Angehörige bei Essstörungen: Was du tun kannst (und was nicht)

Mia, 22

Wenn ein Mensch, der dir nahe steht, an einer Essstörung leidet, betrifft das nicht nur ihn oder sie, sondern auch dich. Zwischen Sorge, Ratlosigkeit, Schuldgefühlen und dem starken Wunsch zu helfen kann man sich schnell allein fühlen. 

  • Du merkst, dass dein:e Freund:in immer öfter Mahlzeiten auslässt.
  • Im Restaurant bestellt sie nur noch eine kleine Suppe.
  • Gemeinsame Kochabende werden abgesagt.
  • Wenn du das Thema vorsichtig ansprichst, weicht sie aus, reagiert gereizt oder macht einen Scherz, der das Gespräch schnell beendet.

Vielleicht beginnst du zu zweifeln: Übertreibe ich? – Vielleicht spürst du aber auch längst: Hier stimmt etwas nicht.

Essstörungen wie Anorexia nervosa, Bulimia nervosa oder die Binge-Eating-Störung sind ernstzunehmende psychische Erkrankungen. Sie betreffen nicht nur die Person selbst sondern oft auch ihr gesamtes Umfeld. Und während viel über Betroffene gesprochen wird, wird die Belastung für Angehörige häufig unterschätzt.

Dieser Beitrag richtet sich deshalb an dich – als Bruder, Schwester, beste:r Freund:in, Partner:in, Cousin:e, Elternteil, …

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TYPISCHE GEFÜHLE

,,Ich fühle mich machtlos, obwohl ich so nah dran bin.“

Vielleicht erkennst du dich in diesen Worten wieder. Als Angehörige:r stehst du oft in einem inneren Konflikt. Du bist emotional eng verbunden und möchtest unterstützen, gleichzeitig wirkt die Erkrankung wie etwas, das sich deinem Einfluss entzieht. Dieses Gefühl von Nähe und gleichzeitiger Ohnmacht kann sehr belastend sein.

Vielleicht kennst du auch solche Gedanken und Empfindungen:

  • Ständige Sorge um die körperliche und seelische Gesundheit
  • Angst, etwas Falsches zu sagen oder die Situation zu verschlimmern
  • Wut oder Frustration, die im nächsten Moment in Schuldgefühle umschlagen
  • Zweifel, ob man selbst etwas übersehen oder falsch gemacht hat

Essstörungen wirken sich häufig stark auf Beziehungen aus. Gemeinsame Mahlzeiten wirken plötzlich angespannt. Gespräche drehen sich immer wieder ums Essen oder werden ganz vermieden. Freundschaften können sich verändern und Partnerschaften unter Druck geraten. Manchmal fühlt es sich an, als würde sich alles nur noch um die Krankheit drehen.

Gefühle wie Überforderung oder Hilflosigkeit sind in dieser Situation nicht ungewöhnlich. Die Unterstützung einer nahestehenden Person kostet Kraft. Wenn dich das belastet, bedeutet das nicht, dass du versagst, sondern dass dir dieser Mensch wichtig ist.

Was ist eine Essstörung?

Eine Essstörung ist eine psychische Erkrankung und kein „schwieriges Essverhalten“. Für Betroffene werden Essen, Gewicht oder Kontrolle zu einem Weg, mit innerem Druck, Selbstzweifeln oder belastenden Gefühlen umzugehen. Oft geht es weniger um das Essen selbst, sondern um Themen wie Selbstwert, Perfektionismus oder das Gefühl, nicht zu genügen. Die Gedanken rund um Körper und Nahrung können so viel Raum einnehmen, dass sie den Alltag und Beziehungen stark beeinflussen.

Wichtig für dich als Angehörige Person: Eine Essstörung ist keine bewusste Entscheidung und kein Trotz. Sie ist Ausdruck von innerem Leid und braucht Verständnis sowie professionelle Unterstützung.

WAS MAN TUN KANN – PROFESSIONELLE UNTERSTÜTZUNG 

„Ich bin gerade allein mit der Sache. Ich möchte helfen, aber ich weiß nicht genau wie und muss mich erst belesen.“

Viele Angehörige fühlen sich in solchen Momenten überfordert und unsicher. Man möchte unterstützen, aber man weiß nicht genau, wo man anfangen soll, und die Sorge um die geliebte Person kann einen richtig beschäftigen. Genau hier kann professionelle Unterstützung ein Anker sein. Sie gibt Orientierung, entlastet und zeigt Wege, wie man wirklich helfen kann, ohne sich selbst zu überfordern.

Essstörungen sind behandelbar, aber sie brauchen oft ein fachkundiges Team. Je früher man sich an Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen oder spezialisierte Beratungsstellen wendet, desto größer sind die Chancen, dass die Person die ersten Schritte auf dem Weg zur Genesung gehen kann. Als Angehörige:r kann man selbst schon viel tun. Termine zu begleiten, sei es nur im Wartezimmer, kann entlastend wirken. Auch die gemeinsame Vorbereitung auf Praxisbesuche hilft: Symptome notieren, Verhaltensauffälligkeiten beobachten, Fragen aufschreiben. Es geht nicht darum, alles sofort perfekt zu machen, sondern dranzubleiben, geduldig zu begleiten und die Person spüren zu lassen, dass sie nicht allein ist.

Gleichzeitig muss man akzeptieren, dass die Entscheidung zur Behandlung von der betroffenen Person kommen muss. Zwang oder Druck helfen fast nie, außer in akuten Notfällen. Dazu gehören stark geschwächter körperlicher Zustand, Suizidgedanken oder akute Selbstgefährdung. In solchen Momenten darf man keine Sekunde zögern, ärztliche oder psychiatrische Hilfe einzuschalten. Die wichtigste kostenlose und anonyme Notfallnummer ist hier die Nummer gegen Kummer (116 111).

Professionelle Hilfe ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist der Weg, als Angehörige:r Orientierung und Halt zu finden, die Person zu unterstützen und gleichzeitig nicht selbst unter der Sorge zusammenzubrechen. Man muss diesen Weg nicht allein gehen.

 

WAS MAN TUN KANN – ALLTAG UND KOMMUNIKATION

„Manchmal frage ich mich, ob meine Worte mehr schaden als nützen.“

Es ist ein Balanceakt: Du willst helfen, ohne zu verletzen. Im Alltag, bei Mahlzeiten, Einkäufen oder gemeinsamen Aktivitäten, können schon kleine Gesten einen Unterschied machen. Und deshalb ist hier eine Dos- und Don’ts-Liste, die dir dabei helfen kann, Trigger-Punkte zu vermeiden und der Person auf eine empathische und rücksichtsvolle Art und Weise zu unterstützen:

  • Das Thema behutsam ansprechen, Ich-Botschaften verwenden („Mir fällt auf…, ich mache mir Sorgen…“).
  • Wertschätzung ausdrücken und Selbstwert stärken („Ich freue mich, dass du da bist…“).
  • Zeit schenken, zuhören, ohne sofort Lösungen anzubieten oder zu kritisieren.
  • Einen ruhigen Ort und Zeitpunkt für Gespräche wählen; nicht kurz vor oder nach Mahlzeiten.
  • Nicht mehr als eine vertraute Person sollte das Gespräch führen, um Überforderung zu vermeiden.
  • Informationsmaterial bereithalten, das die betroffene Person später in Ruhe ansehen kann.
  • Fortschritte anerkennen und positives Verhalten verstärken.
  • Bei Einkäufen begleiten oder unterstützen, besonders bei Ängsten oder Binge-Risiko.
  • Mahlzeiten neutral gestalten, Ablenkung anbieten (z. B. Film, Musik).
  • Langsames Anpassen der Essmenge bei restriktivem Verhalten, ohne Druck.
  • Verständnis vermitteln: Essstörung ist nicht die Schuld der Person.
  • Mehrere Beobachtungen gleichzeitig aufzählen oder überwachen lassen.
  • Druck ausüben, essen „erzwingen“.
  • Mahlzeiten oder Essensauswahl spontan ändern, Angst oder Einschränkung auslösen.
  • Kritik an Gewicht oder körperlicher Erscheinung.
  • Gespräch dominierend oder kontrollierend führen.
  • Betroffene Person mit mehreren Personen gleichzeitig konfrontieren („Ambush-Effekt“).
  • Ultimative oder fordernde Sprache („Du musst Hilfe holen“).
  • Schweigen oder Abwarten, wenn Sorge besteht – Essstörungen gedeihen oft in Geheimhaltung.
  • Stufenmodell: Rückfälle nicht als Scheitern werten; Verständnis für den nicht-linearen Verlauf zeigen.

ACHTE AUF DICH SELBST! 

„Ich darf jetzt nicht schlappmachen. Sie braucht mich doch.“

Neben der Sorge um die betroffene Person ist es wichtig, auch auf dich selbst zu achten. Die Rolle als unterstützende Person kann emotional sehr belastend sein. Sprich mit Menschen, denen du vertraust, über deine Gefühle und erlaube dir, über deine Sorgen zu reden. Auch das Wahrnehmen eigener Grenzen und Bedürfnisse gehört dazu. Selbstfürsorge bedeutet nicht, dass du weniger engagiert bist, sondern dass du deine Kraft bewahrst, um langfristig stabil und empathisch begleiten zu können. Darum ist es wichtig, dass du nicht nur für die andere Person da bist, sondern auch für dich selbst sorgst. Dazu ein paar Tipps.

 

Plane regelmäßig kleine Auszeiten im Alltag, in denen du dich bewusst nur auf dich konzentrierst. Das kann ein Spaziergang, ein kurzes Hobby oder einfach ein ruhiger Moment für dich sein. Dazu gehört auch, deine eigenen Interessen zu pflegen: Nimm dir Zeit für Dinge, die dir Freude bereiten, unabhängig von der Situation der betroffenen Person. Solche Momente stärken dein Gefühl von Autonomie und geben dir neue Kraft.

Gespräche mit anderen Angehörigen oder moderierten Gruppen ermöglichen Erfahrungsaustausch und praktische Tipps, ohne dass du dich allein fühlst.

Beratung kann helfen, konkrete Strategien für den Alltag zu entwickeln, Konfliktsituationen besser zu bewältigen und Handlungsoptionen zu erweitern.

Vielleicht wirst du Dinge hören, die dich verletzen. Vielleicht wirst du abgewiesen oder deine Hilfe wird nicht angenommen. Das ist schmerzhaft, aber es bedeutet nicht, dass du versagt hast. Eine Essstörung kann Nähe erschweren und Reaktionen verzerren. Deine Unterstützung bleibt wertvoll, auch wenn sie nicht sofort angenommen wird.

Überlege, welche Aufgaben du übernehmen möchtest und welche du abgeben kannst. Eigene Grenzen zu erkennen schützt dich vor Überlastung und sorgt dafür, dass du langfristig stabil bleiben kannst.

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Alin Peeberaterin

Alin

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Führt die radikale Akzeptanz zur Freiheit?!

Autorin Annalena

Annalena, 27

Tagein tagaus gefangen in den Gedanken und Zwangshandlungen der Anorexie. Ein Leben bestimmt durch Regeln und Strukturen. Den gesamten Alltag über im Funktionsmodus agiert. Im Inneren eine Leere und gleichzeitige Schwere. Es ähnelt einem Roboter, welcher durch die Zwänge und Regeln der Anorexie gesteuert wird. Dieser Endzustand war das Ergebnis meiner jahrelangen Anorexie.

Vier Monate später sitze in meinem Zimmer in der Klinik Lüneburger Heide und verfasse diesen Blogartikel. Mein Körper ist gefüllt mit einer Ruhe und gleichzeitiger Lebendigkeit. Ich spüre Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Ich bin voller Vorfreude auf das Leben, voller Energie und Zuversicht. All das, was ich mir jahrelang gewünscht habe, wonach ich mich so sehr gesehnt habe, ist nun die Realität. Doch wie kam es dazu?

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Das Leid und die gleichzeitige Hoffnung als notwendige Basis

Mit dem Betreten der Klinik habe ich beschlossen alles Alte hinter mir zu lassen, mir dort den Raum zu geben um mich selbst zu finden und meinen eigenen Weg zu gehen. Mir war bewusst, dass es kein einfacher Weg werden würde. Gleichzeitig war mir klar, dass es die einzige Möglichkeit war, um am Leben zu bleiben und den Teufelskreis der Anorexie zu durchbrechen. Ich habe akzeptiert, dass ich es alleine aus eigener Kraft nicht mehr schaffe und professionelle Hilfe benötige.

Die ersten Wochen in der Klinik stand zunächst eine kontinuierliche und stabile Gewichtszunahme im Mittelpunkt. Ich habe sie zugelassen, trotz der Angst die Veränderung nicht aushalten zu können, mich abzuwerten und selbst zu hassen. Doch ich habe die Verantwortung den Experten übergeben, da mir mein Körper deutlich zu spüren gab, mich in diesem unterernährten Zustand nicht mehr lang am Leben halten zu können. Die Gefahren der Anorexie waren mir bewusst, auch dass ich sonst am Ende womöglich mit dem Leben zahlen muss. Doch ich hatte keine Vision wie der Weg zu meinem Ziel, einem freien und glücklichen Leben aussehen könnte. Das war der Grund warum ich die Jahre zuvor die Erkrankung nicht loslassen konnte. In der Klinik gelang es mir Woche für Woche den Weg zu meinem Ziel immer deutlicher herauszuarbeiten. Umso konkreter er wurde, desto entschlossener wurde ich ihn weiter zu gehen. Ein Ziel ist unter anderem wieder meinen Beruf auszuführen. Vor allem jedoch nicht nur die Arbeit abzuliefern, sondern auch an Teamaktivitäten, der Gemeinschaft, teilzunehmen oder eine Wanderung in den Bergen mit guten Freunden, ins Kino zu gehen und sich auf den Film konzentrieren können ohne gedanklich immer beim Essen, den Kalorien und der Figur zu verharren. Mein Ziel ist das alltägliche Leben im Hier und Her und nicht gefangen in den Gedanken zu erleben.

