise schon gebracht worden, ich habe mit meiner Mama telefoniert und meine mir bis dato unbekannten Nachbarn waren auch noch da – und haben die Waschmaschine angeschlossen. Ich habe das Gefühl, dass es immer so kleine unvorhergesehene, aber auch schöne Dinge im Leben sind, die alles stressig machen. Aber jetzt bist du dran. Schieß los.

Ich habe immer zu mir gestanden

ANKA: Okay, über Stress wollte ich nachher auch noch reden. Aber als erstes würde ich gern wissen, warum du überhaupt angefangen hast, Videos auf YouTube hochzuladen?

NORA: Also es war so, dass ich mir selbst regelmäßig YouTuber angeschaut habe und mir immer dachte: Das will ich auch machen. Und das habe ich dann auch gemacht. Auf einem ganz anderen Kanal und mit ganz anderen Videos als heute. Ich habe mir zum Beispiel von Demi Lovato ein Album genommen und das einmal komplett, jedes Lied, reviewt. Ich hatte einfach Lust mich zu zeigen – und vor allem auch Rückmeldungen zu bekommen.

ANKA: Warum war dir das so wichtig?

NORA: In der Schule wurde ich nicht wirklich gemocht. Und diese Leute, die mich in der Schule gepiesackt haben, haben die Videos dann natürlich auch gefunden und das als gefundenes Fressen genommen. Letztendlich habe ich die Schule gewechselt und neu angefangen, auch mit YouTube. Ich hatte einfach Spaß daran, in die Kamera zu sprechen, mehr Leute im Netz kennenzulernen und ja, vielleicht brauchte ich auch diese Bestätigung, die mir offline so gefehlt hat. Und so kam es zu meinem neuen Kanal, den ich bis heute habe und der seit neustem „Reden ist Gold“ heißt.

ANKA: Wie mutig von dir, noch einmal neu anzufangen.

NORA: Ja, und dann habe ich auch schnell gemerkt: Manche Schulkameraden sehen zu mir auf, nehmen mich an. Natürlich wurde da auch mal getuschelt und gelacht, aber ich habe immer zu mir gestanden, weil es mir einfach Spaß gemacht hat. Und dann habe ich ja auch die Bestätigung erfahren: auf einmal haben Sechstklässler alle meine Videos geguckt. Das war so ein richtiger Startschuss.

Respektlos behandelt zu werden, tut immer weh

ANKA: Wie schaffst du es, so regelmäßig neue Videos zu machen, an deinem Erfolg dranzubleiben?

NORA: Routine ist auf jeden Fall wichtig. YouTube in meinen Alltag einzuplanen ist natürlich schwer, gerade neben der Schule – und jetzt der Uni. Gerade vorhin ist mir aufgefallen, dass ich heute eigentlich noch meinen Podcast aufnehmen muss. Jetzt klappt das erst morgen. Ich habe YouTube und meine ganzen anderen Sachen einfach noch nicht als meinen festen Job abgespeichert. Ist es ja auch nicht, und deshalb muss ich mich vorrangig auch um anderes kümmern. Aber tatsächlich nimmt das alles schon sehr viel Zeit in Anspruch: die Aufnahme, der Schnitt, ich mache vorher auch immer eine Art Konzept, dann das Hochladen und das Sichten und Beantworten der ganzen Kommentare. Da bist du die ganze Zeit physisch und psychisch dabei.

 

ANKA: Apropos Kommentare: Oft sind sicher auch kritische Kommentare oder sogar Hate Speech dabei. Wie gehst du damit um?

NORA: Das Ding ist bei negativen Kommentaren: Meistens ist es nicht der Kommentar an sich, der mich traurig macht, sondern das Wissen, dass dahinter ein Mensch steht, der sich Zeit genommen hat, um mir sowas Fieses entgegenzubringen. Mir fehlt da oft die Menschlichkeit. Das macht mich fertig und das ist ja auch etwas, was ich eigentlich nie in meinen Videos rüberbringe. Ich mache die ja aus einem total positiven Hintergedanken heraus: Ich will helfen und was Gutes tun und inspirieren. Ich meine ja nie irgendwas böse. Aber dann manchmal so krass respektlos behandelt zu werden, das wird mir immer wehtun.

