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Recovery: Ein Tauziehen für das Leben?

Luna

„Wenn ich jetzt noch zunehme, wird doch alles nur noch schlimmer, oder nicht? Mir ging es vor der Essstörung doch nur schlecht, weil mein Körper so hässlich war! Ohne Essstörung habe ich sowieso gar nichts mehr…“All diese Gedanken und noch viele mehr führten jahrelang dazu, dass Luna von einer Klinik in die Nächste ging und dabei das Gefühl hatte, trotz aller Anstrengungen die Essstörung niemals loslassen zu können. Über ihre Erfahrung spricht sie hier.

 

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All die Jahre mit „Aus der Klinik – in die Klinik“ habe ich mich gefragt, was nicht mit mir stimmt und warum ich nicht weiterkam: „Bin ich einfach zu krank? Zu schwach? Zu blöd? Nicht dafür bestimmt…? Doch bei meinem letzten Klinikaufenthalt bekam ich langsam Hoffnung.

Die Essstörung als Schutzschild?

In der meiner Therapie habe ich gemeinsam mit meinen Therapeut:innen viel gearbeitet und nach und nach konnte ich erkennen, dass meine Essstörung viel tiefer liegende Wurzeln hat als schön oder dünn sein zu wollen. Ich durfte erfahren, dass meine Essstörung „lediglich“ versucht, mich zu beschützen, indem sie versucht meinen seelischen Schmerz durch das ewige beschäftigen mit Lebensmitteln, meinem Gewicht, meinem Aussehen zu kompensieren und sich dabei als „eine gute Freundin“ ausgibt.

Warum diese Erkenntnis erst nach einer so langen Zeit des Leidens kam? Ich weiß es nicht. Vielleicht war ich vorher einfach noch nicht bereit, hinzuschauen aufgrund des seelischen Schmerzes. Vielleicht war es auch das erste Mal, dass ich Vertrauen zu meiner Therapeutin haben konnte. Vielleicht war ich auch einfach noch zu jung.

Die Essstörung ist nicht meine Schuld!

Jedenfalls begann der Prozess dieser Erkenntnis irgendwann in mir und hat mir bezüglich vieler Ängste und Sorgen die Augen geöffnet. Endlich habe ich verstanden, dass die Entstehung meiner Krankheit nicht meine eigene Schuld und ihr Auslöser nicht mein „falscher“ Körper als Kind war. Außerdem habe ich erkannt, dass es nichts bringt, immer GEGEN die Essstörung zu kämpfen. Denn egal, wie stark mein gesundes Ich am einen Ende des Seils zog, die Essstörung gewann das Tauziehen am Ende sowieso.

 

Das Tauziehen mit der Essstörung beenden

Ich brauchte also eine andere Lösung. Was würde passieren, wenn ich das Seil einfach losließe und mich gar nicht erst auf ein Kräftemessen einließe? Was, wenn ich dieser gemeinen Stimme in mir Gehör schenke und mitfühlend auf ihre wahren Bedürfnisse eingehen könnte? Was, wenn ich trotz aller Ängste für meine Heilung losgehen kann, MIT der Essstörung im Gepäck?

Letztendlich habe ich für mich daraus gezogen, dass die Essstörung nicht meine Feindin ist und es nicht darum geht, gegen ihre ursprüngliche Intention und Verhaltensweisen anzukämpfen, sondern darum, mich FÜR das Leben zu entscheiden und die Essstörung auf dem Weg Stück für Stück loslassen zu lernen.

Die Essstörung durch Selbstmitgefühl heilen

Trotzdem ist es ganz wichtig, zwischen dem Verständnis für die Essstörung und der Art und Weise, WIE sie versucht einen zu beschützen, zu unterscheiden. Die Essstörung ist immer noch eine Krankheit, das darf ich mir auf meinem Weg auch wirklich immer wieder vor Augen führen.

Eine Essstörung stellt keine langfristige Lösung für meine Probleme dar, sondern lenkt mich nur von diesen ab, indem sie mich betäubt und mir jegliche Lebenskraft entzieht. Paradoxerweise fühlt es sich dennoch meist sicherer an, auf sie zu hören und ich hatte sehr lange – und habe oft immer noch – Angst, sie zu verlieren. Trotz allen Leids ist sie irgendwie meine treueste Begleiterin geworden.

Die Essstörung loszulassen fühlt sich demnach nicht selten so an, als würde man die beste Freundin, den einzigen Halt im Leben, verlieren, auch wenn es sich um eine selbstzerstörerische Freundschaft handelt. Was brauchte ich nun also, damit der Verlust weniger schmerzhaft ist? Wie kann ich mich wieder sicher fühlen? Was genau hat mir die Essstörung gegeben? Könnte ich mir diese Dinge vielleicht sogar selbst geben oder brauche ich Unterstützung?

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Eine Verbindung zu meinem Innersten finden

Je öfter ich mir diese Fragen stelle und meinen Bedürfnissen daraufhin wirklich nachgehe, desto mehr spüre ich die Entstehung einer tieferen, besseren Verbindung zu meinem Innersten. Ganz allmählich werde ich mir selbst eine gute Freundin, sodass die Notwendigkeit der Essstörung in gewisser Weise immer weiter schrumpft, da ich sie durch einen wohlwollenden Teil meines Selbst ersetzen kann.

Die Angst vor Veränderung

Wie bereits erwähnt, kann sich der „Verlust“ des altbekannten, vermeintlich sicheren Schutzschildes der Essstörung anfangs sehr angsteinflößend und schmerzhaft anfühlen, obwohl man eigentlich weiß, dass die Krankheit so viel mehr Schaden anrichtet. Einer der Gründe dafür ist häufig die Tatsache, dass im Zuge der Heilung lang unterdrückte Emotionen wieder hochkommen und dies zu einem starken Gefühl der Überforderung führt. Für mich persönlich hat es sich manchmal so angefühlt, als würde alles einfach nur noch schlimmer werden und die Sehnsucht nach der Essstörung wurde anfangs und teilweise immer noch in schwierigen Situationen fast unerträglich.

Versucht man allerdings, dieses Phänomen aus einer neutralen Perspektive zu betrachten, dann wird schnell klar, dass es ganz normal und verständlich ist, so zu fühlen. Niemand braucht sich selbst für seine Emotionen zu verurteilen. Erstens war es für mich beispielsweise sehr unangenehm wieder intensiver zu fühlen, weil ich mich so an diese Abgestumpftheit und Betäubung durch die Essstörung gewöhnt hatte, dass sich alles andere wie eine Bedrohung angefühlt hat. Zweitens kamen all die negativen Glaubenssätze, Ängste und Gedanken aus meiner Kindheit, die ich lange Jahre mit der Essstörung zu unterdrücken versucht habe, wieder hoch und ich habe mich genau wie das kleine hilflose Mädchen von damals gefühlt, das auch aufgrund seiner Körpers abgewertet und ausgeschlossen wurde.

Du bist nicht die:der Gefangene deiner Emotionen

Es hat viele Jahre gebraucht, bis ich mit diesem bedrohlichen Gefühl zurechtgekommen bin, ohne mich im letzten Moment immer wieder gegen das Leben zu entscheiden und die vermeintliche Sicherheit der Anorexie vorzuziehen. Hätte ich heutzutage die Möglichkeit, in der Zeit zurückzureisen, würde ich mein jüngeres Ich ganz fest drücken und ihr versichern, dass dieses Gefühl ihr nichts anhaben kann und dieser Abschnitt ihres Lebens VORBEI ist.

Denn egal, wie stark und schlimm sich ein Gefühl in dem Moment anfühlen mag, es geht wieder Vorüber. Wir sind nicht, niemals, die:der Gefangene unserer Emotionen. Dafür ist es außerdem sehr wichtig und ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu holen und Begleitung auf dem eigenen Weg anzunehmen. Mir hat beispielsweise meine Familie und letzte Therapeutin sehr dabei geholfen, über meinen eigenen Schatten zu springen und die ersten Schritte zu wagen, wofür ich extrem dankbar bin.