Mein Therapieprozess

Neben der Gewichtszunahme für die körperliche Gesundheit, der Gespräch- und Kunsttherapie um tiefliegende Wunden zu heilen, hat das Skills-Training für eine kognitive Neustrukturierung beigetragen und mich dabei unterstützt neue Gedankengänge zu etablieren. Skills umfassen erlernte Verhaltensweisen, die dabei unterstützen einen besseren Umgang mit schwierigen Situationen zu finden. Dadurch erhöhte sich meine Motivation den neuen Weg weiterhin zu gehen kontinuierlich. Ich fand einen Umgang die Hürden im Rahmen der Anorexie-Recovery auszuhalten, in schwierigen Momenten innezuhalten und nicht direkt nach meinem ersten Impuls zu handeln. Hierbei sind viele Parallelen zur Akzeptanz und Commitment-Therapie erkennbar (Definition siehe unten).

Grundlagen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie steht für die Akzeptanz (ACT) von Gefühlen, die Orientierung an den eigenen Werten und schlussendlich für Umsetzung durch das Folgen von Taten. Das Ziel ist das Erlernen eines flexibleren Umgangs mit den Herausforderungen des Lebens. Dies bedeutet, dass in emotional schwierigen Situationen nicht direkt aus dem Impuls heraus agiert wird, sondern durch ausreichend Reflexion eine Handlungsfreiheit entsteht und demnach bewusst gehandelt werden kann.
Neben der bewussten Entscheidung legt die ACT ihren Fokus auf die Akzeptanz und das Loslassen von Dingen, die nicht veränderbar sind. Dadurch wird das Leid geringer gehalten, da es nicht durch dysfunktionale Gedanken weiter ausgebaut wird. Hierfür ist in manchen Situationen allein die Frage „Ist das hilfreich?“ ausreichend, um den negativen Gedankenstrudel zu stoppen. Dies wiederum führt dazu, dass wir innehalten können und anschließend eine bewusste Handlung möglich ist.

(vgl. https://www.actitude.de/magazin/akzeptanz-und-commitment-therapie)

Zusätzlich wurde mein Mut, mit der Gewissheit, dass keine Emotion endlos ist und dass ich Emotionen haben, aber ich nicht meine Emotion bin, bestärkt. Das Fachwissen über Emotionen hat mich ermutigt mich ihnen zu stellen. Gleichzeitig wurde ich mit jedem Aushalten der Emotionen in meiner eigenen Handlungsfähigkeit bestärkt. Ich hatte das Gefühl die Herrin über meine Emotionen zu sein, mit den Emotionen surfen zu können, anstatt mich für meine Emotionen zu bestrafen. So wurde ich Tag für Tag zunehmend meine eigene Freundin, anstatt meine größte Feindin.

So habe ich beispielsweise akzeptiert, dass ich im Untergewicht meiner sportlichen Leidenschaft, dem Halbmarathon, nicht nachgehen darf. Ich habe akzeptiert, dass ich eine verzerrte Körperwahrnehmung habe und meine familiäre Situation nicht meiner Wunschvorstellung entspricht und ich zunächst nicht mehr in mein Heimatdorf zurückziehen werde. Mit der Akzeptanz dieser Gegebenheiten lenke ich die Energie und den Fokus auf die Dinge, die ich beeinflussen kann. Ich trauere nicht mehr dem Defizit nach, sondern fokussiere mich auf die neuen Chancen, Möglichkeiten und Wege, die das Leben für mich bereithält.

Die Wiederernährung als unumgänglicher Baustein

Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle auch auf die Notwendigkeit der körperlichen Stabilisierung verweisen. Erst mit zunehmendem Gewicht ist es möglich sich auf neue kognitive Prozesse einzulassen, flexibler zu denken und die rigiden, engstirnigen und zwanghaften Denkweisen abzulegen. Ganz nach dem Motto „Das Gewicht ist nicht alles, aber ohne Gewicht ist alles nichts“

Trau dich, es könnte es ja gut werden!

Ich möchte dich mit meinen eigenen Erfahrungen dazu ermutigen, dich mit deinen Zielen auseinander zu setzen, altes loszulassen und neues wagen. Denkweisen zu hinterfragen und alte Muster zu durchbrechen, um bewusst Taten folgen zu lassen, die langfristig ein gesundes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Schreib uns

Anina

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Ein Gang in die Welt der Psychiatrie

Kiriko

Hast du dir schon einmal gewünscht, einen Einblick in die Psychiatrie zu bekommen? Oder vor der Einweisung in die Psychiatrie eine Vorstellung davon zu haben, wie es dort so läuft? Dann pack eine ordentliche Portion Neugierde ein, lass deine Vorurteile zu Hause und folge mir.

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Ankommen & Aufnahme – der erste Schritt durch die Tür

Hallo, ich bin Alice! Komm mit! Ich gebe dir heute mal einen Einblick, wie ein Weg in die Psychiatrie aussehen kann. Ich bin eine fiktive Mitpatientin und werde dich dort herumführen.

Es ist der Tag X. Um 10 Uhr stehst du vor einer Tür: „Aufnahme“ steht mit großen Lettern am Gebäude der örtlichen Psychiatrie. Du hast einen gepackten Koffer mit dem Nötigsten dabei: Kleidung für eine gute Woche, Badartikel, Hausschuhe, etwas um dich in der freien Zeit zu beschäftigen und dein Handy. Du öffnest die Tür, suchst in deinem Rucksack deine Versichertenkarte und deinen Einweisungsschein und läufst zu dem Tresen, über dem „Anmeldung“ steht. Der Dame der Verwaltung erklärst du kurz, dass du dich heute einweisen möchtest, weil du stark überlastet bist. Du hast es bereits mit deinem Hausarzt abgesprochen. Sie nimmt deine Personalien auf und bittet dich, in einem Wartezimmer Platz zu nehmen.

Dort sitzen bereits rund fünf Personen. Zuerst ist dir ein bisschen Bange, rasch merkst du, dass alle scheinbar auf das Gleiche warten. Es sind Personen mit Koffer oder nur mit einer, für dein Gefühl, viel zu kleinen Tasche, in Begleitung oder alleine, manche in ihr Handy vertieft, in ein Buch oder einfach nur besorgt vor sich hinstarrend. Es fällt dir auf, dass die Stimmung eher gedrückt ist. Es liegt eine hohe Spannung im Wartezimmer, die nicht zulässt, zu vergessen, dass du im Wartezimmer der Aufnahme einer Psychiatrie bist.

Das Aufnahmegespräch – Fragen, die Klarheit schaffen

Immer wieder wird jemand aufgerufen, auch kommen immer wieder neue Leute herein. Insgesamt scheint es hier von allem etwas zu geben: Von einer stark geschminkten Frau mit hohen Absätzen und einer kitschigen Handtasche, über einen jungen Mann in lässiger Jogginghose, eine Mittvierzigerin in Jeans und mit offenen Haaren, die nervös die Wand anstarrt, einen seriös anmutenden Mann in Anzug mit Aktentasche, bis zu einer jungen Frau, die mit Abstand an einer Wand steht und nervös mit den Händen flattert und immer wieder versucht, sich auf den Stuhl neben sich zu setzen, um dann schon auf halber Strecke wieder aufzustehen.

Nun wirst du aufgerufen, um mit einer Ärztin zu reden. Zuerst bittet sie dich die Situation zu schildern, die dich hergeführt hat. Sie stellt dir Fragen, um ein vollständigeres Bild deiner Situation zu bekommen. Anschließend fragt sie dich, welcher Tag sei, wo du bist, wann du geboren wurdest und ob du in letzter Zeit Sachen wahrgenommen hast, die andere nicht wahrgenommen hätten. Auf deine verständnislose Nachfrage erklärt sie dir, dass sie hier auch Patienten behandeln, die Wahnvorstellungen und Halluzinationen, zum Beispiel im Rahmen einer Psychose, haben. Zuletzt wirst du gefragt, ob du mit dem Gedanken gespielt hast oder den Gedanken hast, dein Leben beenden zu wollen. Alle Fragen beantwortest du ehrlich, denn du weißt, dass du nur so die notwendige Hilfe bekommen kannst.

Nach einem nochmaligen Gang ins Wartezimmer wirst du nach etwas Wartezeit nochmal aufgerufen, damit die Ärztin dir sagt, dass du auf eine „offene“ Station kommst, wo Patientinnen und Patienten mit deinen Beschwerden sind. Du sollst ins Nebengebäude in den 3. Stock. Du sollst bei der Pflege einen großen Umschlag abgeben. Also nimmst du deinen Koffer und läufst mit dem Umschlag zu eben dieser Station.

Auf Station – Regeln, Orientierung und die ersten Begegnungen

An der Station angekommen klingelst du. Der Pfleger, der aus der offenstehenden Tür der Station kommt, dich willkommen heißt und dir den Umschlag abnimmt, stellt sich kurz vor. Er sagt dir, dass du erstmal dein Gepäck im Pflegestützpunkt stehen lassen kannst, während du dein „zurückgestelltes“ Mittagessen essen könntest. Er führt dich in einen großen Speiseraum, wo er dir ein Tablett mit einer warmen Mahlzeit aus einem Abstellraum holt. Er sagt, dass du nach dem Essen zu ihm zum Pflegestützpunkt kommen kannst. Dann würdet ihr den ganzen ‚formalen Kram‘ machen und er zeige dir dein Zimmer.

Als du gerade dabei bist, die letzten Bissen deiner Mahlzeit zu essen, kommt eine Person im Arztkittel vorbei. Sie fragt, ob du die neu aufgenommene Person bist. Nachdem du dies bestätigst, stellt er sich vor, erklärt, dass er während des Aufenthaltes ärztlich für dich zuständig ist und bittet dich, wenn du fertig bist, auf dem nächsten Gang doch kurz zur Aufnahme in sein Zimmer zu kommen. Als du versuchst ihm zu erklären, dass du zur Pflege gehen sollst, erklärt er dir, dass die gerade „Übergabe“ haben. Also dass die Pflege an die nächste Schicht weitergibt, was Wichtiges während der letzten Schicht war. Deswegen werden sie erst in einer halben Stunde wieder den Patient:innen zur Verfügung stehen. Also begleitest du den Arzt in sein Zimmer. Dort angekommen vertieft ihr nochmal die Inhalte des Aufnahmegesprächs und er macht eine kurze Familienanamnese. Er fragt dich, wie dein engster Kreis aufgebaut ist und ob es bereits andere Betroffene von psychischen Erkrankungen in deiner Familie gibt.

 

Erste Begegnungen – Patenschaft, Zimmer und Stationsregeln

Nach dem Gespräch begleitet er dich zum Pflegestützpunkt, wo jetzt drei andere Pflegerinnen sitzen. Nachdem der Arzt dich kurz bittet, einen Moment zu warten und die Tür vom Pflegestützpunkt schließt, kommt eine von ihnen heraus und meint, du könntest dein Gepäck mitnehmen. Also nimmst du deinen Koffer und begleitest die Pflegerin zu einem Patientenzimmer. Unterwegs begegnen dir andere Patient:innen, die dich und die Pflegerin freundlich grüßen. Als ich gerade an euch vorbeilaufe, hält sie mich an. „Hallo Alice, das ist unsere Neuaufnahme, denken Sie daran, dass Sie die Patenschaft übernommen haben?“ „Hallo, ich bin Alice. Ich bin diese Woche für die Neuen zuständig, wenn du Fragen hast, kannst du gerne auf mich zukommen. Wenn du möchtest, zeige ich dir nachher noch ein paar Dinge auf Station. Ich bin in Zimmer 15. Wenn ich mit der Therapie fertig bin, kann ich gerne bei dir klopfen. Auf welches Zimmer kommst du?“ „Auf Zimmer X.“, antwortet die Pflegerin an deiner Stelle. Du hörst ein bisschen überrumpelt der Konversation im Gang zu, bis die Pflegerin dich bittet weiterzugehen.

An der Tür des besagten Zimmers klopft die Pflegerin. Als ihr nach einem „Herein“ durch die Tür in das Zimmer tretet, siehst du dich erst einmal um. Es ist ein relativ großzügiger Raum mit zwei hölzernen Krankenhausbetten, jeweils eines rechts und links an der Wand. Neben den Betten steht jeweils ein relativ großer Schrank. In der Mitte des Raumes befindet sich ein Tisch mit zwei Stühlen und vorne ist eine Nasszelle mit Dusche und Toilette. „Hi, ich bin […]. Wir teilen uns das Zimmer hier. Ich muss jetzt zur Therapie.“

 

Regeln, Sicherheit und erste Struktur

Die Pflegerin setzt sich an den Tisch und bittet dich, dich auch zu setzen, dann arbeitet ihr euch zusammen durch einen Stapel Blätter: Essensplan, Stationsregeln zum Unterschreiben, Behandlungsvertrag, Entlassmanagement… Sie erklärt dir, dass du persönliche Sachen abgeben könntest, von denen du Sorge hast, dass sie wegkommen, und dass du Wertsachen entweder abgeben, im Schrank einschließen oder sorgfältig im Blick haben solltest. Das Fotografieren sei in der Psychiatrie verboten und das Handy solle bitte bei den Therapien aus sein. Sie fragt dich, ob du Medikamente dabei hast und erklärt dir, dass du nur die einnehmen darfst, die von der Pflege ausgegeben werden. Wenn du Unterstützung brauchst, könnest du dich jederzeit an die Pfleger:innen wenden. Sie haben mehrfach am Tag „Übergaben“, sind aber ansonsten rund um die Uhr für die Patient:innen verfügbar. Wenn es um belastende Themen geht, solltest du davon absehen, darüber mit den Mitpatient:innen zu sprechen. Wenn es einen Notfall gäbe und du oder jemand anderes dringend von der Pflege Unterstützung bräuchte, gäbe es in allen Räumen und an den Betten einen roten Knopf und in der Dusche eine rote Schnur, mit denen das Pflegepersonal gerufen werden könne. Bei Übergaben könne in Notfällen am Pflegestützpunkt auch geklopft werden. Die Tür der Station stünde grundsätzlich immer von 8 Uhr bis 20 Uhr offen, die Teilnahme an den Therapien und den Mahlzeiten sei verpflichtend und beim Verlassen der Station müsse man sich immer in ein Buch am Ausgang eintragen, damit die Pfleger:innen nachschauen könnten, wo die Patient:innen seien.