ANKA: Gibt es dann auch Kommentare und Nachrichten, die dich nachhaltig verunsichern? Und wünschst du dir vielleicht sogar manchmal, dass du YouTube nie angefangen hättest?

NORA: Ja, ich bin gerade erst so durch eine Phase gegangen. Ich bekomme so viel Zuspruch. Und trotzdem ist es so, dass dann ein heftiger Kommentar macht, dass ich lange Zeit darüber nachdenke. Damit umzugehen, muss ich auch weiterhin lernen. Was mir aber hilft, ist Abstand zu nehmen, wegzugehen und mich mit Leuten zu umgeben, die mir guttun, die mich lieben, die mich selbst auch inspirieren.

Ständig online sein tut mir nicht gut

Ständig Online sein tut nicht gutQuelle: Foto: Martin WunderwaldQuelle: Foto: Martin Wunderwald
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Offline-Aktivitäten baut sich Nora Wunderwald bewusst in ihren Alltag ein

ANKA: Würdest du denn sagen, dass dein Leben momentan eher online oder offline stattfindet?

NORA: Das ist auf jeden Fall eine Mischung und ich kann gar nicht sagen, was mehr oder weniger ist. Aber definitiv findet sehr vieles, was ich mache, online statt. Aber ich würde viel lieber mehr lesen. Deswegen habe ich mir jetzt eine Zeitung abonniert. Und dann nehme ich mir ganz konkret Offline-Aktivitäten vor: Heute war ich auf dem Markt und beim Ballett, ich kaufe in einem kleinen Tante Emma Laden in der Altstadt ein und kaufe mir immer mal einen schönen Blumenstrauß zum Bewundern. Ich versuche also schon, vieles auch ausschließlich offline stattfinden zulassen, weil ich einfach merke, dass das ständige Online sein mir auf Dauer nicht guttut. Ich habe manchmal auch das Gefühl, zu vereinsamen. Oft merke ich viel zu spät, wie lange ich alleine war oder nur am Handy kommuniziert habe.

ANKA: Selbst ich als Nicht-Influencerin merke, dass es mir psychisch besser geht, wenn ich mal Digital Detox mache. Das hat ja auch etwas mit Achtsamkeit zu tun. Wie planst du denn deine Tage?

NORA: Das ist tatsächlich ein sehr großer Punkt gerade in meinem Leben. Ich habe mir nämlich echt zu viel aufgebürdet: Studium, YouTube, mein Jugendmagazin TIERINDIR, meine Nebenjobs. Und dann habe ich ja auch Freunde und Hobbys. Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass ich extrem wenig Zeit habe für mich und für das, wofür ich wirklich brenne. Erst kürzlich habe ich also einen der Nebenjobs gekündigt, bei dem es nur ums Geld ging. Meine To-do-Liste ist im Moment noch endlos. Ich kann, was Planung angeht, aktuell nicht wirklich ein Vorbild sein, sondern bin selbst noch auf der Suche, mich in diesem Punkt besser zu strukturieren.

ANKA: Siehst du dich denn in anderen Bereichen als Vorbild?

NORA: Es ist verrückt: Ich erinnere mich an einen Moment, da bin ich abends aus meiner Schule rausgegangen und habe gedacht: Ich möchte mal für irgendjemanden eine Inspiration sein. Ich will ein Vorbild sein. Ich habe mir das richtig gewünscht. Und nun bekomme ich das Feedback meiner Follower, dass ich eben genau das seit ein paar Jahren für sie bin. Gerade was Nachhaltigkeit und vegane Ernährung angeht. Das ist sowas Großes für mich und so ein Geschenk. Und es ist für mich überhaupt keine Bürde. Denn das was ich tue, was die Leute an mir mögen, mache ich, weil ich es will und nicht, weil sich daraus so tolle Videos drehen lassen. Das bin einfach ich.