Die 90-Sekunden-Regel

In der Situation selbst fühlt es sich zwar nicht selten so an, aber es ist tatsächlich wissenschaftlich erwiesen, dass die jeweilige Emotion nur anderthalb Minuten im Körper bleibt und ihn anschließend wieder verlässt, wenn man sie vollständig akzeptiert und ihr den nötigen Raum zugesteht. Manchmal finde ich, dass eine solch nüchterne Betrachtung der wissenschaftlichen Fakten etwas Sicherheit schenken kann, da ich mich dadurch weniger „außerirdisch“ fühle. Es zeigt, dass mein Körper und mein Gehirn ganz legitim auf bestimmte Situationen, die oftmals durch Erfahrungen geprägt sind, reagieren und dabei immer in meinem Sinne arbeiten.

Am besten funktioniert diese 90-Sekunden-Regel, indem man…

  1. …ganz bewusst innehält, ruhig atmet und die Emotion wahrnimmt.
  2. Mir persönlich hilft es in solchen Momenten, mich gemütlich hinzusetzen, die Augen zu schließen…
  3. und meine Gedanken laut auszusprechen, z.B. „Ich fühle Angst. Es ist okay, dass sie da ist und hat eine Berechtigung. Es geht vorbei.“

Die ersten Male habe ich mich dabei ein wenig albern gefühlt, aber auch das wird durch regelmäßige Übung zur Routine und bringt mir wirklich viel.

Emotionen = Lebendigkeit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang und die Beschäftigung mit der eigenen Gefühlswelt keineswegs einfach und meist ein langer Prozess ist. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb war und ist er für mich einer der wichtigsten Schritte auf meinem Heilungsweg. Ohne Trauer, keine Freude. Ohne Wut, keine Liebe. Ohne Angst, kein Spaß. Es gehören immer beide Seiten dazu, das eine schließt das andere nicht aus – im Gegenteil! Nur wenn man die Gegensätze des menschlichen Daseins zulassen und annehmen kann, lernt man die Freuden des Lebens zu schätzen und sich selbst wirklich erst kennen.

Emotionen sind ein ganz wichtiger Bestandteil der menschlichen Erfahrung und machen unser Leben so spannend, verrückt, aufregend, vielfältig – einfach ganz besonders. Mit der Essstörung wird man diese Vielfältigkeit, das bunte Leben, niemals erfahren können, da einem wegen der Krankheit schlicht die Kapazitäten, sowohl körperlich als auch mental, fehlen. Natürlich macht der Prozess Angst, da auch unverarbeitete Emotionen und alte Verletzungen im Zuge der Heilung wieder aufreißen können und es sehr schwierig sein kann, mit ebendiesen umzugehen.

Und auch das ist okay. Es muss nicht immer alles auf Anhieb perfekt laufen und auch ich habe einige Anläufe gebraucht, um mich meiner Innenwelt zu stellen, ohne immer wieder in die vermeintliche Komfortzone der dunklen Fänge meiner Essstörung zu flüchten.

Leben wagen – ohne Essstörung

Und auch wenn es immer wieder unglaublich angsteinflößend und schwer war, sind die Momente, in denen ich zum ersten Mal wieder aus tiefstem Herzen lachen konnte, bis der Bauch schmerzt, die ersten Freudentränen vor lauter Bewunderung der Natur sowie lange, tiefgründige Gespräche mit meinen liebsten Menschen einfach die beste Belohnung, die ich mir im Gegenzug für diesen harten Weg raus aus der Essstörung vorstellen könnte.

Du bist nicht falsch oder ein hoffnungsloser Fall, wenn sich ein Anteil in dir beim Gedanken an Freiheit und Lebendigkeit im wahrsten Sinne zu Tode fürchtet. Vielen Betroffenen geht es so, aber ich bin trotzdem der festen Überzeugung, dass wir alle die nötigen Ressourcen und den Mut in uns tragen, um unser Leben zu wagen.

 

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Quelle: Ds Stories/Pexels

Diet-Culture: Wie gesellschaftliche Normen und Erwartungen uns beeinflussen

Beitrag aus der Redaktion

@in_cogito.de

Erst wenn ich in Kleidergröße 36 passe, darf ich zufrieden sein. Um im Urlaub im Bikini an den Strand gehen zu können, muss ich mindestens noch fünf Kilo abnehmen. Schlank macht glücklich! Kennst du diese Ideen vom Dünn = Glücklich-Ideal? Willkommen in der Diät-Kultur: Was Diet-Culture bedeutet, wie sie uns beeinflusst und wie wir freier davon werden können, lest ihr in diesem Blogpost.

 

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Was bedeutet überhaupt Diet-Culture?

„Diet-Culture“ oder auf Deutsch „Diät-Kultur“ meint die weit verbreitete gesellschaftliche Annahme, dass ein dünner, schlanker Körper automatisch mit Gesundheit, Glück und Erfolg verbunden ist. Also: Je dünner, leichter, athletischer ich bin, umso glücklicher bin ich. Dass das nicht sein kann, ist eigentlich kein Geheimnis, denn dann wären ja im Umkehrschluss alle dünnen Menschen glücklich. Und dass das nicht der Fall ist, dafür hat wahrscheinlich so ziemlich jeder ein Beispiel parat.

Wir sprechen von Diät-Kultur, weil dieses Phänomen verschiedenste Haltungen, Erwartungen und Normen rund um Ernährung und Körperideal zusammenfasst. Dazu gehören der Glaube daran, dass jeder Mensch mit irgendeiner der tausend Diät-Formen abnehmen kann, Programme rund ums Abnehmen und auch die Verherrlichung eines bestimmten Körperideals (was hier zur Zeit der weiße, sportlich-schlanke Körper ist).

Das Problem mit Diet-Culture

Diet-Culture beeinflusst unsere Einstellung zu unserem eigenen Körper permanent und auch ohne, dass wir das bewusst wahrnehmen. So werden dafür wie wir auszusehen haben seit jeher gesellschaftliche Standards gesetzt, die für die meisten Menschen und Körper unerreichbar und völlig unrealistisch sind. Das trägt dann dazu bei, dass wir ein negatives Selbstbild entwickeln und ungesunde Verhaltensweisen beim Thema Ernährung und Sport als normal erachten.

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5 Beispiele wie Diet-Culture beeinflusst, wie wir über unseren eigenen Körper denken

  1. Unrealistische Körperideale: Meist medial bekommen wir ein idealisiertes Bild davon gezeigt, wie der „perfekte“ Körper aussehen sollte. Durch Bildbearbeitung und Models mit extremen Körpermaßen wird dieses Ideal zusätzlich verstärkt.
  2. Förderung von Vergleichskultur: Durch die ständige Präsenz von perfektionierten Körperbildern im öffentlichen Raum, zum Beispiel auf Plakatwerbung, in den Medien und Social Media werden wir permanent mit Idealbildern konfrontiert – egal ob wir das wollen oder nicht – und dazu angeregt, uns mit diesem Ideal zu vergleichen. Das führt bei vielen dazu, dass wir uns unzulänglich, mangelhaft, einfach ungenügend fühlen. Dass das schlecht für unseren Selbstwert ist, liegt da nahe.
  3. Verbindung von Selbstwert mit äußerem Erscheinungsbild: Diet-Culture impliziert, dass unser Wert als Individuum von unserem Aussehen abhängt. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene tendieren dazu dann auch ihr Gewicht und ihr Aussehen als wichtige Kriterien für ihren Wert als Person mit in die Waagschale zu werfen. Andere Qualitäten wie Kompetenzen, soziale Kontakte und intellektuelle Erfolge werden häufig als nebensächlich wahrgenommen.
  4. Förderung von Diäten und restriktiven Essverhalten: Die Idee, dass Gewichtsverlust oder eine Veränderung des Körpers entscheidend für individuelles Glück und Erfolg sind, wird uns durch Diet-Culture suggeriert. Oft sind restriktives Essverhalten, obsessives Kalorienzählen und ein gestörtes Verhältnis zum Essen Folgen davon. Auch die Entwicklung einer Essstörung kann durch die Auswirkungen von Diet-Culture beeinflusst sein.
  5. Stigmatisierung bestimmter Körpertypen: Menschen, die nicht dem idealisierten Körperbild entsprechen, insbesondere Menschen mit größeren Körpern und einer anderen Hautfarbe als Weiß werden hier in Deutschland diskriminiert. Das wiederum beeinflusst, die psychische Gesundheit jener marginalisierten Gruppen und führt dazu, dass auch unsere sozialen Kontakte von Diet-Culture beeinflusst sind.

