Schön, dass du da bist. Dieser Text könnte dich sehr berühren. Wenn du eine Essstörung, eine Depression oder Suizidgedanken hast, könnte dieser Text dir gerade nicht guttun. Bitte überlege dir, ob du ihn wirklich lesen möchtest. Hast du Redebedarf? Dann hilft dir vielleicht unser Angebot hier weiter.

Alles Liebe, Deine Incogito-Redaktion.

Quelle: Farina Deutschmann

Einmal Essstörung, immer Essstörung?

Quelle: Kira Siefert

Viele Jahre hat Kira geglaubt, dass sie lernen kann, anders mit ihrer Essstörung umzugehen. Heute ist sie davon überzeugt, dass ihre Heilung nur über den Weg zu sich selbst möglich war – und teilt ihre Erfahrungen unter anderem in ihrem eigenen Podcast.

Hast du eine Essstörung? Fühlst du dich wohl, so wie du bist? Wenn du dir nicht sicher bist, kannst du jederzeit den Selbsttest machen und die Unterstützungsangebote hier auf der Seite nutzen. Du brauchst keine Angst vor deinem Test-Ergebnis zu haben, denn eins verspreche ich dir aus eigener Erfahrung:

Du bist nicht allein und Heilung ist möglich!

Früher habe ich es nicht einmal gewagt, an Heilung zu denken. Auch nachdem ich den „SoulFood Journey Podcast“ für Menschen mit Essstörungen gestartet habe, fiel es mir schwer, über Heilung zu sprechen. Wenn ich in Interviews für andere Podcast-Shows gefragt wurde, habe ich meistens gesagt, dass jeder einen neuen Umgang mit Essen erlernen und die Essstörung somit hinter sich lassen kann. Ich war mir damals selbst noch nicht sicher, ob ich an vollständige Heilung glaube und meine wahren Gedanken dazu teilen möchte. Ich hatte damals immer Angst davor, wie die Menschen auf meine Worte reagieren. Ich hatte Angst vor Kritik und habe mich davor gefürchtet, mich öffentlich zu zeigen, so wie ich bin. Doch daran führte irgendwann kein Weg mehr vorbei, nachdem ich mir meiner eigenen Wahrheit immer bewusster wurde.

Nach ambulanten Therapien und einem stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik bin ich für mich losgegangen und war bereit, alles dafür zu tun, meine Seele zu befreien. Jetzt, fünf Jahre später und einige Schritte weiter auf meinem Heilungs- und Lebensweg, sitze ich hier an meinem Schreibtisch in Berlin und stehe voll und ganz dahinter: Heilung ist möglich!

 

Wenn ich heutzutage über Heilung spreche, dann meine ich damit nicht den Wunsch oder die Erwartung, ein Leben ohne Essstörung zu führen. Mit Heilung meine ich, dass du dich auf die Entwicklung deiner Persönlichkeit einlässt. Dir alles anschaust, was innerlich passiert und zu dir gehört. Alles loslässt, was du dir zwar angeeignet hast, was jedoch nicht deiner Wahrheit entspricht. Heilung ist deine Entwicklung, die ein Leben lang stattfindet. Heilung ist der Prozess, den du durch jeden einzelnen Schritt auf deinem Weg erlebst. Willst du auch den Weg der Heilung wählen? Hol dir hier Hilfe. 

Ändere deine Perspektive

Wer kann dir mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass du für immer an einer Essstörung leiden wirst? Und worauf basiert diese Aussage überhaupt, falls sie dir gegenüber jemals ausgesprochen wurde oder du sie irgendwo gelesen hast?

Betrachte deine Essstörung heute ausnahmsweise mal als einen festen Anteil in deiner Innenwelt, der aktuell zu deinem Leben dazugehört. Nimm diesen Anteil für den jetzigen Moment insofern an, dass deine Essstörung ein fester Bestandteil deiner jetzigen Welt ist, in der du dich tagtäglich drehst. Geistig, körperlich und emotional. Wenn deine Innenwelt, in der deine Persönlichkeit wohnt, glaubt, eine Essstörung zu brauchen, dann nur aus einem Grund: Du glaubst, dich vor etwas beschützen zu müssen und brauchst sie als dein ganz individuelles, emotionales Alarm-System. Sie warnt dich in jeder Lebenslage zuverlässig vor lauernden Gefahren. Selbst dann, wenn noch keine reelle Gefahr in Sicht ist. Sie ist super aufmerksam, beschützt dich um jeden Preis, gibt Tag und Nacht auf dich Acht und funktioniert wie von alleine.