Die Therapien würden teilweise im Untergeschoss stattfinden oder in dem Nebengebäude. Momentan müsse der Arzt dich noch zu den Therapien anmelden, sodass du erst einmal nur einmal in der Woche ein Gespräch mit der Therapeutin und mindestens einmal in der Woche ein Gespräch mit dem Arzt hättest. Alles andere würde dann so langsam anlaufen. Dir würde noch eine oder ein Bezugspfleger:in zugeteilt werden. In den nächsten Tagen würdest du noch die für dich zuständige Psychotherapeutin kennenlernen.

Später zeige ich als deine Patin dir dann noch die Station, den Aufenthaltsraum, die Patientenküche und stelle dir noch ein paar Mitpatient:innen vor. Bis das dann auch irgendwann so viel ‚Gekennenlerne‘ und Informationen am ersten Tag sind, dass niemand alles behalten kann und du dich erschöpft zurückziehst.

Alltag & Verbindung – wie ‚Bilder‘ aus der Zeit dort aussehen könnten

Letztendlich kommst du Stück für Stück auf Station an und lernst die Mitpatient:innen kennen. Der weitere Verlauf kann sehr von deinen Diagnosen, der Klinik und Vielem mehr abhängen. Wie du schon erfahren hast, ist Fotografieren auf der Station nicht erlaubt. Ich möchte dir deshalb mit Worten beschreiben, wie Bilder von deiner Zeit dort aussehen könnten:

  • Abends lachend bei gemeinsamen Kartenspielen mit vier weiteren Mitpatient:innen.
  • Du im Gespräch mit der Psychotherapeutin, mit einem Block, auf dem du immer wieder etwas für dich notierst.
  • Du im Aufenthaltsraum an einem Vierertisch mit Mitpatient:innen zu Mittag essend.
  • Du in der Arbeitstherapie in der Gärtnerei wie du eine Pflanze umtopfst.
  • Du, schlafend in der Progressiven Muskelrelaxation am Morgen.
  • Du, wie du abends mit zwei Mitpatient:innen von einem Kinobesuch zurückkommst.
  • Du, wie du im Aufenthaltsraum sitzt und puzzelst.
  • Du, wie du probeweise nach drei Wochen in deine Wohnung zuhause zurückkehrst, um dort eine Nacht zu verbringen.
  • Du, wie du eine weinende Mitpatientin auf dem Gang auffindest und sie zur Pflege begleitest.
  • Du einige Stunden später mit derselben Mitpatientin draußen auf einer Bank sitzend und über einen Witz lachend.
  • Du mit gepackten Koffern im Aufenthaltsraum am Entlasstag.
  • Du, wie du dich von einigen Mitpatienten unter Tränen verabschiedest und mit ihnen Nummern austauschst.

Und dann…

  • Du, wie du ein paar Monaten nach Entlassung mit zwei Mitpatient:innen in einem Café sitzt und ihr miteinander redet.

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Kim Peerberaterin

Kim

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Ohnmächtig oder selbstbestimmt? Du entscheidest!

Melanie, 45

Ohnmächtig

Ich schrecke hoch und starre auf mein Handy. So ein Mist. Ich bin wieder eingeschlafen. In 35 Minuten muss ich im Zug sitzen, zehn Minuten brauche ich bis zum Bahnhof. Das wird verdammt knapp. Mein Magen krampft sich zusammen.

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Wieso passiert mir das immer wieder? Und dann auch noch genau heute, wo wir die ersten beiden Stunden Anatomie bei Frau Dr. R. haben. Sie empfindet jedes Zuspätkommen als persönliche Beleidigung und stellt denjenigen erst mal bloß. Ich hasse das. Ich springe aus dem Bett, die Laune längst im Keller. Eigentlich ist der Tag jetzt schon gelaufen.

Gestresst starte ich im Bad:Zähne putzen, schnell Gesicht waschen. Duschen ist nicht drin, Deo und Trockenshampoo müssen reichen. Zurück ins Schlafzimmer. Irgendetwas überziehen. Weiter in die Küche, schnell einen Kaffee drücken. Für Essen ist keine Zeit. Ich schnappe mir im Vorbeilaufen einen Schokoriegel und eine Banane. Kann ich ja im Zug essen. Noch einen Kaffee für den Weg. Eigentlich viel zu viel Koffein für mich, aber er hilft wenigstens gegen die Müdigkeit und den Hunger.

Schnell aufs Rad und los. Bei jedem Tritt reibt die Naht meiner Socken an meinen Füßen. Die Jeans kneift an den Oberschenkeln und scheinbar habe ich das Schild im Pullover nicht richtig rausgeschnitten. Das Kratzen macht mich wahnsinnig.

Als die Panik mich überrollt

Die große Bahnhofsuhr leuchtet mir schon von Weitem entgegen. Knapp, aber machbar. Ich renne durch die Halle, wie immer voll mit Menschen um diese Uhrzeit. Es ist laut, es riecht unangenehm und ständig streifen mich Leute. Ein kurzer Blick auf die Anzeigetafel und ich erstarre. Ein anderes Gleis. Oh nein, wo war das noch gleich. Wo muss ich hin. In dem Moment spüre ich es aufsteigen. Mein ganzer Körper beginnt zu vibrieren. Die Anzeigetafel verschwimmt, in meinen Ohren setzt ein Pfeifen ein. Bitte nicht. Nicht jetzt. Die Panik kriecht langsam hoch. Wo sind meine Kopfhörer? Wo ist mein Ring? Zu Hause liegen gelassen… ich bin so dumm.

Mein Herz rast, das Klopfen dröhnt in meinen Ohren. Überall Menschen. Jeder rempelt mich an. Es stinkt nach Schweiß und fettigem Essen. Ein Druck legt sich auf meine Brust. Ich bekomme kaum noch Luft. Mir wird schwummerig. Ich muss hier raus. Sofort. Nicht rennen. Nicht hinfallen. Nicht durchdrehen. Konzentrier dich. Zum Ausgang. Atmen. Endlich draußen. Eine Bank. Ich setze mich und versuche zu atmen. Jacke aus.

 

Einatmen 1-2-3-4
Luft anhalten 1-2-3-4
Ausatmen 1-2-3-4-5-6-7-8

 

Mein Kopf dröhnt, mein Mund ist trocken, mein ganzer Körper tut weh. Tränen laufen mir über die Wangen. Ich hasse es, wenn die Panik übernimmt und ich nichts tun kann. Ich habe die Kontrolle verloren… schon wieder.

Ich schleppe mich zu meinem Rad und fahre nach Hause. Ich kann nicht mehr. Zu Hause angekommen hole ich mir die Packung Schokoriegel und eine Cola aus der Küche und gehe damit direkt zurück ins Schlafzimmer. Jacke auf den Boden, Licht aus, Fernseher an und ab ins Bett. Jetzt ist eh alles egal. Scheißtag. Ich habe versagt… mal wieder.

Selbstbestimmt

Ich schrecke hoch und starre auf mein Handy. So ein Mist. Ich bin wieder eingeschlafen. In 35 Minuten muss ich im Zug sitzen, zehn Minuten brauche ich bis zum Bahnhof. Das wird verdammt knapp. Mein Magen krampft sich zusammen.
Wieso passiert mir das immer wieder? Und dann auch noch genau heute, wo wir die ersten beiden Stunden Anatomie bei Frau Dr. R. haben. Sie empfindet jedes Zuspätkommen als persönliche Beleidigung und stellt denjenigen erst mal bloß. Ich hasse das. Ich springe aus dem Bett. Meine Laune ist im Keller. Eigentlich ist der Tag jetzt schon gelaufen.
Gestresst starte ich im Bad, Zähne putzen. Ich schaue mich im Spiegel an. Stopp. So geht das nicht.

Tief durchatmen.

Ein Morgen in meinem Tempo

Ist es überlebenswichtig, pünktlich in der Schule zu sein? Ist meine Ausbildung in Gefahr, wenn ich eine Stunde später komme? Nein und nein. Daraus wird ein Ja zu mir. Plötzlich habe ich richtig viel Zeit. Ich dusche mich in Ruhe ab. Haare waschen verschiebe ich auf später, das kostet zu viel Kraft. Allein der laute Föhn. Ein Hoch auf das Trockenshampoo. Handtuch umgebunden und erstmal in die Küche.

Der erste Schluck Kaffee am Morgen ist immer der Beste. Ich gönne mir einen Latte Macchiato und stelle eine Kanne koffeinfreien Kaffee für unterwegs an. Dann ziehe ich mich an. Heute muss ich mich unbedingt wohlfühlen. Also Kuschelsocken, eine bequeme Hose und ein warmer Pullover.

Zurück in die Küche. Ich bitte Alexa um meine Guten Morgen Playlist und schmiere mir zwei Brote. Eins für jetzt, eins für die Zugfahrt. Eine Banane und einen Schokoriegel packe ich auch ein. Am Bahnhof kann ich mir später noch etwas Leckeres für mittags kaufen. Ich genieße mein Brot und schaue einfach aus dem Fenster in unseren schönen Garten. Ein Eichhörnchen klettert den Kastanienbaum hoch. Der Schreck des Morgens verblasst. Frau Dr. R. macht mir immer noch Bauchschmerzen, aber das kann ich gerade nicht ändern.

Es wird langsam Zeit. Ich schnappe mir meinen Rucksack und packe meine Noise Cancelling Kopfhörer ein. Dann ziehe ich meine Jacke an und fühle, ob mein Akkupressurring auch in der Tasche steckt. Alles an Ort und Stelle. Ich radel entspannt los. Ich genieße die frische Luft und sehe schon von Weitem auf der Bahnhofsuhr, dass ich noch genügend Zeit habe.

Entspannt betrete ich die Halle. Um diese Uhrzeit ist es zum Glück nicht so voll. Ein Blick auf die Anzeigetafel. Oh, ein anderes Gleis heute. Wo war das noch gleich? Ach ja, da komme ich direkt am Bäcker vorbei. Also gönne ich mir ein belegtes Brötchen für die Mittagspause und genieße den Geruch von Frische Gebackenem. Er vermischt sich mit dem Duft von Kakao, den die Dame neben mir bestellt hat. Dann gehe ich weiter zum Gleis.

Der Zug ist schon da und sogar relativ leer. Ich suche mir einen ruhigen Platz am Fenster und setze vorsichtshalber meine Kopfhörer auf. Dann hole ich mein Buch heraus und freue mich auf die etwa einstündige Fahrt, in der ich ungestört lesen kann. Fast hätte ich mein zweites Brot vergessen. Dazu schmeckt der Kaffee heute besonders gut. In Osnabrück angekommen steigt langsam die Nervosität vor der Reaktion der Lehrerin. Ich streife meinen Akkupressurring über meinen Daumen. Ich gehe bewusst Schritt für Schritt. Nicht rennen. Es kommt auf die paar Minuten jetzt auch nicht mehr an. Ordne deine Gedanken. Bleib ruhig. Es sind nur Worte und du hast dich heute für dich entschieden. Sei stolz auf dich. Niemand anderes weiß, was du heute schon geleistet hast.

Ein leiser Moment von Stärke

Ich bin da. Treppe hoch, rechts, letzte Tür. Na dann los. Tief durchatmen. Ich rolle noch einmal an meinem Ring, klopfe und drücke die Türklinke herunter. „Ach Frau N., schön, dass Sie sich auch mal die Ehre geben. Was haben Sie heute für eine Ausrede?“, begrüßt mich Frau Dr. R. Alle Augen sind auf mich gerichtet. Die Hitze steigt mir ins Gesicht. „Entschuldigen Sie, Frau Dr. R. Ich möchte nicht respektlos erscheinen. Es hat mich heute sehr viel Kraft gekostet, hier zu sein. Können wir uns bitte nach der Stunde in Ruhe unterhalten, wenn ich wirklich angekommen bin?“ Alle starren mich an. Die Lehrerin holt Luft für ihre übliche Tirade, stockt dann, schluckt ihre Worte herunter, schaut mir in die Augen und sagt nur: „Okay.“ Ich setze mich auf meinen Platz und spüre, wie mein Atem sich beruhigt.

Ich habe es geschafft.

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Marina

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Ein neuer Körper. Ein alter Kampf. Ein anderer Weg.

Lydia, 36

Aus einem Übergewicht heraus drastisch Gewicht zu reduzieren, verändert vieles – aber nicht alles. Und manchmal beginnt der schwierigste Teil genau dann, wenn das Abnehm-Ziel erreicht ist. Dies ist meine Geschichte über Zweifel, Hoffnung und die Reise, die nach 60 verlorenen Kilos erst richtig begann.

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Schon als Kind und später als Teenager hatte ich ein paar Kilo zu viel. Nichts Dramatisches – aber genug, um früh zu spüren, dass mein Körper ständig bewertet wird. Mit den Jahren wurden aus ein paar Kilo immer mehr. Ich begann zu diäten, nahm ab, nahm wieder zu und rutschte tief in den typischen Jo-Jo-Kreislauf. Ich war gut im Abnehmen, konnte das Gewicht aber nie dauerhaft halten. Irgendwann fühlte es sich an, als wäre ich seit meinem 13. Lebensjahr in einer Endlosschleife aus Kontrolle, Hoffnung und Enttäuschung gefangen. Nach über 20 Jahren voller Diäten, Selbstzweifel und innerer Kämpfe stand ich schließlich vor dem, was unausweichlich schien: massivem Übergewicht und ersten körperlichen Grenzen und Einschränkungen.