Wie du mit der Diät-Kultur umgehen und dich und andere schützen kannst

Es wird dich jetzt nicht überraschen, dass unter anderem ein hoher Konsum von Insta-Content mit körperbezogenen Inhalten, den negativen Einfluss von Diät-Kultur noch verstärkt.

Was kann also jeder einzelne tun, um sich selbst zu schützen und auch andere? Den ersten Schritt hast du gemacht, indem du dich über die Auswirkungen von Diet-Culture informierst: Du bist dir jetzt also schon viel klarer darüber, was Diet-Culture mit deinem Leben, mit deinem Alltag, mit deinen Einstellungen und Haltungen zu tun hat. Ganz wichtig ist: du bist nicht schuld daran, wenn du aktuell beispielsweise dünne Körper schön findest, viel Sport machst, um vielleicht auch irgendwann so auszusehen wie Influencer XY, denn wir alle sind diesen Haltungen und Normen tagtäglich ausgesetzt. Aber ab jetzt entscheidest du mit, ob du selbst Diet-Culture mit verbreitest oder ob du dich bewusst gegen den Einfluss einer milliardenschweren Diät-Industrie einsetzt.

Du könntest zum Beispiel deinen Feed aussortieren und bewusst auch Accounts folgen, die sich für ein diverses Körperbild einsetzen. Du könntest mit deinen Freunden darüber sprechen, das Thema diskutieren und gemeinsam mit ihnen schauen, worüber ihr sprechen wollt, anstatt über Themen aus dem Bereich Diet-Culture. Du kannst dich ab heute bewusst mit deinen Idealen auseinandersetzen und vielleicht ein „gut genug“ finden. Du kannst Zeit, die du bisher dafür eingesetzt hast, dich mit deinem und anderen Körpern auseinanderzusetzen, dafür verwenden, ein neues, spannendes Thema für dich zu entdecken. Spoiler: Sei geduldig mit dir und erwarte nicht, dass du von heute auf morgen frei von Diet-Culture bist. Denn sie lauert wirklich überall. Aber du wirst mit der Zeit deinen ganz persönlichen Scanner entwickeln, der dich davor schützt auf die Ideen von Diät-Kultur hereinzufallen.

Solltest du dich von den Themen Körper, Essen, Selbstwert stark beeinflusst und belastet fühlen. Empfehlen wir dir, dich mit anderen, denen es auch so geht in unseren Online-Gruppen auszutauschen.

Text: Nora Stankewitz

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Quelle: Mutimbauch

"Ich habe keine Angst vor Essen"

Quelle: privat

Sina spricht auf Instagram, in Videos und ihrem Blog offen über ihre Vergangenheit mit einer Essstörung, zeigt herrlich ehrliche Bilder von ihrer kleinen Familie und inspiriert durch positive Selbstauffassung dazu, im Sinn des Lebens mehr zu sehen als nur einen möglichst dünnen Körper. Natalie hat mit ihr gesprochen und unter anderem erfahren woran Sina merkt, dass sie mit ihrem Körper im Reinen ist.

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NATALIE für In-Cogito: Hey Sina, schön, dass wir miteinander sprechen können. Danke, dass du dir die Zeit für unseren Blog nimmst. Wie geht’s dir?

SINA: Ich freue mich auch. Mir geht’s super. Ich bin ein bisschen müde, aber das ist halt so, wenn ein Baby dein Leben auf den Kopf stellt. Es ist auch sehr schön.

NATALIE: Du teilst auf deinem Instagram-Profil, wo dir über 10.000 Menschen folgen, herrlich ehrliche und berührende Beiträge, wo man auch deine Familie inklusive Hunde bestaunen darf. Du sprichst dort aber auch offen davon, dass du jahrelang auf Kriegsfuß mit deinem Körper standest. Kannst du uns ein bisschen davon erzählen?

SINA:  Ich kann mich ganz eindeutig daran erinnern, dass ich meinen Körper von klein auf überhaupt nicht mochte. Ich habe mich immer zu dick gefühlt und mich ständig mit anderen verglichen, sogar bereits im Kindergarten. Schon von ganz früh an fand ich, dass mein Bauch irgendwie viel dicker ist als der von anderen Mädchen. Da habe ich mich immer mehr rein gesteigert, bis ich schließlich mit zwölf Jahren meine erste Diät begonnen habe. Ich hatte nur ein Ziel: Abnehmen. Bezug zu meinem Körper hatte ich absolut nicht. Das wurde dann auch die nächsten Jahre immer schlimmer.

NATALIE: Auch professionelle Hilfe war gar nicht so hilfreich für dich, oder? Warum nicht?

SINA: Es war auf keinen Fall so, dass es mir überhaupt nichts gebracht hat. Sie hat mir unheimlich viele Erfahrungen ermöglicht. Ich konnte dort sehr ausführlich über meine Probleme sprechen und mich selbst viel besser kennen lernen. Wenn man Auge zu Auge so intensiv mit jemandem über seine Sorgen und Ängste spricht und sein Verhalten und die Konsequenzen reflektiert, dann ist das eine immense Hilfestellung. Also es hat definitiv was gebracht, war aber eben nicht der einzige Schlüssel zur Genesung.

NATALIE: Wie war es denn für deinen Partner, das mitzuerleben?

SINA: Am Anfang unserer Beziehung wusste er von garnichts. Es hat gut ein halbes Jahr gedauert, bis ich ihm dann erzählt habe, womit ich ringe. Davor hat er halt nur mitbekommen, dass ich mich komisch verhalte, und das ist natürlich irritierend. Man weiß gar nicht, was der Partner hat und ob man was falsch gemacht hat. Nach diesem Gespräch war er zumindest dahingehend erleichtert. Er ist in der ganzen Zeit nicht von meiner Seite gewichen und hat mich immer unterstützt, mir zugehört und mir versichert, dass wir da gemeinsam durchkommen. Aber insgesamt war es trotzdem ein krasses auf und ab. Es gab schon den ein oder anderen Moment, wo wir an der Beziehung gezweifelt haben. Ein Problem war, dass ich das Gefühl hatte „Er weiß ja sowieso nicht, worum es geht“. Das ist schon eine gewisse Barriere. Aber es ist ja alles gut gegangen.

NATALIE: Ja, als Außenstehender fühlt man sich da auch total hilflos. Was genau war dann letztendlich der zündende Funke, der das Feuer der Veränderung in dir entfacht hat?

SINA: Der lag zwischen dem Moment, als ich ganz klar beschlossen habe, dass ich etwas gegen meine Essstörung unternehmen muss und dem Zeitpunkt, ab dem ich keine Rückfälle mehr hatte. Dazwischen liegen zwei Jahre. In diesen Jahren war ich allerdings noch nicht gesund. Das waren Jahre des Kämpfens, in denen ich immer noch extrem stark auf meine Kalorieneinnahme geachtet habe, Essen ganz genau im Blick hatte und so weiter. Davon konnte ich mich überhaupt nicht losreißen.

In dem Zeitraum bin ich dann für ein Praktikum nach Österreich gezogen. Der Tapetenwechsel in Kombination mit einem sehr schlimmen privaten Ereignis haben mich rückfällig werden lassen. Und dann ging es mit dem Erbrechen wieder los. Aber da kam dann dieser eine Punkt, als ich mir selbst in die Augen geschaut hab und meinte „Hey, das hilft alles nichts, egal wie oft ich über der Kloschüssel hänge, all die Dinge, die passiert sind, werden nicht rückgängig gemacht dadurch, dass ich mich so quäle.“

NATALIE: Und auslöschen kann man die ja auch nicht. Auf deiner Website schreibst du, dass du heute “voller Stolz sagen [kannst], dass du im Reinen mit deinem Körper bist: schlank und trotzdem entspannt im Umgang mit Essen.” Bewusst provokativ gefragt: Schlank sein ist dir trotzdem wichtig?