Was deine Essstörung jedoch nicht weiß – und auch meistens nicht versteht – ist, dass du sie garnichtmehr brauchst. Wenn du deiner Essstörung wie einem Weckruf begegnest und ihr Verständnis entgegenbringst, dann wirst du sicherlich langfristig mit ihr sprechen können. Ihr werdet eine Lösung finden und euch auf ein Leben ohne Essstörung einigen.

Dafür ist es wichtig, dass du die Sprache deiner Essstörung lernst. Du musst sie verstehen und deuten können. Jede Form von Essstörung ist aus meiner Sicht der Ausdruck der eigenen Seele. Sie versucht die ganze Zeit, dir etwas Wichtiges mitzuteilen. Und was machen wir in den meisten Fällen? Wir versuchen sie so schnell wie möglich loszuwerden, bekämpfen sie mit anderen Mitteln und neuen Verhaltensstrategien.

  • Doch was ist mit Zuhören, um ihr Aufmerksamkeit zu schenken, sich anzunähern und langfristig Frieden schließen zu können?
  • Wenn du deine Essstörung als einen Anteil deiner Selbst betrachtest, wie würdest du dich an ihrer Stelle fühlen, wenn jemand versucht, dich die ganze Zeit mit allen Mitteln und Strategien loszuwerden? Dich die ganze Zeit nur bekämpft und ignoriert, in der Hoffnung, dass du gehst?
  • Ist es aus dieser Perspektive nicht verständlich, dass sie, genau wie du, um ihr Überleben kämpft und immer wieder Wege findet, sich an der Oberfläche (also auf der Verhaltensebene) zum Ausdruck zu bringen?
  • Was wäre möglich, wenn du deinen Blickwinkel immer mehr öffnest und den Gedanken zulässt, dass dein Weg DURCH die Essstörung führt und nicht aus ihr raus?

Solange du dir „raus aus der Essstörung“ wünschst, bist du innerlich noch immer in einer Kampfhaltung und nicht bereit, all die wertvollen Erkenntnisse, die hinter ihr liegen, zu sammeln. Du möchtest so schnell wie möglich weg und flüchtest. Doch dann befindest du dich tatsächlich ein Leben lang auf der Flucht, hast immer Angst davor, in alte Verhaltensmuster zu fallen und vertraust dir selbst nicht voll und ganz.

Glaub nicht alles, was du denkst

Als ich 2014 aus der Klinik entlassen wurde, hatte ich riesengroße Angst davor nach Hause zu fahren und wieder im Alltag zu sein. In der Klinik habe ich mich gut behütet und geschützt gefühlt. Es wurde für alles gesorgt und ich konnte mich nur auf meine Entwicklung konzentrieren. Im Alltag bin ich meinem Leben wieder begegnet, von dem jeder Mensch mit einer Essstörung überfordert ist. Da wir nicht gelernt haben, mit unseren Emotionen umzugehen, sie zu kanalisieren und auszudrücken, habe ich – zurück im Alltag – sehr schnell wieder zu alten Verhaltensweisen gegriffen und dachte mir, es ist noch viel schlimmer als jemals zuvor.

Doch hey, das gehört dazu. Ich sehe es so: Ich gehe zehn Schritte zurück, um mit Anlauf den nächsten großen Sprung vorwärts machen zu können. Jede Erkenntnis, jedes Gefühl – einfach alles, was deine Essstörung als Weckruf und Ausdruck deiner Seele mit sich bringt, ist ein komplexes Konstrukt aus X-tausenden Gedanken, die du dir unterbewusst erzählst und glaubst. Es war für mich der größte, wichtigste und anstrengendste Schritt, meinen Gedanken und Gefühlen wieder Gehör und Raum zu geben. Um nicht länger wie eine leere Hülle in Form eines menschlichen Körpers durch ein Leben zu rennen, das 0,0 mit mir zu tun hat. Es hat mich viel Lebenszeit, Energie und Geld gekostet, doch es hat sich gelohnt. Und ich glaube, wenn du bereit bist, dich auf deinen eigenen Weg einzulassen, anfängst dein eigenes Tempo zu gehen und wieder eine bewusste, achtsame Beziehung zu dir aufbaust, dann wirst du mir eines Tages diese Nachricht schreiben:

Kira, ich habe deine Worte aus dem Artikel bei In Cogito jetzt verstanden und es selbst erlebt. Einmal Essstörung!

P.S.: Das Bild zum Blog-Beitrag drückt meine wahre Persönlichkeit aus, die ich dank meiner Essstörung wiederentdeckt habe.

Film-Tipp:

Ich habe noch einen Film-Tipp für dich, in dem neun Menschen ihre persönliche Geschichte teilen, wie sie ihre Essstörung überwunden haben und wie es ihnen heute geht. Die Doku „Ich hab’s geschafft“ findest du hier: https://www.waage-hh.de/ich-habs-geschafft/

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