Der Moment, der alles geändert hat…

Die Entscheidung, mir endlich Hilfe zu holen, kam plötzlich. Wieder einmal hatte ich zugenommen und wieder stand das gefühlt tausendste „Morgen fang ich an …“ im Raum. Ich habe keine Erklärung und keinen großen Auslöser dafür, aber plötzlich war er da, dieser Moment. Ohne Vorwarnung. Ohne Plan. Es machte einfach klick: Ich brauche Hilfe und schaffe das nicht allein. Eine kurze Recherche endete schließlich in einer Anmeldung in einem Adipositaszentrum. Ich wusste: Wenn ich diesen Moment nicht nutze, verliere ich vielleicht den Mut. Also entschied ich mich. Für meinen Körper. Für meine Gesundheit. Für mich.

Mein Weg ins Leben 2.0

Schon in den ersten Gesprächen wurde deutlich, dass mir nur noch eine bariatrische Operation eine echte Chance auf dauerhaften Gewichtsverlust bieten konnte.

Bariatrische Operationen – Was steckt dahinter?

Bariatrische Operationen sind chirurgische Eingriffe zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Ziel ist es, das Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren und Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck zu verbessern. Es gibt verschiedene Verfahren, z.B. Schlauchmagen und Magenbypass.

Ich selbst lebe seit meiner Operation mit einem Magenbypass. Dabei wird der Magen stark verkleinert und ein Teil des Dünndarms umgeleitet. So wird weniger Nahrung aufgenommen und gleichzeitig verändert sich die Hormonregulation des Hungergefühls.

Die Entscheidung für eine solche Operation erfolgt nie leichtfertig, sondern nach intensiver medizinischer und psychologischer Vorbereitung. Sie ist kein „schneller Weg zum Abnehmen“, sondern ein langfristiges Hilfsmittel für einen gesünderen Lebensstil. Regelmäßige Nachsorge, Bewegung und bewusste Ernährung bleiben entscheidend für den Erfolg.

Nach gründlicher Beratung stand fest: Für mich ist der Magenbypass der Weg in ein neues Leben. Diese Entscheidung war alles andere als leicht. Ich war voller Zweifel, gleichzeitig aber auch voller Hoffnung. Ich wusste, dass dieser Weg mich emotional, körperlich und mental fordern würde.

Die Vorbereitung war intensiv: neues Essverhalten, neue Routinen, neue Gedanken. Aber ich wollte dieses Leben 2.0 und ich arbeitete hart dafür. Nach der OP begann die Phase der sogenannten aktiven Abnahme – also die Zeit, in der der Körper durch die anatomischen Veränderungen besonders gut Gewicht verliert und man diesen Prozess mit Ernährung und Bewegung gezielt unterstützt. In meinem Fall lief sie fast reibungslos. Ich stellte meine Ernährung konsequent um, ging regelmäßig zum Sport und blieb fokussiert wie nie zuvor. Genau diese Mischung trug mich durch die zehn Monate, in denen die Kilos und damit mein komplettes Übergewicht nach und nach verschwanden. Und endlich stand ich da – bei dem Gewicht, das ich mir seit meinem 13. Lebensjahr gewünscht hatte.

Das Ziel als Beginn einer Reise…

Jahrzehntelang habe ich auf diesen Moment hingearbeitet. Ich wollte endlich dünn sein – bewusst sage ich dünn, denn „gesund“ spielte lange kaum eine Rolle. Wenn man sein Leben lang auf sein Gewicht reduziert wird, Sprüche wie „Deutsche Panzer rollen wieder“ hört, oder diese abwertenden Blicke erträgt, dann wünscht man sich irgendwann nur noch eines: schlank sein, um endlich in Ruhe gelassen zu werden.

Und da stand ich nun: 60 Kilo leichter und am Ziel meiner Träume.

Für die Gesellschaft zählt meist nur eines: Ich bin schlank und damit gilt automatisch, dass es mir gut gehen muss. Und manchmal wünsche ich mir selbst nichts mehr, als diese Annahme einfach bestätigen zu können. Doch ich lernte schnell: Was ich für das Ziel hielt, war in Wahrheit der erste Schritt in ein völlig neues Leben – und die eigentliche Reise lag erst vor mir.

Doch was kommt danach?

Nach der Abnahme hatte ich gehofft, endlich in einem entspannten Alltag anzukommen – leichter, freier, unbeschwerter. Und eine Zeit lang fühlte es sich auch genau so an. Ich war aktiv, motiviert, stolz auf das, was ich geschafft hatte. Mein Körper veränderte sich, mein Leben auch, und ich dachte: Jetzt beginnt endlich der einfache Teil. Doch dieser einfache Teil kam nicht. Und mit der ersten kleinen Zunahme begann etwas, das ich lange nicht mehr kannte: zwanghaftes Wiegen. Die Zahl auf der Waage bestimmte plötzlich wieder meine Stimmung, mein Essverhalten und sogar meine Motivation – genau wie früher. Eine minimale Schwankung und plötzlich war sie da: Versagensangst. In meinem Kopf sah ich mich sofort wieder zunehmen, irrational und übertrieben, als wäre ich „morgen wieder 60 Kilo schwerer“.

Und so rutschte ich schneller in alte Muster, als ich es für möglich gehalten hätte: ständiges Wiegen, Kalorien zählen, der Versuch, alles zu kontrollieren. Je mehr ich versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen, desto weniger gelang es mir. Ich rutschte immer öfter ins emotionale Essen, verlor den Überblick und merkte, wie sehr mich dieser Kampf erschöpfte. Der alte Kreislauf war plötzlich wieder da.

Schuld und Scham kamen zurück, obwohl ich rational wusste, dass ich mein Gewicht stabil halte und kleine Schwankungen absolut normal sind. Und trotzdem reichten 500 Gramm mehr auf der Waage aus, um mich völlig aus dem Konzept zu bringen. Dann schaute ich in den Spiegel und sah plötzlich wieder mein altes Ich. Eine verzerrte Wahrnehmung, die so stark werden kann, dass sie die Realität vollständig überlagert.

Zusätzlich veränderte sich auch meine Beziehung zu Bewegung und Sport. Was früher ein Ausgleich war, wurde zu einem krampfhaften Versuch, ungesunde Gewohnheiten zu kompensieren. Wenn ich einen Tag nicht trainierte, meldeten sich sofort schlechtes Gewissen und die Angst, wieder zuzunehmen. Bewegung war nicht mehr Freude, sondern Pflicht – und genau das machte alles nur schwerer.

Tief in meinem Inneren wusste ich längst, dass das alles in eine falsche Richtung lief. Ich spürte, wie ich krampfhaft versuchte, aus diesem Kreislauf auszubrechen – und gleichzeitig panisch darauf achtete, nicht wieder die gleichen Fehler wie früher zu machen.

Irgendwann war mir klar: Ich muss einen Schritt gehen, den ich viel zu lange vor mir hergeschoben habe. Ich muss mich endlich meinen mentalen Themen stellen. Und genau da verstand ich nach und nach: Nicht mein Körper war das Problem. Nicht die Waage. Nicht das Essen. Sondern das, was die Abnahme in meinem Kopf ausgelöst hatte. Als der körperliche Aspekt nicht mehr im Vordergrund stand, rückte plötzlich das Mentale an seine Stelle. Mein Körper war geheilt – und jetzt war mein Geist dran.

Ich muss lernen, weiterzugehen. Eine neue Aufgabe anzunehmen.

Was ich mir wünsche

• Ich wünsche mir einen Alltag, der sich leicht anfühlt – ohne ständige Kontrolle, ohne Angst, ohne all die Gedanken, die das Leben schwerer machen, als es sein müsste.
• Ich möchte gesunde Gewohnheiten leben, Bewegung genießen und Sport wieder als Freude erleben, nicht als Pflicht.
• Ich wünsche mir, Kontrolle abgeben zu können, ohne mich dabei zu verlieren. Einen Umgang mit Essen und meinem Körper, der sich selbstverständlich anfühlt – ruhig, intuitiv, frei.

Genau dorthin möchte ich: zu einem Leben, das von Vertrauen getragen ist. Zu einem Körper, der nicht mein Gegner ist, sondern mein Zuhause.

Die Lösung – die es (noch) nicht gibt

Natürlich möchte ich mein Gewicht halten – das gehört zu meiner Wahrheit. Doch ich merke immer wieder, dass der entscheidende Kampf nicht auf der Waage stattfindet, sondern in meinem Kopf. Alte Muster und Gedanken sitzen tiefer, als ich es je erwartet hätte.

Und genau deshalb stehe ich heute erst am Anfang dieser inneren Reise. Viele der Gedanken, die jetzt hochkommen, begegne ich zum ersten Mal wirklich bewusst. Mein Kopf sucht oft nach Ablenkung, weicht Gefühlen aus und versucht, sich mit Gewohnheiten zu schützen, die ich eigentlich hinter mir lassen wollte. Immer wieder greife ich zum Handy oder zum Essen – Reflexe, die mir zeigen, wie präsent manche Muster noch sind. Trotzdem versuche ich, diese Ausrutscher nicht als Rückschritt zu sehen, sondern als Teil eines Weges, der Zeit braucht. Ich bleibe dran, halte die Gedanken aus und komme mir selbst Schritt für Schritt näher. Yoga und Meditation helfen mir, überhaupt erst Momente der Ruhe zu finden – kurze Atempausen ohne Angst, ohne Kontrolle, ohne Druck.

Dann kam ein Gedanke, den ich erst vor wenigen Wochen hatte – eine Erkenntnis, die sich wie ein Schlag und eine Umarmung zugleich anfühlte. Ich hatte mir all die Jahre ein Ideal erschaffen, ein glänzendes Bild davon, wie ich sein müsste, wenn ich endlich „richtig“ bin. Wenn man 20 Jahre lang auf ein bestimmtes Gewicht hinarbeitet, formt sich dieses Ideal fast von selbst – man malt sich aus, wie es sich anfühlen müsste und wie das Leben dann aussehen soll. Und irgendwann wurde dieses Bild größer als die Realität. Es hat mich angetrieben, aber auch gefangen gehalten; ließ mich laufen, kämpfen und zweifeln – immer weiter, immer härter, und am Ende war ich doch nie genug.

Als mir bewusst wurde, dass ich diesen Kampf nie gewinnen kann, weil man einem Ideal immer hinterherläuft, entstand der erste Moment von Loslassen. Es tat weh, dieses Bild gehen zu lassen, und doch öffnete es etwas in mir: Zum ersten Mal konnte ich anfangen, mich selbst ein kleines bisschen mehr zu sehen. Zum ersten Mal wurde ein kleines Stück Frieden möglich. Ich begann, mich innerlich zu lösen – ein wenig Lockerheit zuzulassen, ein wenig Freundlichkeit mir selbst gegenüber. Und manches wurde leichter, zumindest in einzelnen Momenten. Nicht immer, nicht dauerhaft.

Es gibt Ausrutscher, schlechte Tage, alte Muster, die anklopfen. Aber ich nehme sie heute öfter an als früher und erkenne immer klarer, dass sie Teil des Prozesses sind und nichts mit Scheitern zu tun haben.

Warum gerade der Gedanke an mein Ideal mir so viel Leichtigkeit schenkt, kann ich nicht erklären. Aber ich nehme ihn dankbar an. Ich weiß, dass dieser Weg Zeit braucht und dass die alte, kritische Stimme in meinem Kopf noch lange bleiben wird. Doch sie wird leiser werden und sanftere Stimmen werden nach und nach Raum finden. Und ich weiß, dass weitere Schritte, neue Gedanken und neue Herausforderungen kommen werden. Ich bin nicht am Ziel, aber ich bin zum ersten Mal wirklich unterwegs und gehe weiter als jemals zuvor. Die Lösung gibt es also (noch) nicht, aber ich habe endlich begonnen, sie wirklich zu suchen.

Mein Rat an dich

  • Lass deine Gedanken zu, auch wenn sie laut, unbequem oder schmerzhaft sind.
  • Lass zu, dass du dir selbst begegnest – denn in diesem ehrlichen Hinsehen beginnt Heilung. Du erkennst Muster, die du jahrelang überhört hast. Du verstehst dich selbst ein Stück besser, Schritt für Schritt.

Und genau dort entsteht Veränderung: Nicht in deinem Körper, sondern in dem Moment, in dem du beginnst, das Ideal loszulassen und dir selbst näherzukommen.

Schreib uns

Julia

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Meine Reise zu dir wurde meine Reise zu mir

Melanie, 45

Hey mein kleiner Freund,

ich möchte dir etwas erzählen.

Zuallererst Danke. Dafür, dass du da bist, mein kleines, großes Wunder. Ich liebe dich über alles. Ich habe so viele Jahre auf dich gewartet. Und rückblickend erkenne ich etwas, das ich damals nicht sehen konnte. Der Weg zu dir war auch der Weg zurück zu mir. Auf der Suche nach dir habe ich mich wieder gefunden.

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Das Mädchen in mir, das zu früh groß wurde

Mein Verhältnis zu meiner Mama war schon früh schwierig, und vieles davon bekam erst später einen Namen. Ich war das gute Kind, das brave Mädchen, das funktioniert hat. Irgendwann verlor ich dabei das Gefühl für mich selbst.

Später stolperte ich durch Essstörung, Depression und Angst- und Panikstörung. Ich hatte Nächte, die mehr betäubten als befreiten. Ohne Alkohol und Zigaretten war das Feiern gar nicht möglich. Rückblickend auch eine Flucht vor mir selber. In Therapien habe ich viel erkannt, viel geheilt und viel verstanden. Doch ein Restschmerz blieb immer zurück, tief und namenlos.

Der Wunsch, der alles in mir berührte

Der Wunsch nach dir traf genau die Stellen, die noch wund waren. Er machte alles lauter und deutlicher. Dein Papa war die ganze Zeit an meiner Seite. Er hat mich gehalten, wenn ich mich selbst nicht mehr halten konnte. Wir waren nie perfekt, aber wir waren immer wir. Ohne dieses Wir hätte ich vieles nicht geschafft.