SINA:  Das habe ich ganz bewusst so formuliert, weil ich eben genau weiß, dass die größte Angst von essgestörten Menschen ist, durch die Umstellung auf eine gesunde Ernährung übergewichtig zu werden. Diese Angst wollte ich ihnen nehmen. Damit wollte ich aktiv eine Hürde hin zum Heilungsweg adressieren und klar machen, dass das nicht zwingend der Fall sein muss. Und dann kommt da noch die Assoziationen, die ich persönlich mit bestimmten körperlichen Adjektiven habe. Ich bin heute „schlank“. Das bedeutet für mich, dass ich eine gesunde Ernährung genieße und keine Angst vor Essen habe. Es gibt keine Verbote, alles ist erlaubt. Im Gegensatz dazu wollte ich früher „dünn“ sein. Dieses Wort war mein Feind, mit dem ich ständig gerungen habe. Grundsätzlich aber ist mir etwas anderes noch viel wichtiger: diese Worte sollten wertfrei sein, und das gilt nicht nur für dünn und schlank, sondern auch für dick, pummelig und so weiter. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der solche Adjektive keine negativen Konnotationen mehr haben, sondern allenfalls positiv.

NATALIE:  Heute bist du nicht nur im Einklang mit dir selbst, du möchtest auch anderen Menschen, die mit ähnlichen Dämonen kämpfen, helfen. Wie genau gestaltest du diese Mission?

SINA: In einem ersten Schritt ist es für mich zuallererst wichtig, zu beurteilen, wie hilfsbedürftig der Mensch ist, der meine Hilfe sucht. Am besten wäre es nämlich, wenn diese Person bereits Therapie in Anspruch nimmt und ich dann das zusätzliche Coaching anbieten kann. Meine Leistung soll auf keinen Fall eine Therapie ersetzen. Ich bin dann für die Menschen da und höre zu und kann wirklich aus eigener Erfahrung nachvollziehen, was die Person gerade durchmacht. Zusätzlich zur empathischen Unterstützung sind meine Ratschläge auch noch insofern qualifiziert, als dass ich ausgebildete Heilpraktikerin für Psychotherapie und Ernährungsberaterin bin. Dadurch entsteht eine gemeinsame Basis, die Person fühlt sich wirklich verstanden, UND bekommt professionelle Unterstützung. Die Behandlung insgesamt ist dann natürlich immer individuell auf den Menschen angepasst, der Hilfe sucht, das möchte ich hervorheben. Das ist mir einfach wichtig.

NATALIE: Wenn du damals jemanden zur Seite gehabt hättest, der du heute für andere sein möchtest, so, wie du es beschrieben hast, welche Message hätte dir da besonders geholfen?

SINA: Da muss ich kurz überlegen. Ich glaube, alleine jemanden zu sehen, der es geschafft hat, aus dieser wahnsinnig finsteren Phase rauszukommen, wäre für mich bahnbrechend gewesen. Weißt du, als essgestörte Person hat man immer das Gefühl „So krass gestört wie ich kann doch niemand anderes sein“. Aber dann einfach den eigenen Kampf und den Erfolg bei jemand anderem zu sehen, das wäre enorm kräftespendend und treibend für mich gewesen. Damals gab es leider noch kein Social Media, wo ich auf Menschen hätte stoßen können, die die Arbeit leisten, die ich und andere heute machen. Vor Augen geführt zu bekommen „Schau mal, ich habe auch dies und jenes gemacht, und heute steh ich trotzdem hier und bin stark, gesund und unabhängig und lass mich nicht mehr von Essen kontrollieren. Es ist kein Hexenwerk, die Essstörung zu besiegen. Bleib dran und setzte dich mit dir auseinander. Auch wenn es verdammt hart und anstrengend ist, es wird es wert sein“. Das ist eine machtvolle Nachricht, die ich mir jetzt im Nachhinein gewünscht hätte.

NATALIE:  Wo wir jetzt schon bei Social Media sind. Du bist ja jetzt einer dieser tollen Menschen, die diese Botschaft in die Welt hinaustragen. Was ist dir denn wichtig, wenn du all die besprochenen Dinge auf deinen Plattformen kommunizierst?

SINA: Ich lege darauf Wert, deutlich zu machen, dass all die Dinge, von denen ich erzähle, meinen persönlichen Weg beschreiben. Auch ich habe keine universelle Lösung für Essstörungen. Die gibt es nicht. Grundsätzlich würde ich schon, sagen man kann sich irgendwie vergleichen, wenn man sich anschaut, wie jemand ein Problem in Angriff nimmt zum Beispiel. Aber es gibt auch Fragen, die würde ich nicht beantworten, weil es niemandem hilft:
– „Wie lange hat der extreme Hunger bei dir angedauert?“
– „Wann hat deine Periode wieder eingesetzt?“
– „Wieviel hast du dann und da gegessen?“
Man kann keinen Heilungsweg pauschalisieren. Jeder Körper ist anders.

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NATALIE: Gibt es denn Accounts, die du den Lesern von in-cogito.de empfehlen kannst? Die, die uns zum Lachen bringen, zum Nachdenken, und uns Mut machen, ganz so wie deiner?

SINA: Also da wären bodyposipanda, Ellen Fisher, jiggyjules, vonkopfbisfuss_ und kim____Hoss. Von denen dreht sich nur der erste Account um Körperakzeptanz und das sind auch alles keine Recovery Accounts, bei denen es um den Weg aus der Essstörung geht. Vielmehr sind das einfach erwachsene Frauen, die sich so akzeptieren, wie sie sind. Mit allen Fehlern und Schwächen. So etwas finde ich unglaublich inspirierend. Außerdem liebe ich es, die Stories dieser Accounts zu schauen, die sind einfach nur toll.

NATALIE: Gab es eigentlich nach dem “großen Wendepunkt” mal Rückschläge? Hattest du zum Beispiel vor oder während deiner Schwangerschaft mal Panik, wenn du an die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaften gedacht hast, und wie bist du damit umgegangen?

SINA: Meine letzten Rückfälle hatte ich 2014, das ist inzwischen fünf Jahre her. Von denen gab es aber einige. Das war nicht unbedingt die Bulimie, sondern ich habe stattdessen eine Sportsucht entwickelt und meine Ernährung immer noch krass kontrolliert. Das war mir auch bewusst, aber ich habe das in Kauf genommen, weil es für mich das kleinere Übel war. Aber auch da hatte ich große Angst, dass ich da nicht mehr rauskomme. War ja aber zum Glück nicht so.

Meine Schwangerschaft begann 2018 und da war das überhaupt kein Thema mehr, das hat alles super geklappt. Ich habe mich ja auch bewusst entschieden, ein Kind zu bekommen. Ich war mir vollkommen im Klaren darüber, was mit meinem Körper geschehen würde und habe auch alles dafür getan, gesundheitlich bestens darauf vorbereitet zu sein, ein Kind auszutragen. Ich war da schon zu 100 Prozent mit mir im Reinen.

NATALIE:  Das Thema Ernährung beschäftigt dich ja heute immer noch, aber nicht mehr aus einem negativen Antrieb heraus. Du lebst inzwischen vegan. War das für dich eine Hilfe, die Essstörung hinter dir zu lassen?

SINA: Auf eine vegane Ernährung bin ich 2012 umgestiegen. Das hat sich zum Teil mit der schlimmsten Phase meiner Essstörung überschnitten, war aber zum damaligen Zeitpunkt eine rein ethische Entscheidung. Mit meiner Ernährung per se hatte das da noch nichts zu tun. Allerdings hat mir das enorm geholfen, weil ich mich mal richtig mit Lebensmitteln beschäftigt habe: Wie kauft und kocht man frisch, welche tollen Rezepte gibt es? Vegane Ernährung beinhaltet unheimlich viel frisches Obst und Gemüse. Das hat mir die Angst genommen, bestimmte Sachen essen zu „müssen“, die ich nicht essen wollte, es gab keinen Zwang mehr, jetzt unbedingt die fette Pizza mit Käse oder das Schäuferle zu essen. Veganismus alleine war nicht meine Rettung, aber dafür eine enorme Erleichterung.

NATALIE: Auf was legst du bei deiner Ernährung heute wert, neben dem Offensichtlichen (vegan)?

SINA: Der Veganismus hat mich gelehrt, wie essenziell die Nährstoffe in unserer Nahrung sind. Und das praktiziere ich heute jeden Tag. Nährstoffbewusstsein ist für mich als Ernährungsberaterin natürlich eine Selbstverständlichkeit. Das ist auch wirklich wichtig, aber es gibt keine Verbote. Ich versuche so gut es geht, immer frisch zu kochen, auch mit meiner Tochter in der Küche. Wenn die Prioritäten an einem Tag jedoch mal anders gesteckt werden müssen, dann gibt’s halt zweimal Brot zum Essen für mich. Das ist völlig okay. Insgesamt geht es für mich ja um eine ausgewogene Ernährung und das heißt auch, dass es keine Verbote gibt. Das schließt zum Beispiel Industrie-Zucker ein. Wenn ich jetzt Lust auf das vegane Eis habe, dann wird dieses Gelüst befriedigt und das Eis genossen, oder der Kuchen. Was auch immer. Auch meiner Tochter werde ich niemals etwas verbieten. Wenn sie etwas bestimmtes essen möchte, soll sie das tun.