Gesundheit vor Erfolg

ANKA: Wie steht’s bei dir um den Begriff „Influencer“ – benutzt du das Wort selbst gern um deine Tätigkeit zu beschreiben?

NORA: Ich finde jeder Mensch ist ein Influencer, also auch du und meine Mutter, wir alle beeinflussen doch Leute mit dem, was wir sagen, mit dem, was wir machen, mit dem, was wir lieben. Und ansonsten gefällt mir als Berufsbezeichnung sowas wie „Content Creator“ besser.

ANKA: Wie reagierst du auf Anfragen von Unternehmen, die dich bitten, Werbung für sie zu machen. Du lebst ja vegan – hast du da bestimmte eigene Regeln was Kooperationen angeht?

NORA: Tatsächlich lehne ich sehr viel ab. Denn alle Produkte, die ich benutze oder zeige, müssen mir A) gefallen und B), müssen sie vegan sein, tierversuchsfrei, zero-waste. Meistens sind das dann kleine Brands, die noch diesen gewissen Push brauchen. In den meisten Fällen verlange ich auch kein Geld, sondern bekomme einfach das Produkt.

ANKA: Wirst du für deine Kooperationen auch kritisiert?

NORA: Ich werde eher sehr hart dafür kritisiert, wenn irgendetwas nicht 100 Prozent zero-waste ist oder vegan oder so. Mir ist aufgefallen, dass Instagrammer, die sich sehr um Nachhaltigkeit bemühen, viel härter in der Kritik stehen, als Leute, die bei Primark einkaufen und Hauls über Hauls machen. Erst kürzlich wurde dariadaria auch wieder übel runtergemacht, weil sie einen Flug nach Tel Aviv genommen hat. Diese Kritik steht dann für mich nicht im richtigen Verhältnis. Manchmal habe ich das Gefühl, manche Leute freuen sich einfach darüber, vermeintliche Schwächen aufzudecken und breitzutreten.

ANKA: Aber entfolgen dir dann auch viele auf so etwas? Legst du da Wert drauf?

NORA: Ich würde ja sehr gern sagen, dass es mir das egal ist, aber ich achte da schon drauf: Ich bin auch traurig, wenn ich viele Dislikes bekomme. Und es macht mich schon glücklich, wenn ein Video viele Klicks hat. Weil ich ja möchte, dass die von mir gut gemeinten Inhalte auch gut ankommen!

ANKA: Würdest du deine Inhalte ändern, wenn du merkst, dass deine Sachen nicht mehr so gut ankommen?

NORA: Ich werde immer das machen, was sich für mich richtig anfühlt.

ANKA: Spielt Ruhm eigentlich eine Rolle für dich? Du bist ja schon irgendwie sehr präsent in dieser bestimmten Sphäre rund um Nachhaltigkeit und junge Gründer, sprichst auf Medienevents …

NORA:  Ruhm ist ja so ein Faktor, an dem man Erfolg misst und an dem sich die Konkurrenz auch langhangelt. Wer ist erfolgreicher? Wer hat mehr Follower? Aber in den letzten Wochen habe ich spüren müssen, dass das eigentlich alles egal ist. Meine Gesundheit ist das Wichtigste für mich.

ANKA: Heißt das, dass du kürzer treten willst?

NORA: Es heißt, dass ich mehr auf mich achten möchte. Es fällt mir total schwer, mit etwas aufzuhören, Leute zu enttäuschen und hängenzulassen. Aber dadurch, dass es mir so schlecht ging, habe ich wieder gelernt: Liebe dich selbst vor allem anderen. Liebe dich selbst vor deinem Job, liebe dich selbst vor den anderen Menschen, um die du dich kümmern musst. Denn nur, wenn du dich selbst liebst und dich selbst respektierst und um dich kümmerst, hast du Energie für andere und anderes.

ANKA: Wow, das hast du schön gesagt! Vielen Dank für deine ehrlichen Antworten, Nora.

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