Wir kämpften. Sechs künstliche Befruchtungen in zwei Kliniken. Hoffnungen, die jedes Mal ein wenig kleiner wurden. Und irgendwann konnten wir nicht mehr. Zwischen Weihnachten und Neujahr 2023 nahmen wir Abschied. Einen echten, endgültigen Abschied. Wir standen im Garten und verbrannten alles, was uns über die Jahre begleitet hatte: kleine Socken, Notizen, Briefe, das Kinderwunsch Tagebuch. Es fühlte sich an, als würde ich ein Kind beerdigen, das ich nie halten durfte. Es tat unfassbar weh. Doch danach waren wir frei. Leer, aber frei.

Der Mut, der in der Stille wächst

Nach diesem Abschied begann sich etwas in mir zu bewegen. Etwas, das ich lange verdrängt hatte. Kurz nach den gescheiterten Versuchen hatte ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Ich konnte diese alte Rolle einfach nicht mehr tragen. Ich saß bei meinem Coach und weinte so sehr, dass ich kaum Luft bekam. Er sagte leise: Das ist die Leere, wo die Wut gewesen ist. Das Loch müssen wir jetzt füllen. Keiner wusste, dass du zu diesem Zeitpunkt schon unterwegs warst.

Und da gibt es noch jemanden, der zu meiner Geschichte gehört: mein Papa, dein Opa. Er ist vor 17 Jahren gestorben. Ich habe oft in den Himmel gesagt: „Schubs doch einen kleinen Engel zu mir runter“ und genau das hat er getan. Vielleicht hat er einfach gewartet, bis ich bereit war.

Die Wahrheit, die ich so lange nicht sehen konnte

Ich dachte so lange, dass ich ein Kind brauche, um glücklich zu sein. Ich glaubte, mein Leben wäre erst vollständig, wenn du kommst. Doch erst als ich begriffen habe, dass mein Leben auch ohne ein Kind lebenswert ist, dass ich genug bin, dass Glück nicht von dir abhängen darf, erst dann hast du dich auf den Weg zu mir gemacht.

Du hast dich eingenistet in einem Körper, den ich gerade erst wieder lieben gelernt hatte. In einem Herzen, das langsam heilte. In einem Leben, das wieder leicht wurde. Ich wurde zu so einer Wundergeschichte, die ich selber nicht mehr hören wollte.

Im Februar hielt ich einen Schwangerschaftstest in der Hand, den ich eigentlich verschenken wollte. Ich erwartete nichts. Und plötzlich stand da: schwanger. Ich wartete noch auf das „nicht“. Doch dann erschien die Anzeige: “3+”. Mehr als 3 Wochen schwanger. Unfassbar. Es war kaum erklärbar. Nach der Krebsbehandlung. Nach nur einem Eierstock. Nach defekten Eizellen, die beim letzten Versuch nicht einmal mehr eingesetzt wurden.

Als ich meinem Coach von dir erzählte, sagte er: “Du musstest erst eine Nabelschnur durchschneiden, damit eine neue wachsen konnte.“ Dieses Bild begleitet mich seitdem.

Du darfst sein

Du darfst einfach sein. Du hast nicht die Aufgabe, mich glücklich zu machen. Und trotzdem tust du es jeden Tag. Mehr, als ich je erwartet hätte. Die Reise zu dir, mein kleiner Freund, war die Reise zu mir. Und dafür danke ich dir mehr, als Worte es je sagen können.

In Liebe, Deine Mama

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Dilnoza

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Zwischen Hunger und Spiegelbild: Lass dir von der Körperbildstörung nicht den Weg versperren

Stefanie, 32

Ich schaue in den Spiegel und sehe etwas, das außer mir scheinbar niemand sonst sieht. Die Zahl auf der Waage sagt, ich sei untergewichtig, das Bild im Spiegel sagt mir das Gegenteil. Ich fühle ich mich so schrecklich unförmig in meinem Körper und habe Angst zu dick zu sein – wie kann das sein? Das Phänomen nennt sich Körperbildstörung und ist ein richtig harter Gegner im Kampf gegen die Essstörung.

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In unseren Selbsthilfegruppen kannst du dich mit anderen über die Themen Körper, Essen, Selbstwert unterhalten und gegenseitige Unterstützung erfahren. Melde dich direkt hier dafür an!

Der Blick in den Spiegel

Ich schaue in den Spiegel oder schaue an mir herab, wenn ich mich abends umziehe, und sehe etwas, das außer mir scheinbar niemand sonst sieht. Ich sehe einen viel zu stark gewölbten Bauch, der mich dick aussehen und fühlen lässt.
Ein Anblick, der mir einen kurzen Schock versetzt. Und dann drehe ich mich zur Seite, um nochmal aus einer anderen Perspektive hinzusehen, mich von meinen Ausmaßen zu vergewissern und bin um ein weiteres Mal geschockt. Sofort ist das schlechte Gewissen da und die Stimme in meinem Kopf so unglaublich laut. Sie erinnert mich daran – manchmal anklagend, manchmal verachtend – was ich heute alles in mich reingefuttert habe; dass ich es maßvoller hätte angehen lassen sollen. Und dann bin ich beschämt; und angewidert von meinem eigenen Körper; von meiner Schwäche, mich nicht ausreichend diszipliniert zu haben. Ich fühle mich so unwohl in meinem eigenen Körper, dass ich mich einfach so schnell wie möglich unter weiten Klamotten verstecken möchte.

Die innere Anklage

Klar, mein Verstand weiß es. Schon tausendmal gelesen und gehört. Die Körperschemastörung, Körperbildstörung, Körperdysmorphe Störung (KDS) oder wie auch immer man sie bezeichnen mag, ist eine der wesentlichen Symptome von Essstörungen, speziell bei Magersucht und Bulimie. Das Wissen darüber ändert aber leider erstmal nichts daran, was ich fühle, wenn ich vor dem Spiegel stehe und dass sie mich so überzeugend trügen kann.

Die gesunde Gegenstimme

An guten Tagen versucht die andere, die gesunde Stimme in meinem Kopf zu mir durchzudringen und mir zu sagen, dass meine Wahrnehmung nicht stimmen kann. Dass ich ein falsches Maß anlege. Ich solle berücksichtigen, dass ich einfach schon immer ein Hohlkreuz habe, das meinen Bauch einfach etwas mehr nach vorne schiebt; dass ich so schlank bin, dass es ja ganz logisch ist, wenn abends mein Bauch etwas voller aussieht – wo soll sich denn das ganze Essen sonst hin verflüchtigen?! Dass ich, wenn ich es ganz objektiv betrachte, einen so geringen BMI habe, der ausschließt, dass ich dick bin.

Und trotzdem – das Gefühl von Selbstablehnung, manchmal sogar Selbsthass, ist da … Und fühlt sich in diesem Moment so echt an.

Wie andere mich sehen

Nur das Problem an der Sache ist, dass ich in diesem Fall die einzige Person bin, die meinen Körper so sieht. Die meisten, wenn nicht sogar alle anderen Menschen, sehen etwas völlig anderes, wenn sie mich anschauen. Sie sehen einen flachen Bauch, sie sehen dünne Beine. Oberschenkel, zwischen die auch bei geschlossenem Stand nicht nur ein Blatt, sondern ein ganzes Buch passt. Sie sehen dünne Arme, viel zu schmale Schultern, harte Wangenknochen. Sie würden sich lustig darüber machen, wenn ich ihnen sagen würde, dass ich mich dick fühle.

Momente der Klarheit

Wie kann das sein? Warum sehe ich nicht, was die anderen sehen?
Letztlich weiß ich, rational, dass die anderen vermutlich sogar recht haben. Dass ich dünn bin. Rational betrachtet muss es irgendwie so oder so ähnlich sein. Denn der BMI und das Gewicht, das meine Waage anzeigen, sagen ganz deutlich, dass ich untergewichtig bin. Wenn ich Fotos von mir anschaue oder im Aufzug in den Spiegel blicke und die Beine meiner Mitfahrerin neben meinen Beine betrachte, dann sehe ich es auch – ich bin nicht dick, sondern irgendwie viel zu dünn…
Es gibt diese Momente, wo ich es sehen kann. Manchmal, nur für einen ganz kleinen Augenblick. Wie ein Sonnenstrahl, der sich durch ein kleines Wolkenloch schiebt, einen hellen, wärmenden Schein auf den grauen Boden wirft. 68.400+ Grafiken, lizenzfreie Vektorgrafiken und Clipart zu Sonne Gemalt - iStock | Gänseblümchen

 

Der Wunsch nach Gesundheit und Veränderung

In diesen besonderen Augenblicken überkommt mich ein Motivationsschub – die gute Stimme in meinem Kopf wird auf einmal laut und stark, sie bekommt einen richtigen Energiebooster und schreit mich an: „Ja, das ist gut, du siehst es! Präg es dir ein: so möchtest du doch eigentlich gar nicht aussehen. Du möchtest gesund aussehen, du möchtest weibliche Rundungen haben. Du möchtest ein fröhliches Gesicht haben, du möchtest wieder vollere Haare haben. Du hasst den Anblick und das Gefühl deiner schlabbrigen Jeans an deinen Oberschenkeln. Du DARFST zunehmen. Du MÖCHTEST zunehmen. Lass es zu!„. Das sind seltene und wertvolle Momente.

Aber warum kann ich es nicht sehen, wenn ich allein im Bad vor dem Spiegel stehe? Und warum kann ich es nicht fühlen? Es fühlt sich so wahr an: ich bin dick, ich fühle mich dick; und so unwohl in meinem Körper.

Wenn es dir auch so oder so ähnlich geht, dann lass dir gesagt sein: du bildest dir nichts ein, du bist nicht verrückt. Die Körperschemastörung ist eines der diagnostischen Kennzeichen von Magersucht oder Bulimie.

Und da liegt das Problem. Die Körperschemastörung ist eben nicht nur ein Diagnosekriterium, ein Symptom, das Ärzt:innen und Therapeut:innen dabei hilft, eine Essstörung zu diagnostizieren. Sie ist vielmehr auch einer der größten Gegner im Kampf aus der Essstörung.

 

Sie kann eine der stärksten Fesseln sein, die dich in dem Teufelskreis gefangen hält.

Der Endgegner: Zunehmensangst

Das Zunehmen ist der absolute Endgegner. Und gleichzeitig ist das Erreichen Waage handgezeichnete Umriss Doodle Symbol. Diät und Gesundheit, Gewichtsmessgerät, Übergewichtskonzept | Premium Vektoroder auch erstmal Annähern an ein gesundes Körpergewicht der Schlüssel, der einzige Weg aus der Magersucht.

 

 

Warum Gewicht so viel verändert

Denn mit jedem Gramm mehr auf den Rippen stabilisiert sich der mentale Zustand, du bist wieder mehr in der Lage, konstruktiv zu denken, bist weniger anfällig für grübelnde, destruktive und depressive Gedanken, bist energiegeladener und stärker; deine biologischen und neurologischen Körperfunktionen nehmen sukzessive wieder ihre Dienste auf.
Und gleichzeitig macht dir jedes Gramm mehr auf den Rippen eine Riesenangst. Angst vor deinem Spiegelbild, Angst vor Ablehnung oder Verurteilung durch andere, Angst vor Selbstverachtung, Angst davor, viel dick zu werden, Angst davor, die Schleusen zu öffnen, völlig die Kontrolle zu verlieren und nur noch maßlos zu essen.

Das große Dilemma

Wie schafft man es aus diesem Dilemma? Wie schafft man es, diese kleinen Sonnenstrahl-Momente zu nutzen, diesen Funken zu zünden und in Tatkraft und Stärke zu verwandeln? Und sie solange aufrecht zu erhalten, dass man nicht gleich bei dem nächsten Blick in den Spiegel wieder unter der Angst und der Manipulation der Körperbildstörung zusammenbricht?

Du brauchst Strategien und Ressourcen sofort griffbereit.

Verschiedene Situationen brauchen verschiedene Strategien

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es manchmal nicht ausreicht, auf nur eine Strategie zu setzen. In manchen Situationen brauchst du gleichzeitig ein Schutzschild, dass deinen verletzlichen, gesunden Anteil vor den Manipulationsversuchen deines essgestörten Anteils schützt, und dazu eine Leuchtrakete, um den Fokus zu verschieben, manchmal ein Megafon, um der leisen Stimme in dir Ausdruck zu verleihen, und manchmal vielleicht auch eine Rüstung oder sogar ein Schwert, um dich stark genug für den Kampf zu fühlen. In anderen Situationen reicht wiederum ein einziger Satz, den du selbst oder jemand anderes zu dir sagt, der direkt durchgeht, dein Innerstes erreicht und den kleinen Motivationsfunken zu einem starken Feuer entzündet.

Eine persönliche Toolbox fürs Innenleben

Ganz sicher gibt es nicht die eine Lösung. Bei jede:m von uns funktionieren andere Strategien. Aber es hilft, eine Box voller Strategien und Tools gedanklich parat zu haben, um dich selbst innerlich zu stärken. Ich teile gerne meine Erfahrungen mit dir, was es bei mir war, das gut funktioniert hat. Und vielleicht bekommst du beim Lesen das Gefühl, dass das ein oder andere auch für dich funktionieren könnte und du probierst es einfach aus.

Meine Tipps für dich:

Glaubenssätze können Kraft geben

Wir kennen sie alle: Glaubenssätze, die man in der Kindheit oder manchmal auch anderen Lebensphasen gelernt hat und einen in ungünstigen Verhaltensweisen gefangen halten. Aber Glaubenssätze haben auch eine sehr nützliche Seite, weil sie Dinge vereinfachen und Überzeugungen festigen können. Das kannst du positiv für dich nutzen. Lege dir starke Glaubenssätze bereit, die in schwierigen Situationen wie ein Anker sind, der dich stabil auf deiner Position hält; die wie ein Schild funktionieren, dass dich vor den Angriffen deines (inneren) Gegners schützt; die deinen leisen, gesunden Anteil erreichen, ihn aufwecken und Kraft geben.