NATALIE:  Hast du abschließend noch etwas hinzuzufügen, was dir auf dem Herzen liegt?

SINA: Eigentlich nicht, du hast so tolle Fragen gestellt, dass ich nichts mehr hinzuzufügen habe.

NATALIE: Über das Kompliment freu ich mich. Vielen Herzlichen Dank für dieses wundervolle Gespräch!

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Klinik für Essstörung: Vorurteile und eigene Erfahrungen

Quelle: privat

Caroline hatte oft das Gefühl, dass sie sich für ihre Klinikaufenthalte schämen muss. In diesem Beitrag räumt sie mit Vorurteilen auf und sagt auch: Kliniken für Essstörungen sind nichts Schlimmes, nur leider auch keine Garantie für dauerhafte Heilung. Was sie erlebt hat.

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Klinik, Krankenhaus, Klapse, Psychiatrie, Psychosomatik, Therapie-Zentrum…, wer lange genug sucht, findet noch eine Menge mehr Begriffe für den Ort, an den jemand geht, der Zuhause nicht mehr seiner Essstörung fertig wird. Und gleich vorweg: Es ist kein Versagen, sich Hilfe zu holen, Hilfe zu bekommen oder anzunehmen.

Zu mir und meinen Aufenthalten: Ich selbst war zweimal in Psychosomatischen Kliniken, die auf Essstörungen spezialisiert waren. In der ersten, Anfang 2018, war ich sieben Wochen stationär. Das heißt, ich habe in der Klinik gewohnt und meine Familie nur am Wochenende gesehen. In der zweiten Klinik war ich Anfang 2019 nochmals zwölf Wochen stationär. Falls du gerade selbst überlegst, ob eine Klinik das richtige für dich ist, findest du hier unkompliziert Rat und Hilfe.

Vorurteile gibt es in vielen Bereichen, bloß habe ich das Gefühl, es gibt besonders viele rund um Kliniken. Die unten aufgeführten Vorurteile sind mir so oder so ähnlich auch begegnet. Ob in meinem Freundeskreis, in der Schule oder bei Verwandten. Bei mir kam dann immer das Gefühl auf, dass man mich nicht versteht, dass Kliniken „komisch“ sind oder dass ich mich dafür schämen müsste. Deshalb möchte ich nun versuchen, mit einigen dieser Vorurteile aufzuräumen.

Beispielsweise, dass…

… man in einem Stuhlkreis sitzt und alle zur Begrüßung im Chor deinen Namen sagen – so wie bei den Anonymen Alkoholikern.

Das kann ich nach meinen persönlichen Erfahrungen nicht bestätigen. Es gibt Gruppentherapie, wo auch meist in einem Kreis gesessen wird, das allerdings nur, damit man allen zuhören kann. Diese „typische“ Begrüßung ist mehr ein verbreiteter Filmmythos, der noch dazu ziemlich einstudiert wirkt.

… man mit Essen vollgestopft wird und dann nach Hause geht.

Für Außenstehende mag es immer so einfach klingen: Gibt den Menschen doch einfach was zu essen, und alles ist wieder gut. Allerdings ist das „nicht essen wollen“, meist nur ein Symptom. Dahinter steckt eine psychische Erkrankung. In einer Klinik geht es aber trotzdem auch darum, wenn es nötig ist, wieder ins Normalgewicht zu kommen. Dies ist ganz individuell nach Größe und Alter berechnet. Und ja, dafür muss man essen, allerdings nicht in übermäßigen Mengen oder nur Fast Food. Man wird wieder an ein normales Essverhalten mit geregelten Zeiten gewöhnt. Für einige ist ein Bestandteil des Aufenthalts die Gewichtszunahme, für mich war es das damals auch. Allerdings ist das nicht das einzige Ziel, sondern vor allem die Therapie und das Herausfinden der Hintergründe, warum man in die Essstörung gerutscht ist.

… man rauskommt und dann geheilt ist.

Auch das kann ich nur nach meinen persönlichen Erfahrungen beschreiben. Jeder Mensch braucht seine individuelle Zeit. Trotzdem ist eine Klinik auch nur Schritt auf einem langen Weg der Besserung. Auch mein Umfeld hat gedacht, dass ich wieder die bin, die ich vorher war, wenn ich den Aufenthalt beende. So, als wäre nichts gewesen. Das ist allerdings nicht möglich. Man verändert sich in diesem Prozess, was auch gut ist. Manche brauchen keine Klinik, damit es besser wird. Manche brauchen, zwei, drei oder mehr Anläufe. Die Klinik ist wie eine Glocke, ein sicherer Hafen, ein Paralleluniversum. Zuhause ist dann die Aufgabe, das Gelernte umzusetzen.

… man dort nur unter „Gestörten“ und „Verrückten“ ist.

Auch das habe ich oft gehört. Man lebt dort mit Menschen, die ähnliche Probleme haben wie man selbst. Wie in einer Schulklasse kann man dort sehr gute Freunde finden, aber auch Menschen treffen, die man danach nie wiedersieht. Jeder hat mit seinen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber man ist so viel mehr als seine Krankheit und definiert sich deshalb ja nicht nur dadurch. Es kann helfen, mit Menschen zusammen zu sein, die deine Ängste und Sorgen teilen, die vielleicht besser nachvollziehen können wie es dir geht, als dein Umfeld Zuhause. Es kann aber auch anstrengend sein, tagtäglich mit den Problemen von anderen konfrontiert zu sein.

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Kliniken sind nichts Schlimmes

Was ich damit ausdrücken möchte: Kliniken sind nichts Schlimmes, nur leider auch keine Garantie für dauerhafte Heilung. Rückfälle gehören dazu, das habe ich selbst auch erfahren. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Trotzdem heißt das nicht, dass man Angst vor einem stationären Aufenthalt zu haben braucht. Es sind Erfahrungen, es gibt dir Hilfestellung und du befasst dich nochmal ganz anders mit dir und deinen Problemen.

Falls du selbst in nächster Zeit in eine Klinik gehst: Versuche dich darauf einzulassen. Es ist eine Chance, etwas zu verändern. Nur du selbst kannst die Entscheidung treffen, gesund zu werden, niemand kann das für dich tun.

Falls du jemanden in deinem Umfeld hast, der in eine Klink geht: Versuche, ihm einfach zur Seite zu stehen, und verteufle die Klinik nicht von vorneherein. Dies verunsichert ungemein, und kann alles noch viel schwieriger machen.

Mir selbst hat vor allem mein zweiter Aufenthalt sehr viel gebracht. Beim ersten Mal in einer Klinik war ich davon überzeugt, gesund zu sein, ohne mein Zielgewicht erreicht zu haben. Ich wollte alles alleine schaffen.

Auf’s Gesundwerden fokussieren

Beim zweiten Mal habe ich dann bis zum Ende durchgezogen, und bin danach nicht sofort wieder in alte Muster zurückgefallen. Man ist in einer Klinik in einer ganz neuen Umgebung, und kann sich nur auf sich und aufs Gesundwerden fokussieren. Durch Arbeits- oder Schulstress wird das oft hintenangestellt. Auch ist es für mich persönlich, und auch für viele andere gut gewesen, diese Menge an Gewicht mit ständiger Unterstützung zuzunehmen. Es dauert nämlich eine Weile, sich mit seinem „neuen“ Gewicht abzufinden.

Seid ehrlich zu euch!

Aber auch für Leute mit Bulimie oder Binge-Eating-Störung, wo kein Untergewicht im Spiel ist, kann ein Klinikaufenthalt ratsam sein. Die Verantwortung wird erstmal von einem genommen und dir Schritt für Schritt wieder zurückgeben. Du wirst auf deinen Alltag vorbereitet. Die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) ist eine Sucht, bei der es zu Heißhunger-Attacken kommt. Es werden in kurzer Zeit große Menge an Nahrung konsumiert, die durch Erbrechen, exzessiven Sport oder Abführmittel ausgeglichen werden. Bei Binge Eating wiederum hat man selbst nicht mehr die Kontrolle über sein Essverhalten und konsumiert eine große Menge Nahrung in kürzester Zeit. Dabei werden allerdings keine gewichtsreduzierenden Maßnahmen.

Ein letzter Rat von mir: Seid ehrlich zu euch! Nur dann könnt ihr die Essstörung hinter euch lassen. Leugnen und Verheimlichen, wie es einem geht und wie es läuft, trägt nur zur Aufrechterhaltung der Krankheit bei.

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Quelle: RyanMcGuire/Pixabay

Die Dünnen sind die Glücklichen

Quelle: privat

Wenn man dünn ist, dann weiß man das. Man weiß es nicht nur, weil man Kleidung in Größe XS trägt, sondern weil einen die meisten darauf ansprechen. Ich war nicht übergewichtig bevor ich essgestört wurde. Ich war „normal“. Doch als ich sehr dünn wurde, klangen die Kommentare oft so, als wäre ich zuvor eine Tonne gewesen.

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„Jessi, wie hast du das geschafft?“, „Ich wäre auch gerne so schön schlank wie du!“, „Ja, du hast gut reden. Du kannst ja alles essen und bist so schön schlank!“, „Meine Exfreundin hatte ja nicht so eine gute Figur wie du!“ Sogar als ich beim Frauenarzt für einen Bluttest mein Gewicht nennen sollte, sagte die Arzthelferin: „Wow, so wenig würde ich auch gerne wiegen!“ Sie wollten mit dem Test herausfinden, weshalb ich meine Tage nicht mehr bekam. Als Arzthelferin einer Frauenärztin müsste ihr eigentlich bewusst sein, dass durch ein zu niedriges Gewicht und den Stress, dem man seinen Körper aussetzt, die Periode ausbleiben kann.

Ein zu hoher Preis für diesen Körper

So ging es über Jahre. Ich wusste selbst nicht wie ich auf solche Kommentare reagieren sollte. Doch als mein Leidensdruck, durch all das was ich mir verboten hatte zu machen und zu essen, einfach zu hoch wurde und mir endlich jemand die Wahrheit sagte – wie schlecht ich aussehe und so viel unglücklicher als früher – merkte ich, dass ich etwas ändern musste. Ich wollte mir nicht mein ganzes Leben lang Dinge verbieten, gerade weil ich früher so gern gegessen hatte und so glücklich mit mir selbst war. Es war ein langer und schwerer Weg und ist es manchmal immer noch. Doch ich fing vor drei Jahren langsam aber stetig an mehr zu essen und mich mit meinen Problemen auseinanderzusetzen und ich begann das Wichtigste: Ich fing an darüber zu sprechen.

Ich fing an darüber zu sprechen.

Und was dann passierte, machte mich traurig: Die Menschen, die mein Gewicht kommentierten, reagierten sehr beschämt. Sie wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten, wenn sie sagten, wie toll ich doch aussähe und ich darauf provokant erwiderte „Ja, aber ich habe eine Essstörung.“ Mir kam es so vor, als wäre es ein Thema, dass die Menschen am liebsten totschweigen wollen, um die Illusion des perfekten und schlanken Frauenkörpers nicht zu zerstören.

Schlank = Liebe?

Manchmal frage ich mich wie wir hier, an diesem Punkt, landen konnten. An einem Punkt an dem man das Gefühl hat, dass Erstrebenswerteste auf der Welt ist es, einen tollen Körper zu haben. Man hat das Gefühl, dass der Kampf um den Körper nie enden wird und gerade erst so richtig beginnt. Nicht nur wir selbst sind unser größter Kritiker, sondern auch andere Frauen. Wie oft höre ich Freunde und Kollegen darüber sprechen: „Hast du gesehen? Sie hat so abgenommen, wie hat sie das nur geschafft?! Ich will das auch!“, „Wenn ich nur fünf Kilo weniger wiegen würde, hätte ich sicher endlich einen Freund!“, „Ich lasse einfach Kohlenhydrate weg aber jetzt habe ich immer so Heißhunger… keine Ahnung wieso, das ist doch so gesund oder?!?“ Ich könnte hier hunderte Zitate aufzählen.

Generation Körperschemastörung

Nun hört man diese Kommentare im Alltag und dann geht man nach Hause in seine vier Wände und dann geht es weiter: PC an, Handy entsperren: Instagram, YouTube, Pinterest – es ist überall: Abnehmen, Booty-Training, Yoga-Lifestyle. Ein Trend jagt den nächsten. Die einen essen nichts, die anderen vegan, der nächste Low Carb, der andere macht Intermittent Fasting. Es gibt unzählige Regeln, die man am besten befolgt, um glücklich – also schlank, muskulös oder sonst etwas zu sein. Immer mehr Menschen entwickeln durch diese Idealbilder eine Körperschemastörung. Denn wenn man ein Ideal von sich selbst hat, ist man nie genug, egal was man tut. Man nimmt dadurch seinen Körper komplett anders wahr, als er eigentlich aussieht. Wenn man unbedingt muskulös sein will, ist man immer zu schmal, wenn man sich im Spiegel sieht. Wenn man Angst vor Bauchfett hat, wird man immer zu viel Fett an seinem Bauch spüren, auch wenn dort keines ist.

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Iss doch mal was!

Es gibt mittlerweile so viele unterschiedliche Formen einer Essstörung, mit denen nicht nur Frauen zu kämpfen haben. Und jede Ausprägung wird gesellschaftlich anders bewertet. Die Bulimie: Das ist ekelhaft. Wie können die Mädchen nur soviel fressen und dann auskotzen? Die Binge Eater: Auch ekelhaft, die werden doch fett! Die Magersüchtigen: Mädchen, iss doch mal was! Und zuletzt die Fitnessgirls: Wow – einfach nur perfekt! Sechs mal die Woche trainieren und jede Kalorie zählen? Nein, das kann keine Essstörung sein! Weit gefehlt!

Der Neid auf Körper

Eine Person hat zugenommen oder abgenommen und wir fällen ein Urteil, ob das gut ist oder schlecht ist. Ob die Person glücklich oder unglücklich ist. Doch woher nehmen wir uns dieses Recht? Woher wissen wir, was diese Person dazu veranlasst hat? Wieso beneiden wir jemanden darum, dass er abgenommen hat, obwohl wir nicht wissen, ob dies mit Einschränkungen und gar Übergeben, Essanfällen etc. einhergeht? Wollen wir das wirklich als Tausch gegen eine so „großartige“ Figur? Natürlich nehmen auch Menschen ab – und das einfach so. Doch wir als außenstehende Person können das nicht beurteilen.

 

Hinter die Fassade blicken

Dies ist ein Appell, aufmerksamer zu sein und wirklich zu sehen, was hinter der Fassade von Abnahme und Zunahme steckt. Wirklich zu erkennen, ob es dem Menschen gut geht oder ob er leidet. Ihn nicht anzuprangern, wenn er zunimmt. Man weiß nicht, ob die Person selbst damit nicht schon genug zu kämpfen hat. Denke dir was du willst, aber mache es für die Person nicht noch schwerer. Oder bestärke sie nicht im ewigen Kampf mit Sportsucht, Nicht-essen, Fressen und Kotzen. Wir können nicht sehen, was wir mit einem einzelnen Kommentar im Kopf einer Person anstellen können. Bei mir haben kleine Kommentare Wunden aufgerissen und mich teilweise noch tiefer in die Essstörung getrieben.

Suche dir Hilfe und positive Inspiration

Ich weiß heute, dass mich eine „perfekte“ Figur nicht automatisch glücklich macht und mich mit mir im Reinen sein lässt, eher im Gegenteil. Denn man wird launisch, genervt und schwierig, wenn es um essen, Essen gehen und allgemein Unternehmungen geht. Ich möchte später meinem eigenen Kind keinen Grund geben je über sich selbst schlecht zu denken und ein wenig Speck am Bauch zu verteufeln. Es soll nicht denken, es wird nur geliebt, wenn es eine bestimmte Kleidergröße hat oder besonders sportlich ist – das weiß ich heute.