Ein Glaubenssatz als Anker in schwierigen Momenten

Was meine ich damit? Stell dir vor, du machst dich abends zum Schlafen fertig, siehst an dir runter und fühlst dich einfach nur aufgebläht und dick. Selbstzweifel, Kritik, Vorwürfe, dass du zu viel gegessen hast, werden laut und die jetzt ganz laute essgestörte Stimme in deinem Kopf ist schon dabei, den Beschluss zu fassen, spätestens morgen wieder mehr Disziplin an den Tag zu legen und das Frühstück lieber mal zu verkleinern. STOPP. Hier brauchst du deinen Glaubenssatz, deine Affirmation, um dich nicht von der Essstörung kontrollieren zu lassen, sondern deinem gesunden Anteil die Kontrolle zu geben. Vielleicht ist das ein Satz wie: „Was ich sehe und im Moment fühle, bin nicht ich. Schau genau hin, wo sind deine schönen weiblichen Rundungen? Ich wünsche sie mir (zurück) und ich kämpfe dafür!“.

Ein Satz gegen die Ausreden der Essstörung

Oder vielleicht kennst du es von dir, dass du ganz oft mit dem Gedanken spielst, dir etwas Besonderes zu Essen zu gönnen, eines deiner Tabu-Lebensmittel zu essen, um der Essstörung den Kampf anzusagen. Und wenn es dann darauf ankommst, traust du dich doch nicht und dein essgestörter Anteil findet zig Ausreden oder Gründe, warum es gerade nicht geht, besser auf morgen verschoben werden sollte, doch zu viel des Guten wäre oder, oder, oder. Mir hat es geholfen, dann einen festen Satz im Kopf parat zu haben, der meine inneren Ressourcen, meine gesunde Stimme aktiviert und stark gemacht hat, und ihn im Zweifel auch 10 Mal gedanklich zu wiederholen. Bei mir war es so etwas wie: „Ich darf XY essen und ich werde es genießen. Denn ich bin stark, ich bin mutig und ich will selbstbestimmt sein“.

Affirmationen als persönlicher Zaubertrank

Du kannst sie als Glaubenssätze, als Mantras, als Affirmationen bezeichnen, ganz egal. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass sie – wenn es die richtigen Sätze sind – funktionieren, wie der Zaubertrank für Asterix. Dein gesunder Anteil reagiert sofort darauf und wird auf einmal stark.
Welche das für dich sind, hängt davon ab, was deine leise Stimme, dein gesunder Anteil braucht, um sich gestärkt und angesprochen zu fühlen. Je mehr du dich mit den Ängsten und Gründen auseinandersetzt, die dich an deiner Essstörung festhalten lassen, desto besser wird es dir gelingen, gegen sie anzukämpfen.

Mit Logik gegen beängstigende Gedanken

In Momenten, in denen die essgestörten, beängstigenden Gedanken die Kontrolle zu übernehmen drohen, kann es sehr hilfreich sein, ihnen mit Logik und unwiderlegbaren Argumenten zu begegnen. Wenn du beispielsweise vor dem Spiegel stehst und dich einfach dick und aufgebläht fühlst, mach dir klar, dass es schlicht biologische Gründe hat, die dich fühlen lassen, was du fühlst.

Warum ein flacher Bauch abends trotzdem gewölbt aussieht

Mal ganz klein angefangen: wenn dein Bauch so flach ist, dass keinerlei Fettschicht, sondern eigentlich nur noch Platz für deine inneren Organe vorhanden ist, ist es schlicht normal und logisch, dass du abends eine Wölbung an deinem Bauch sehen wirst. Wo soll denn die Nahrung und die Flüssigkeit, die du über den Tag zu dir genommen hast, sonst sein? Das ist also definitiv kein Anzeichen dafür, dass du plötzlich Fettpolster angesetzt hast oder du dick bist.

Was Unterernährung mit deinem Bauchgefühl macht

Zweiter Fakt: bei länger andauernder Unterernährung verändert sich der Stoffwechsel. Der Körper geht in den absoluten Energiesparmodus und reguliert diverse Funktionen auf ein Mindestmaß herunter oder stellt sie ein. Dazu gehört auch, dass sich die Verdauung verlangsamt und sich die Darmflora verändert. Das kann zu einem aufgeblähten Bauch, Völlegefühl, Blähungen und Verstopfung führen.
Du sorgst mit deiner Art, dich zu ernähren ganz aktiv dafür, dass du dich aufgebläht und unwohl fühlst. Und genauso hast du es in der Hand, nicht nur dein Spiegelbild, sondern auch dein Körpergefühl zu ändern. Der Weg geht nur über eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, insbesondere Ballaststoffen, Proteinen, aber auch gesunden Fetten. Sei es dir selbst wert und sei mutig!

Mache dir eine Liste mit mindestens 20 Eigenschaften und Aspekten, die du an dir magst. Wenn es mehr als 20 werden, noch viel besser! Je nachdem, wie es dir gerade geht, hört sich das für dich vielleicht nach einer absoluten Unmöglichkeit an. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: es gibt sie, diese 20 Dinge und du wirst sie finden. Und dann wird es sich so unglaublich gut anfühlen. Frage auch Freunde und Familienmitglieder, was sie an dir schätzen. Ich bin sicher, es kommt einiges zusammen, das dich wirklich aufbauen kann. Habe die Liste bei dir, indem du sie in dein Handy tippst, ein Foto machst oder sie einfach physisch mit dir trägst. In schwierigen Momenten kannst du einen Blick darauf werfen und dich darauf fokussieren, dass du nicht die Essstörung bist! Dich machen so viele andere Dinge aus, die viel, viel mehr wert sind, als die das Gefühl der Selbstablehnung, der Angst, die dich gerade einfach nur verunsichern und klein machen will. Sie hat unrecht. Du kannst nachsehen, es steht schwarz auf weiß auf deiner Liste!

Schreibe dir alle Argumente auf, warum Zunehmen gesund für dich ist und was sich für dich alles zu, Positiven ändert, wenn du gesunde Körperproportionen erreichst.

Das können Dinge sein von: nicht mehr ständig frieren müssen, gesündere Haut bekommen, attraktive weibliche Rundungen bekommen, oder nicht mehr 24/7 von essgestörten Gedanken beansprucht sein und freie gedankliche Ressourcen für Schönes zu gewinnen, wieder Gefühle und Freude empfinden, die Periode und damit die Chance zurückzugewinnen, eigene Kinder zu bekommen…. Die Liste ist hier noch lange nicht zu Ende. Schreib sie für dich, ergänze immer, wenn dir etwas einfällt. Und hab auch diese Liste möglichst immer bei dir. Wenn dich deine Motivation verlässt und dir dein essgestörter Anteil wieder mal klar machen will, dass doch eigentlich alles gut ist, wie es ist, dann lass dich nicht manipulieren. Wirf einen Blick auf deine Liste und fühle die Sehnsucht nach all den schönen Dingen, die dir entgehen, wenn du nicht weiter darauf hinarbeitest, ein gesundes Gewicht zu bekommen.

Hilfe, die jederzeit für dich verfügbar ist

Und damit meine ich nicht Therapie, die selbstverständlich absolut hilfreich ist (!), sondern Dinge, die für dich jederzeit verfügbar sind und dir auch in stillen Momenten helfen können. Dass du hier auf der InCogito-Website gelandet bist, ist ein super Schritt und eine der Möglichkeiten, die ich meine.
Mir hat es zum Beispiel auch sehr geholfen, Podcast von ehemaligen Betroffenen oder Expert:innen zu hören oder Blog-Artikel zu lesen. Auch das Sprechen mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen, wo du dich mit deinen Gedanken verstanden fühlst oder von hilfreichen Erfahrungen anderer lernen kannst, kann super hilfreich sein.

Die Kraft, sich verstanden zu fühlen

Es kann einfach sehr guttun und eigene Kraftressourcen aktivieren, von anderen zu hören oder zu lesen, denen es ähnlich ergangen ist. Das schafft das Gefühl, sich verstanden zu fühlen und Zuversicht daraus schöpfen zu können, dass sie es geschafft haben und es möglich ist, aus der Essstörung herauszukommen.

Beispiele für stärkende Podcasts

Podcast, die ich gerne gehört habe und die mich gestärkt haben, waren zum Beispiel: „Romys Recovery RealiTea“ von Romy Hörbe, „Süss & Essgestört“ von F-50 oder „Lebensleichter“ von Janina Eilts.

Sprich mit Menschen, denen du vertraust

Aber auch das Sprechen über deine Gedanken mit einem Menschen, dem du vertraust und dich geborgen fühlst, kann unheimlich heilsam sein. Habe keine Scheu, Hilfe bei jemand anderem zu suchen. Das ist nicht nur für dich unglaublich wichtig, sondern oft schenkst du diesen Menschen damit sogar etwas. Du schenkst ihnen dein Vertrauen und die Möglichkeit, für dich da sein zu dürfen.

Hier bei InCogito findest du einige Unterstützungsangebote, wie beispielsweise die digitalen Selbsthilfegruppen, wo du ganz unbedarft und unverbindlich reinschauen kannst. Vielleicht ist das ja etwas für dich. Du musst da nicht alleine durch!

Das wichtigste ist, dass du anfängst, zu kämpfen und nicht aufgibst.

 

Möglicherweise ist deine Angst, die dich in der Essstörung hält, gerade noch sehr groß. Und das ist okay. Aber sag dir immer wieder, dass du mutig und stark bist. Es braucht viel Durchhaltevermögen, um sich seinen Ängsten so lange entgegenzustellen, bis es sich nicht mehr schlimm anfühlt.

Und ich habe leider auch nicht die eine Wahrheit, aber es gibt eins, wo ich mir mit tiefster Überzeugung sicher bin: jede:r trägt die Kraft in sich, sich gegen die Essstörung zu stellen, zu kämpfen und sie zu besiegen! Auch du! Du brauchst nur die richtigen Strategien, am besten ein ganzes Arsenal davon, um den:die Kämpfer:in in dir zu stärken und zu schützen.

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Alin Peeberaterin

Alin

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Body Serenity: Deine Playlist für's Essstörungs-Tief

Caro, 24

Es gibt unzählige Selbstliebeplaylists, Songs to cry to, Wut- und dark mood-Playlists, Post-Break-up- und Female Empowerment-Playlists … Aber wo ist der Musikflow, der uns im Essstörungs-Tief auffängt und wieder aufbaut? Im Laufe meiner Recovery – an einem Aprilwochenende nach ein paar Schoko-Cookies – habe ich mich entschieden, sie selbst zu gestalten. 

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Body Serenity

Irgendwo zwischen verzerrter Selbstwahrnehmung, der Suche nach dem „genug“, und dem Ringen mit überfordernden Worten wie “Selbstwert” oder “Selbstliebe”, hat sich ein neuer Begriff geformt: Body Serenity. Auf deutsch vielleicht Körperfrieden, Körpersorglosigkeit, Körpergleichmut, oder ruhige Körpergelassenheit. Das finde ich liebevoller und inniger als Body Neutrality, und zugänglicher als Body Positivity. Und eine in sich ruhende Gelassenheit muss keine Fragen nach Wert stellen. Dazu brauchte ich dann natürlich die passende Playlist.

“When pain is over, the remembrance of it often becomes a pleasure.“ ~ Jane Austen

Eine Playlist für Körperfrieden

Die Body Serenity Playlist ist nicht dafür gedacht, in selbstzerstörerischen Gedankenkreisen hängen zu bleiben. Sie hilft mir vor allem dabei, mich wieder dort heraus zu feiern oder zu weinen, singen und tanzen, oder was auch immer ich gerade brauche. Das Zauberhafte an Musik ist, dass sie mir ganz von selbst zeigt, was ich gerade brauche, wenn ich es selbst nicht verstehe. Denn wofür Worte fehlen, lässt sich manchmal erst durch ein Lied richtig ausdrücken.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass diese Liedersammlung das auch für dich tun oder dich vielleicht sogar zu deiner eigenen Recovery Playlist inspirieren kann. Musik ersetzt keine Therapie – sie kann heilsame Zwischentöne schenken und die Stille umspielen. Dazu möchte ich dir in diesem Artikel einige der Lieder vorstellen für alle möglichen Phasen, die du in der Beziehung zu einer Essstörung und auf der Suche nach “Body Serenity” so durchmachen kannst. Die Blickwinkel der verschiedenen Songs sind dabei so einzigartig wie unsere Geschichten – probiere selbst, welche dich am besten tragen. Oft stehen ein paar Lyrics dabei, die den Vibe eines Liedes ganz gut andeuten oder zeigen, warum es gerade dann heilsam sein kann, wenn du Essen und Körperbild herausfordernd findest. Die Playlist selbst ist hier verlinkt. Auf Spotify kannst du übrigens Lieder, die du nicht hören willst, in der Playlist ausblenden.

 

Vorab noch eine Triggerwarnung: Vor allem die Lieder im ersten Abschnitt können auch sehr ernste Themen anschneiden, wie Ängste, Selbstverletzung oder depressive Gedanken (z.B. „Soap“, „Dollhouse“ und „Sippy Cup“ von Melanie Martinez, „How to never stop being sad“ von dandelion hands). In “All about that Bass” von Meghan Trainor schlägt Body Positivity leider in Skinny Shaming um. Das Wichtigste ist natürlich immer: Schau, was dir gut tut!

Woher kommst du und woGEGEN entscheidest du dich?

Kennst du das auch – deine Ansprüche an dich selbst wachsen mit deiner Recovery ständig mit und du vergisst schnell, wie viel du eigentlich schon geschafft hast? Und dass das alles andere als selbstverständlich ist?

Es kann unglaublich erleichternd sein, mich daran zu erinnern, wo ich eigentlich herkomme.
Es kann mich mit Stolz, Dankbarkeit und Glück erfüllen, den Weg zu sehen, der hinter mir liegt.