Verschiedene Medien, die mir dabei geholfen haben, mehr über Verurteilung und verschiedene Körperformen nachzudenken und mir ganz besonders dabei geholfen haben, mich mit meiner Figur zu versöhnen, waren:

Ich hätte mir damals an manchen Stellen mehr Kommentare und Kritik gewünscht und an anderen Stellen weniger. Ich finde es teilweise einfach sehr unverantwortlich, dass so viele Ärzte nicht sehen, wieso man gesundheitliche Probleme hat. Haarausfall, Ausbleiben der Periode, Vitaminmangel – all das können Hinweise auf eine Essstörung sein. Oft haben sie einfach keine Zeit, genauer hinzuschauen. Und wir Essgestörte wollen oft unsere Probleme so gut es geht kaschieren und verstecken. Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr sensibilisiert werden, was psychische Probleme angeht und nicht so schockiert und wortlos reagieren müssen, wie es eben viele tun. Es ist normal, dass wir Phasen in unserem Leben haben, in denen wir unsicher sind. Es ist normal, nicht alles hinzubekommen, nicht auszusehen wie ein Topmodel, nicht die besten Noten und den großen Lebensplan zu haben. Es ist normal, nicht perfekt zu sein  – und eigentlich will ich gar nicht mehr perfekt sein.

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Diätwahn: Wie ich es geschafft habe auszusteigen

ElisaQuelle: privat

Elisa, 27

@Elisa.alvako

Ich zeige dir mein persönliches „Vorher-Nachher-Bild“. Allerdings nicht so, wie du es von Instagram gewohnt bist: Es geht um den Weg raus aus dem zerstörerischen Diätwahn hin zur Selbstakzeptanz. Außerdem spreche ich über die Beweggründe, warum wir krampfhaft abnehmen wollen und warum es so wichtig ist, wieder mit sich selbst in Einklang zu kommen.

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Vorher: Wenn alles, was zählt, dünn sein ist

Stell dir ein junges Mädchen vor, dessen Gedanken um Essen und Sport kreisen. Ein Mädchen, das jeden Tag zum Sport geht und dafür oft auf Zeit mit Freunden verzichtet. Das seine Ernährung streng kontrolliert – fernab vom natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühl und gequält von vielen schlaflosen Nächten vor lauter gedanklichem Stress. Der Körper ist ausgelaugt, aber irgendwann schlank – glücklich ist sie trotzdem nicht. Ihr Selbstwertgefühl ist im Keller und der gesundheitliche Zustand auch. Ihre Periode bekommt sie nicht mehr.

Das war ich vor einigen Jahren.

Schlankheitswahn: Wer betroffen ist und was wirklich dahintersteckt

SchlankheitswahnQuelle: Photo by GesinaKunkel on UnsplashQuelle: Photo by GesinaKunkel on Unsplash
Ständiges Wiegen: ein Zeichen dafür, dass du dich zu sehr über dein Gewicht definierst

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es leider schon fast normal ist, dass Frauen nicht mit sich selbst zufrieden sind  ̶  scheinbar gehört das zum Frausein dazu. Dieses Selbstbild wird Frauen überall in den Medien eingeflößt. Bei einer Umfrage der US-Frauenzeitschrift „Glamour“ wurden 1.000 Frauen bezüglich ihres Verhältnisses zu ihrem Körper befragt: Ganze 80 Prozent gaben an, sich nach dem Blick in den Spiegel schlecht zu fühlen. Im Vergleich dazu das Ergebnis der gleichen Umfrage von vor 30 Jahren, bei der nur 43 Prozent angaben, sich nicht wohl in ihrem Körper zu fühlen. Erschreckende Tendenzen.

Umso wichtiger ist es für mich, darüber zu sprechen. Immer mehr Mädchen und Frauen definieren sich über Zahlen wie Kleidergröße, Gewicht und Kalorien. Dabei ist es oftmals gar nicht der Wunsch nach dem Abnehmen per se, der sie antreibt: Wir suchen nach Anerkennung, Liebe und Aufmerksamkeit. Wir möchten dazu gehören und „schön“ in den Augen anderer sein – obwohl der Begriff „Schönheit“ sehr subjektiv ist. Uns wird vermittelt, dass wir dünn sein müssen, um erfolgreich, beliebt und glücklich zu sein. Im Endeffekt müssen wir aber feststellen, dass Diäten nicht funktionieren: Das krampfhaft abgenommene Gewicht wird oftmals wieder zugenommen (oder noch mehr!)  ̶  nur damit die nächste erfolglose Diät gestartet werden kann …

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Mein Wendepunkt: Raus aus der Diätspirale

Letztendlich muss jeder selbst die Ursache für den Wunsch nach mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit erkennen. Ich bin damals an meinem persönlichen mentalen und körperlichen Tiefpunkt angelangt und habe festgestellt, dass ich das Leben, das ich zu der Zeit führte, nicht mehr aushalte. Deshalb habe ich angefangen, mich mit meinen Gefühlen, Problemen, Zweifeln und Ängsten auseinanderzusetzen. Ich suchte Inspirationen zu den Themen Intuitives Essen und Body Positivity  ̶  ich habe noch nie so viele Bücher gelesen wie in dieser Zeit. Durch den Input habe ich  über meine eigenen Gedanken und mein Handeln sehr viel nachgedacht.
Ich habe festgestellt, dass Diäten für mich nicht funktionieren und mir Lebensenergie rauben. Mir wurde klar, dass ich Abstand von der Diätkultur gewinnen musste.

Gerne nenne ich dir hier einige Inspirationen, die mir sehr weitergeholfen haben:

Instagram: @m0reniita, @bodyposipanda, @dietcultureinc, @thefuckitdiet, @laurathomasphd, @drjoshuawolrich

Bücher: Love Your Body – Morena Diaz, Intuitive Eating – Elyse Resch & Evelyn Tribole, Body Positive Power – Megan Jayne Crabbe, The Fuck It Diet – Caroline Dooner, Just eat it – Laura Thomas PhD

Diettalk: Mich selbst schützen lernen

Am Anfang stand für mich ein bewusster Umgang mit Social Media, Werbung und (Frauen-)Zeitschriften. Über all diese Wege wird uns vermittelt, dass wir nicht gut so sind, wie wir sind. Dass wir das Produkt XY kaufen müssen, um so auszusehen, wie die Models oder Influencer auf Instagram. Lange Zeit habe ich mich erst gar nicht auf Instagram angemeldet, um diese Trigger zu vermeiden. Da Social Media aber in unserer Gesellschaft sehr wichtig geworden ist, ist ein bewusster Umgang und das Entfolgen triggernder Accounts eine zielführende Maßnahme.

Die Tatsache, dass die Selbstperfektion und die Diätkultur allgegenwärtig sind und man immer wieder damit konfrontiert wird, macht es nicht leichter. Meine Freunde erzählen mir manchmal, dass sie sich nicht schön finden, dass sie Diät XY ausprobieren oder dass sie unbedingt abnehmen müssen. In solchen Situationen muss ich für mich selbst entscheiden, wie ich damit umgehe. Einerseits sind es meine Freunde und ich habe gerne ein offenes Ohr. Andererseits möchte ich mich in einigen Situationen auch selbst zu schützen.
Wenn mich dieser Diettalk triggert, versuche ich auch heute noch das Thema zu wechseln oder es offen anzusprechen, dass mir solche Gespräche nicht gut tun. Ich habe allerdings nach einiger Zeit die Erfahrung gemacht, dass solche Gespräche oder Kommentare bezüglich meines Aussehens immer weniger interessant für mich geworden sind.

Iss so viel, wie du hungrig bist

Das klingt zunächst sehr banal. Aber durch das Essen nach äußeren Regeln hatte ich den Bezug zu meinen körperlichen Bedürfnissen verloren. Hunger und Sättigung wieder zu erkennen und die Bedürfnisse entsprechend zu befriedigen, bedarf nach einer langen Diätperiode viel Übung. Es hat eine Weile gedauert, bis ich meinen Körper wieder „hören“ konnte. Manchmal hat man eben keinen Hunger am Morgen, manchmal frühstückt man zweimal. Ich musste lernen, dass alles seine Berechtigung hat und ich kein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich die Bedürfnisse meines Körpers befriedige.

Danach: Mehr als mein Aussehen

Ich kann heute von mir sagen, dass ich mich total erleichtert und befreit fühle. Ich esse was ich möchte, wann ich möchte und mache Sport dann, wenn ich mich danach fühle. Ob ich zugenommen habe? Ja, das habe ich – trotzdem mag ich mich selbst mehr denn je, bin zufrieden und im Einklang mit mir selbst. Mein Aussehen erhält nicht mehr meine ganze Aufmerksamkeit, weil ich erkannt habe, dass ich mehr als mein Äußeres bin. Ich habe Selbstbewusstsein, Selbstannahme und Selbstwahrnehmung gelernt. Ich vergeude keine Energie mehr, um darüber nachzudenken, wann ich endlich wieder Essen darf oder welches Workout am meisten Kalorien verbrennt. Heute nutze ich stattdessen meine Energie, um mich selbst kennenzulernen, um mich weiterzuentwickeln und um zu erkennen, was ich mir für mein Leben wirklich wünsche. Das neugewonnene Selbstvertrauen hat mich beflügelt, viele wichtige Entscheidungen zu treffen und Autonomie zu gewinnen. Ich genieße es, entspannt und spontan mit meinen Freunden Essen zu gehen oder Popcorn im Kino zu naschen. Ich habe aber auch echten Genuss an Salat gefunden und mache viel Sport – aber nur, weil ich möchte, nicht weil ich muss.

Die Reise zu mir geht weiter

Vermutlich klingt das alles sehr einfach. Die Wahrheit ist aber, dass es für mich ein jahrelanger und immer noch andauernder Prozess ist. Ich habe an mir gearbeitet und lerne jeden Tag etwas Neues dazu. Ich lese zu diesen Themen viele Bücher. Ich habe geübt, auf die Signale meines Körpers zu hören: Sowohl körperlich, als auch psychisch. Aber ich kann nicht oft genug betonen, wie sehr es sich lohnt, diese Reise zu beginnen. Oftmals sind es zwei Schritte vor und dann wieder einen zurück. Losgehen ist das Ziel.

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Body-Shaming auf Social Media: Zu fett, zu mager, einfach nicht perfekt

Quelle: privat

Jules, 22

@julia_29.6

Wenn ich meinem Alltag entfliehen möchte, zumindest für eine kurze Zeit, dann scrolle ich mich gern durch meinen Instagram-Feed. Ich sehe hübsche Mädels in coolen Outfits, in Bikinis, am Strand, in der Stadt. Darunter jede Menge Kommentare. Nicht immer wohlwollend: „Leggings mit Größe 40? Ein No-Go!“, „Mit deinen dünnen Stelzen in Röhrenjeans? Schäm dich!“, „Jetzt müsstest du nur noch zehn Kilo abnehmen …“
Für mich war das so schlimm, solche Kommentare zu lesen, dass ich angefangen habe, mir selbst immer mehr Gedanken über meine Figur zu machen, mich zu fragen, ob ich nicht zu dick bin. Dabei wurde ich immer unzufriedener.

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Was ist Body-Shaming überhaupt?

Body-Shaming bedeutet, jemanden wegen seiner körperlichen Erscheinung runterzumachen. Das ist zum einen diskriminierend und kann zum anderen beim Betroffenen extreme psychische Schäden verursachen. Body-Shaming auf Social-Media, kann jeden treffen, egal ob hell- oder dunkelhäutig, mit oder ohne Sommersprossen, klein, groß, dick oder dünn. Dabei werden böswillige Kommentare, sogenannte Hate Speech, verbreitet, die den Poster richtig runtermachen. Astreines Cybermobbing also.

Im Gedächtnis ist mir ein Hass-Kommentar geblieben, welcher unter einem Bild einer bekannten Instagrammerin stand. Er lautete ungefähr so: „Wie kannst du so rausgehen? Mit deinem Körper solltest du besser keinen Bikini anziehen!“ Für mich hatte die Instagrammerin eine völlig normale Figur. Und selbst wenn sie etwas übergewichtig oder untergewichtig wäre, ist das kein Grund dafür, dass Leute solche Kommentare schreiben.

Hate Speech ist gefährlich

Es ist wirklich schade und auch durchaus gefährlich, dass es solche Hate-Kommentare gibt. Sowohl für die Person, an die der Kommentar gerichtet wird, als auch für andere Personen, die das lesen und mit sich selbst unzufrieden sind. Auch der Verfasser selbst schadet sich damit. Beispielsweise können solche Hass-Kommentare dafür sorgen, dass jemand sich dann anders kleidet, in eine Diätspirale oder sogar Essstörung rutscht, sich für sich selbst schämt – und das nur, weil irgendjemand gerade Frust hatte.

Wieso beleidigen wir andere Menschen im Netz?

Es scheint, als würden auf Instagram die Daumen lockerer sitzen, als die Zunge im echten Leben – vielleicht durch die vermeintliche Anonymität im Netz. Man hatte einen schlechten Tag, Streit mit den Eltern, Stress auf der Arbeit und möchte jetzt seinem Frust freien Lauf lassen, sich ablenken, sich besser fühlen. Jemand anderen runterzumachen kann einem tatsächlich kurzfristig ein gutes Gefühl geben. Häufig spielt dabei Neid eine wichtige Rolle und das Unvermögen, die eigene Unzufriedenheit anzuerkennen und etwas zu ändern. Man ist neidisch, weil eine Person beispielsweise einen Lebensstil führt, den man selbst auch gerne führen würde. Selbst sitzt man mit einer Tüte Chips auf der Couch, während Instagrammer XY sich auf Ibiza die Sonne auf den dicken, dünnen, flachen, faltigen Cellulite-Bauch scheinen lässt.

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Der Faktor Schönheitsideal

Dünne, durchtrainierte Models sind überall präsent. Auch das trägt natürlich dazu bei, dass wir ungnädig mit anderen Körperbildern sind, nämlich all jenen, die davon abweichen. Bildbearbeitungsapps machen es außerdem für jeden möglich auf Insta auszusehen, wie ein Topmodel. Die Message: Jeder kann so aussehen. Dass das aber einfach nicht stimmt, weil jeder Körper eben anders ist, wollen wir nicht wahrhaben. Gerade wir jungen Mädels streben dann nach einem Ideal, das es so gar nicht gibt. Und jede, die nicht reinpasst, wird fertiggemacht. Aber aufgepasst: Waren in den 1990 Jahren 90-60-90-Maße total angesagt, wurden in den 2000er Jahren superdünne Frauen en vogue. Heute stehen wir auf schlank und durchtrainiert. Also: Auch Idealbilder ändern sich sehr schnell. Soll ich heute besonders dünn sein, brauche ich morgen einen üppigen Busen. Das geht einfach nicht.

Body-Shaming im NetzQuelle: Foto von geralt auf pixabay.com

Bevor du selbst ein Bild kommentierst, frage dich:

  • Was ist meine Absicht? Möchte ich die Person beleidigen, Dampf loswerden, bin ich neidisch?
  • Würde ich der Person das auch ins Gesicht sagen?
  • Wie würde ich reagieren, wenn mir jemand so etwas schreibt?

Bewusster Umgang mit Social Media

Vermutlich haben die meisten von uns schon Hass-Kommentare gesehen, bekommen oder sogar selbst welche verfasst. Aber so völlig ohne Instagram und Co. wollen wir eben auch nicht. Das muss ja auch nicht sein. Ein bewusster Umgang damit reicht oft schon aus, um sich selbst vor Hass, Cybermobbing und Body-Shaming zu schützen.

Fragen, die ich mir inzwischen dafür stelle:

  1. Was macht der Kommentar unterbewusst mit mir?
  2. Steckt in dem Kommentar konstruktive Kritik oder einfach nur Hass, Neid oder ähnliches?
  3. Sollte ich gegen diesen Kommentar vorgehen?
  4. Ist mir das Anschauen der Storys und das Lesen der Kommentare zu viel?
  5. Brauche ich mal eine Pause?

Wenn man selbst Hater-Kommentare erhält, gibt es folgende Möglichkeiten auf Instagram.
Du kannst …

  • den Kommentar löschen,
  • den Kommentar melden,
  • eine Person blockieren oder melden.

So kannst du dich vor Body-Shaming schützen:

Wichtig ist, sich selbst vor Augen zu halten, dass das Problem beim Verfasser des Kommentars liegt und nicht bei dir. Also nicht runterziehen lassen!

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