Immer mal wieder schafft die Essstörung es, mich davon zu überzeugen, wie elegant sie ist, wie schön das Leben mit ihr war, und wie verloren ich ohne sie bin. Die Lieder in diesem Abschnitt helfen mir, sie dann zurück auf den billigsten Platz in der hintersten Reihe zu weisen, wo sie hingehört. Und das mit viel Selbstironie, Sarkasmus und auch schwarzem Humor. So bringt die Essstörung mich meistens nur noch zum Lachen und verliert ihre Macht über mich.

Achtung: Diese Songs behandeln sehr explizit schwierige Themen. Hör sie nur, wenn du dich damit sicher und wohlfühlst.

“No one ever listens, this wallpaper glistens
Don’t let them see what goes down in the kitchen…
Places, places, get in your places
Throw on your dress and put on your doll faces
Everyone thinks that we’re perfect
Please don’t let them look through the curtains”

“But with my double vision, how was I supposed to see the way
Haven’t I given enough?
… Go and stretch out my arms long as they need to be
Turn off all alarms and lie to me”

“When I wake up, I’m afraid somebody else might take my place”

“Talk down on yourself whenever possible
My life is shit because I deserve it, right?
… If they really wanted to see you they’d come, but they won’t
Who cares?
Allow yourself to lose interest in the things you love
Watch as you begin to take a backseat
To the world around you, don’t fight it”

“The wasted years, the wasted youth
The pretty lies, the ugly truth”

“Third place isn’t winning, you know
Neither is first, the pressure and the thirst
For this skeleton’s show”

“And I’m happy for them, but then again, I’m not
… Co-comparison is killing me slowly
I think I think too much”

„I feel it coming out my throatGuess I better wash my mouth out with soap“

“All the makeup in the world won’t make you less insecure
You got weights in your pockets when you go to the doctor’s
Your favourite candy’s cotton that’s why all your teeth are rotten”

“Don’t be dramatic, it’s only some plastic
No one will love you if you’re unattractive
Oh, Mrs. Potato Head, tell me
Is it true that pain is beauty?
Does a new face come with a warranty?
Will a pretty face make it better?
Oh, Mr. Potato Head, tell me
How did you afford her surgery?
Do you swear you’ll stay forever
Even if her face don’t stay together”

“You couldn’t save me but you can’t let me go
I can crave you but you don’t need to know
… You hit me so hard
I saw stars
Think I took it too far
When I sold you my heart”

„Bring it back, take another crack at the lineHope I’ma get it right this time“

“Poor little Liddy used to always quit
But she never really quit
She’d just say she did”

Einige Lieder (wie z.B. „Scars to your Beautiful“ von Alessia Cara, „Smaller than this“ von Sara Kays) sind nicht Teil der Playlist, obwohl sie über Essstörungen aufklären oder für Body Positivity eintreten*. Denn in meinen Augen haben sie etwas Beschönigendes und machen es mir schwer, mich von der Essstörung abzugrenzen. Andererseits haben die Songs vielen aus dem Herzen gesprochen – vielleicht ja auch dir.

Bisschen chillen

Eines der Geschenke, das ich – so wie viele andere Betroffene – aus meiner Essstörungszeit mitnehme, ist eine ganz feinfühlige, sanfte und sehr, sehr dankbare Beziehung zu Essen, und zu Selbstfürsorge so ganz allgemein. Hier kommen zwei Lieder, die das an leichten Tagen gebührend feiern und an schwierigen Tagen helfen, ein bisschen entspannter snacken und chillen zu können.

„Und der ErdbeerkuchenDen musst du mal versuchenDer ErdbeerkuchenDen musst du mal probierenDer is‘ nicht mehr lange hier“

“… steh fast ne Stunde vor dem Obstregal
Ich nehme mir die Zeit nein ich bin nicht auf Diät
Ich genieße bloß die Auswahl seh sie als ein Privileg
… Denn kann es sein dass wenn die Ärzte zu uns sagen
Wir sollen bewusster leben nur damit meinen
Dass wir die Dinge auch bewusst erleben
Und kann es sein dass sie uns damit nur vermitteln wollen
Dass wir die Dinge einfach schätzen und genießen sollen”

Notbremse!

Meghan Trainor bringt in drei Minuten perfekt auf den Punkt, wie wir Sorgen, Grübeln, inneren Diet Talk, OCD – oder wie auch immer es in deinem Kopf heißt – zum Schweigen bringen können.

Eigentlich ist das Lied zwar eine Kampfansage an das Patriarchat. Trotzdem oder gerade deswegen hat sich meine Essstörung davon genauso angesprochen gefühlt. Vielleicht wird das ja dein neues inneres Mantra?

“’Cause you got your shit called out by this little lady
Yet your opinion’s so strong even when you’re wrong
Bet that feels like power to you
Must’ve forgot who you’re talkin‘ to
I am your mothеr
You listen to me
Stop all that mansplainin‘, no one’s listening (Shh)
Tell me, who gave you the permission to speak?
I am your mothеr
You listen to me”

Selbst-Verliebtheit

Egal, wo in deiner Recovery-Reise du stehst, es ist nie zu früh – oder die Essstörung zu stark – für ein bisschen Selbst-Verliebtheit (im allerpositivsten Sinne). Hier ein paar Anregungen, um musikalisch dein Gefühl zu vergolden, wie sehr du es lieben kannst, du selbst zu sein – egal, wie viel Mac’n’Cheese du heute gefrühstückt hast.

„Who says, who says you’re not perfect?
Who says you′re not worth it?
Who says you’re the only one that′s hurting?

Trust me, that’s the price of beauty
Who says you’re not pretty?
Who says you′re not beautiful?
Who says?“

“I don’t need to know who I am yet
I don′t need to have a solid plan yet
I don′t need to be the same as everyone else
I just need to motherfucking love myself”

“Sometimes I wake up late and don’t even brush my teeth
Just wanna stuff my face with leftover mac and cheese
You know I get depressed, are you impressed with my honesty?
Still I’ll wear what I wanna ‚cause I’m cool with what’s underneath, mmm”

“Can’t see what I am, I just see what I’m not
I’m guilty ‚bout everything that I eat (every single day)
Feelin‘ myself is a felony”

“Change the voices in your head
Make them like you instead”

“These little words, somehow they’re changing us”

„Gonna love myself, no, I don′t need anybody else (hey)
Gonna love myself, no, I don’t need anybody else (I love me)
Can′t help myself, no, I don’t need anybody else
Anytime that I like
(I love me)“

“Every tushy is a snowflake
Every nipple is a star
Every curve and swerve is beautiful
Every stretch mark, every scar
We’re smörgåsbord of gorgeousness
No two of us the same
God made us in her image and that girl ain’t got no shame!”

Hilfe!

Liebeslieder an all die Lieben, die dich unterstützen! Sei es dein bester Freund oder Partner, die Lehrerin, deine Selbsthilfegruppe, Therapeutin, Schwester, Mama, Opa oder auch dein Haustier – wer auch immer für dich da ist.
Vielleicht malen diese Lieder ihr Bild vor dein inneres Auge und geben dir Kraft, auch wenn diese Personen gerade nicht bei dir sein können. Oder sie tragen dich einfach wie eine musikalische Umarmung durch eine traurige Stimmung, wenn du dem Gefühl Raum geben möchtest.

„Lights will guide you homeAnd ignite your bonesAnd I will try to fix you“

“Did you see the sparks filled with hope?
You are not alone
‚Cause someone’s out there, sending out flares”

“You know I’d never ask you to change
If perfect’s what you’re searching for then just stay the same”

„Je te laisserai des motsEn dessous de ta porteEn dessous des murs qui chantentTout près de la place où tes pieds passentCachés dans les trous de ton divanEt quand tu es seule pendant un instant“

“Don’t know if you get it
‘Cause I can’t express how thankful I am
That you were always with me when it hurts, I know that you’d understand”

„I cannot promise there won’t be sadnessI wish I could take it from youBut you’ll find the courage to face the madnessAnd sing it because it’s true“

“Glaub mir, ich war, wo du bist
Und weiß, was es mit dir macht
… Du weißt wo immer wir auch sind
Dass ich dein Zuhause bin”

Selbst-Mitleid

Können wir bitte Selbstmitleid normalisieren? Mit-Leid ist doch auch nur eine Art von Mit-Gefühl, und von (Selbst-)Mitgefühl kann man ja bekanntlich nicht genug haben 😉
Dieses Lied ist für all die Tage, an denen du dich fühlst wie ein begossener Pudel. Auch die sind okay!

“Maybe it’s a cruel joke on me
Whatever, whatever
Just means there′s way more cake for me
Forever, forever
It’s my party and I’ll cry if I want to
Cry if I want to (cry, cry, cry)
I’ll cry until the candles burn down this place
I’ll cry until my pity party’s in flames”

Der musikalische Mittelfinger

Emotionen können wir uns ja vorstellen wie eine Welle, die abebbt, sobald sie einmal ihren Höhepunkt erreichen durfte. Nachdem wir uns also ausreichend unseren Gefühlen gewidmet und all der Überforderung Raum gegeben haben, darf der entspannte Teil kommen! Die Wohlfühl-Leichtigkeit einer wundervoll gleichgültigen Scheißegal-Haltung, das Leck-mich-doch an unsere Essstörung, der musikalische Mittelfinger an absurde Schönheitsideale und die Diätindustrie.

“Shut up, count your calories
I never looked good in mom jeans”

Jax hat dieses Lied für ihr Babysitterkind geschrieben: “She literally got in the car, hysterically crying to me, because this one little brat said something to her that made me cringe… So, I wrote a song for her, because when I was her age, I had a lot of eating problems, and I wish someone would have said these things to me.” https://www.youtube.com/watch?v=cIy_6bFECZw

“I see the magazines working that Photoshop
We know that shit ain’t real, come on now, make it stop”

Essstörung? Ich mache Schluss mit dir!!! Immer wieder.

Für alle, die bereit sind für den nächsten Schritt, wird es aufregend! Ich habe mir die Essstörung manchmal vorgestellt wie eine miese, auch ein bisschen bemitleidenswerte, aufmerksamkeitssüchtige “innere Bitch*”, mit der ich Schluss mache. Leider immer wieder und nicht nur einmal, da es eine sehr toxische Beziehung ist. Aber immer wieder! Es zählt, dass wir immer wieder mit diesen fiesen Ansprüchen in uns Schluss machen, und Schritt für Schritt werden auch sie mit uns Schluss machen und uns in Ruhe zu lassen. Mit jedem Mal Schluss machen distanzieren wir uns ein Stückchen weiter von dem selbstzerstörerischen Perfektionismus in uns und entscheiden uns für Lebendigkeit.

*Die Idee stammt aus dem Buch “Size Egal: Dein Selbstbewusstsein kann nicht groß genug sein” von Tanja Marfo und Carolin Matzko.

Der beste Essstörungs-Breakup-Song überhaupt!

“But there’s a side to you
That I never knew, never knew
All the things you’d say
They were never true, never true
And the games you’d play
You would always win, always win”

“Oh baby, your time is running out
I won’t let you turn around
And tell me now I’m much too proud
All you do is fill me up with doubt”

„I got the eye of the tiger, a fighterDancing through the fire ‚cause I am a championAnd you’re gonna hear me roarLouder, louder than a lion ‚cause I am the championAnd you’re gonna hear me roar“

“It’s like you’d do anything for my affection
You’re going all about it in the worst ways
I was into you, but I’m over it now
… But nothing’s getting through, so let me spell it out”

“I won’t cry for you
I won’t crucify the things you do
… See, when you’re gone, I’ll still be Bloody Mary”

das können Lyrics nicht beschreiben, es ist einfach ein Gefühl 🙂

Mutmacher

Schluss machen macht Angst, und Angst schreit nach Mut. Diese Lieder sind eine warme Einladung, dir selbst Mut zuzutanzen und deine ganz eigene Stärke – auch ohne Essstörung – wahrzunehmen.

„Ooh-ooh, so you wanna talk about power?Ooh-ooh, let me show you power“

„I’m here, I’m there, I’m everywhereBut you can’t catch me nowNo, you can’t catch me now“

“Don′t run, stop holding your tongue
Maybe there′s a way out of the cage where you live
Maybe one of these days you can let the light in
Show me how big your brave is”

Erkenne an, wie viel Mühe du dir gibst

… und wie anstrengend, aufreibend und zermürbend das manchmal sein kann – und dass du trotzdem weitermachst!

„And it’s hard to be at a party when I feel like an open woundIt’s hard to be anywhere these days when all I want is youYou’re a flashback in a film reel on the one screen in my town“

Essstörung? Lebewohl.

Nicht ganz so wütend wie Schluss machen, aber genauso kraftvoll ist es, deiner Essstörung Lebewohl zu sagen. „Lebewohl” wird zu Poesie in diesen Liedern:

Noch mehr Self-Empowerment!

Weil man davon nicht genug haben kann. Wie Selbstliebe, nur viel explosiver (und sehr tanzbar). Denn nachdem du mit einer Essstörung Schluss gemacht hast – oder ihr Lebewohl gesagt hast – braucht es eine neue Kraftquelle. Und es ist empowernd, zu dir selbst immer wieder Ja zu sagen, während du zu einer Sucht Nein sagst. Hier ein paar Lieder, mit denen du Kraft und Neugier für eine erfüllende Zukunft tanken kannst.

The bigger picture

Wie möchtest du eigentlich später auf dein Leben zurückblicken, jenseits aller Zahlen und Messwerte? Wenn nicht die Essstörung – was dann soll dich geprägt, geleitet, erfüllt haben? Ist ein bisschen cheesy, aber ich lieb’s <3

„I, I did it allI, I did it allI owned every second that this world could giveI saw so many placesThe things that I didYeah, with every broken boneI swear I lived“

“I’ll begin today, throw away the past
And the future I build will
Be something that will last
… And I’ll thank the world and remember when
I was able to begin again”

Ein Lied sagt mehr als tausend Worte – also mach es dir gemütlich, schnapp dir deine Lieblingskuscheldecke, eine gute Freundin oder ein großes Glas Erdnussbutter, und hör mal rein 🙂

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Bianca Peerberaterin

Bianca

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Hochsensibilität und MAgerscuht

Hochsensibilität und Anorexie: Wie das Persönlichkeitsmerkmal die Essstörung beeinflussen kann

Autorin Annalena

Annalena, 27

Jahrelang war die Anorexie meine treue Begleiterin. Sie gab mir Sicherheit, Bestätigung, Anerkennung und das Gefühl etwas zu leisten, einen Wert zu haben. Viele Versuche zu genesen waren gescheitert, da ich meine treue Begleiterin nicht gehen lassen konnte, sie war mein Schutzraum. Doch der Schutz vor was?

DU SUCHST AUSTAUSCH MIT ANDEREN?

In unseren Selbsthilfegruppen kannst du dich mit anderen über die Themen Körper, Essen, Selbstwert auch im Kontext von Hochsensibilität unterhalten und gegenseitige Unterstützung erfahren.
Melde dich direkt hier dafür an!

Kannst du dich in der Hochsensibilität wiederfinden?

  • Verbringst du viel Zeit damit, dich und dein Umfeld zu reflektieren?
  • Verbringst du viel Zeit damit, deine und die Gefühle der anderen zu hinterfragen?
  • Bist du sehr gewissenhaft?
  • Hast Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen?
  • Bist in der Arbeit und Ausführung sehr perfektionistisch?
  • Denkst zu viel über vergangene Situationen nach?
  • Bist du bemüht, die Harmonie in Beziehungen aufrecht zu halten und vermeidest Konflikte?
  • Spürst du schnell eine Reizüberflutung und bist dadurch erschöpft?
  • Hast du das Gefühl „anders“ zu sein und dich dafür rechtfertigen zu müssen?

Wenn du die Mehrheit dieser Fragen mit Ja beantworten kannst, gehörst du mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den 15-20 Prozent der Gesellschaft, welche das Persönlichkeitsmerkmal der Hochsensibilität aufweisen.

TEST: HOCHSENSIBEL?

Was bedeutet Hochsensibilität, wie viele sind davon betroffen und wie kann der Alltag bei Hochsensiblen aussehen? Mache hier das Quiz.

Mein persönlicher Bezug zur Hochsensibilität

Ja, auch ich kann mich in den obigen Fragen widerfinden. Bevor ich all diese Eigenschaften der Hochsensibilität zuordnen konnte, dachte ich viele Jahre lang, dass ich falsch bin, dass ich nicht genug bin, nicht mithalten kann und keinen Wert habe. Um all diese Gefühle zu kompensieren, habe ich Sicherheit, Kontrolle und Anerkennung in der Anorexie gefunden. Lange Zeit konnte ich sie trotz vielen Interventionen nicht loslassen, bin immer wieder rückfällig geworden. Doch nun, durch die Integration der Hochsensibilität, kann ich einen anderen Blick auf die Anorexie und Genesung einnehmen, welchen ich gerne mit euch teilen möchte.

Was Expert:innen dazu sagen

Expert:innen verweisen darauf, dass hochsensible Menschen ein höheres Risiko für psychische Störungen haben und es demnach wichtig ist, dass sie über eine gute Emotionsregulation verfügen, damit ihre Psyche in Balance bleibt und die Entstehung möglicher psychischer Störungen geringgehalten wird. Diesen Aspekt möchte ich in dem Beitrag aufgreifen und die möglichen Einflüsse des Persönlichkeitsmerkmals Hochsensibilität auf das Krankheitsbild Anorexie darstellen.

Macht Hochsensibilität anfälliger für Anorexie?

Neben genetischen und gesellschaftlichen Faktoren zählen individuelle Merkmale zu den Faktoren, welche eine Essstörung bedingen. Die Hochsensibilität stellt ein solches Merkmal dar und kann demnach als ein Einflussfaktor für die Entstehung einer Anorexie gelten.

Hochsensible Personen nehmen die Welt und ihre unterschiedlichen Reize in einer höheren Intensität wahr. All diese Eindrücke können die betroffenen Personen teilweise überfluten und dadurch überfordern. Sie fühlen sich oft für die Gefühle der anderen verantwortlich und sind stets bemüht, dass es ihrem Umfeld gut geht. Dabei stecken sie ihre eigenen Bedürfnisse zurück und verdrängen diese, um Konflikte zu vermeiden und Harmonie zu bewahren.

Kinder werden durch wertende oder leistungsbezogene Aussagen wie „Wenn du das erfüllst, bekommst du das“ oder „Reiß dich mal am Riemen“ oft in ihrer Selbstwahrnehmung beeinflusst. Während solche Botschaften grundsätzlich herausfordernd sein können, treffen sie hochsensible Kinder oft besonders tief – sie nehmen subtile Zwischentöne intensiver wahr, hinterfragen sich stärker und entwickeln schneller das Gefühl, nicht richtig oder nicht genug zu sein.

So war es auch bei mir: Sätze wie „Als Frau macht man das nicht“ oder „Du bist das schwarze Schaf“ ließen mich glauben, ich müsse mich verändern, mehr leisten und mich anpassen, um akzeptiert zu werden.

Dadurch setzen sich die hochsensiblen Personen unter Druck, immer mehr zu leisten, um so ihren Wert sicher zu stellen. Oft fühlen sie sich schwächer, da sie angreifbarer und weicher als die Personen in ihrem Umfeld sind. Diese Selbstoptimierungsversuche spiegeln sich auch häufig im Essverhalten wider. Hierbei verlieren sich die Betroffenen oft in ihren eigenen hohen Ansprüchen und verfallen in eine Essstörung.

So verweisen auch Expert:innen von Fachkliniken für Essstörungen darauf hin, dass ein Leistungsbestreben und Perfektionismus Persönlichkeitsmerkmale vieler essgestörter Patient:innen sind. Zudem steht die Anorexie mit einem Kontrollbedürfnis, welcher sich in der Nahrungsaufnahme und des Gewichts widerspiegelt, in Verbindung.

Wie kann Hochsensibilität den Heilungsprozess unterstützen?

Viele hochsensible Personen, welche eine Anorexie entwickeln, hungern nach der Anerkennung ihrer Wahrnehmungsfähigkeit, Hungern für das Recht der Ruhe und Abgrenzung. Demnach spiegelt das Hungern auf der körperlichen Ebene das Hungern der Seele wider. „Weil sie sich klein, traurig, einsam oder ratlos fühlen, weil sie ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden oder weil sie sich reizüberflutet und dauergestresst fühlen und ihre stimmige Form der Abgrenzung noch nicht gefunden haben.“ (vgl. Dalhoff 2019, o.S.)

An dieser Stelle ist es mir wichtig zu verweisen, dass die von mir aufgelisteten Zusammenhänge der Hochsensibilität und Anorexie aktuell noch nicht wissenschaftlich belegt sind. Gleichzeitig würde ich aus eigener Erfahrung und der bislang vorhandenen Literatur gerne festhalten, dass das Persönlichkeitsmerkmal der Hochsensibilität mitunter ein Auslöser und aufrechterhaltender Faktor für die Anorexie darstellen kann. Gleichzeitig dient, die Integration und der achtsame Umgang mit diesem Merkmal auch als ein bedeutungstragender Baustein einer gelingenden Genesung.

Die Hochsensibilität – Hilfreiche Tipps gegen den (scheinbaren?) Fluch

Um mit den Schwierigkeiten, welche hochsensible Personen ausgesetzt sind besser zurecht zu kommen, möchte ich im Folgenden einige Tipps auflisten:

  • „Falschen“ Vergleiche unterbinden- reale Einschätzung der Stärken und Schwächen
  • Das Gedankenkarussell bewusst stoppen und hinterfragen
  • Achtsamkeitsübungen wie Yoga, Meditationen in den Alltag integrieren
  • Liebevoller Umgang mit sich selbst
  • Selbstverantwortung übernehmen und sein Leben eigenständig gestalten
  • Bewusste Erholungsphasen für die Auflösung der Denkblockaden

„Hochsensible können eine nach außen offene hochsensible Gewissenhaftigkeit leben, mit der sie ihren Alltag effektiv, verantwortungsbewusst und zielstrebig gestalten – ein echter Booster für das eigene Selbstwertgefühl.“ (vgl. Trissot o.J.)

Vom Fluch zum Segen – Hochsensibilität als Ressource nutzen

Die genannten Tipps wirken sich, meiner Erfahrung nach, auch positiv auf das Ziehen lassen der anorektischen Verhaltensweisen aus. Durch die Gedankenstopps und die achtsame Planung des Alltags haben wir Hochsensiblen eine andere Form von Sicherheit welches zur Reduzierung des Kontrollbedürfnisses führt. Durch die Grenzsetzung lernen die Betroffenen für sich einzustehen und müssen das Gefühl der Erniedrigung und das Gefühl der Demütigung, das Gefühl des Nicht-Genug-Sein nicht mehr ausgleichen.

Des Weiteren stellt die Kreativität vieler hochsensibler Personen eine Hilfe dar, um Ereignisse auf unterschiedliche Art und Weise zu verarbeiten. Ich habe viele Emotionen und Gefühle durch das kreative Schreiben und anschließende Gestaltung von Bildern verarbeitet. So wurden meine Emotionen für mich greifbar und verständlich. Die verhängnisvolle Perfektion kann in eine enorme Willenskraft und Durchhaltevermögen umgewandelt werden, welche es im Heilungsprozess der Anorexie bedarf, da das Loslassen von festgefahrenen Verhaltensmustern sowie das Aufbauen von Neuem sehr mühsam und anstrengend ist.

Auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint, bin ich davon überzeugt, dass jede:r lernen kann, mit Hochsensibilität umzugehen und sie als persönliche Stärke einzusetzen.

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Sarah

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Wie Du für Freund*innen mit einer psychischen Erkrankung da sein kannst

Autorin Annabell

Annabell, 25

Oft fragen mich Menschen, deren Freund*innen, Schwestern, Brüder an einer psychischen Erkrankung leiden, wie sie für ihre Liebsten da sein können. Auch ich, die ich auch betroffen bin, stelle mir diese Frage hin und wieder, wenn ich merke, dass eine meiner Freundinnen gerade leidet. Daher folgen nun einige Punkte, die ich in Austausch mit anderen Betroffenen in meinem Umfeld gesammelt habe:

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1. Validieren

Das bedeutet, Mitgefühl zu zeigen und Gefühle ernst zu nehmen. Es tut manchmal gut zu hören, dass mein Gegenüber ähnliche Zustände kennt und weiß, dass sich manche Gefühle sehr schwer aushaltbar anfühlen. Im besten Fall soll ein Gefühl von Du-bist-nicht-allein entstehen.

2. Da sein

Für den anderen da zu sein, kann manchmal ganz simpel sein. Als eine meiner engsten Freundinnen 700 Kilometer weggezogen ist und ich wusste, dass sie gerade keine leichte Phase hat, habe ich ihr jeden Morgen eine kurze Nachricht getextet. Beispielsweise, dass ich ihr einen schönen Tag wünsche und ich sehr dankbar bin, dass es sie in meinem Leben gibt. Ich habe sie daran erinnert, dass sie einen Unterschied auf dieser Welt macht und geliebt wird. Das ist für eine Person, die mit vielen dunklen Gedanken zu kämpfen hat, manchmal wichtig zu hören. Inzwischen passiert es oft, dass ich ein Lied höre, eine Postkarte oder einen Dackel in der Wiese herumhüpfen sehe, der mich an eine bestimmte Person erinnert und ich zücke mein Handy, mache ein Foto und lass es die Person wissen. Oft bekomme ich ein Lächeln zurückgeschickt.

3. Direkt unterstützen

Es kann auch eine große Unterstützung sein, wenn du der Person Dinge abnehmen/erleichtern kannst, die für dich vielleicht klein erscheinen mögen, aber für besagte Person viel bedeuten. Es kommt darauf an, dass du auf sie zugehst, denn einige Betroffene nehmen sich als Belastung wahr, wenn sie selbst um Hilfe fragen. Frag daher konkret: Wie kann ich dich gerade unterstützen? Das kann sein, einen Anruf zu erledigen, der gedanklich ständig aufgeschoben wird, weil die Person sich nicht sozial-kompetent dafür in der momentanen Situation fühlt, ihr etwas zum Abendessen einzukaufen oder vorzukochen, ihr helfen das Zimmer aufzuräumen oder die Wäsche aufzuhängen, um endlich wieder frische Kleidung zu haben.

4. Aktiv da sein

„Melde dich jederzeit, wenn ich für dich da sein kann“, ist zwar ein nettes Angebot. Doch häufig fällt es Menschen in Krisen und psychischen Ausnahmesituationen besonders schwer, proaktiv um Hilfe zu bitten. Natürlich kannst du aber auch nicht hellsehen und wissen, wann welche Unterstützung passt. Thematisiert dieses Thema und vereinbart eine Art Codewort oder einen Emoji, den die Person verwenden kann, um dich um Hilfe, einen Rückruf, etc. zu bitten.

5. Balance finden

Versuche, mit deiner betroffenen Freundin, Schwester, Mutter, deinem Papa, Freund … eine verlässliche Beziehung zu führen und respektiere dabei auch ihren und deinen Freiraum – und eure Ressourcen. Wichtig ist, dass die betroffene Person die Wahl hat, beispielsweise bei einer gemeinsamen Unternehmung früher zu gehen oder mal kurzfristig abzusagen. Das ist keine Entscheidung gegen dich, sondern meist aufgrund der belastenden Erkrankung. Genauso sollst du auch auf dich achten. Brauchst du eine Pause oder fühlst dich selbst gerade nicht fit genug, für deine Freundin heute da zu sein, ist es wichtig, dass auch du wohlwollend und klar, deine psychische Gesundheit schützt.

DU HAST Redebedarf?

Unsere ehrenamtliche Peer-Beratung ist für dich da. Hier kannst du jederzeit in WhatsApp jemandem schreiben.

Fazit:

  • Für eine Person da zu sein, heißt auch für die Person im Leben präsent zu sein und immer wieder in den Kontakt zu gehen.
  • Das Wissen, das an einen gedacht wird, man einer Person wichtig ist, ist schon viel wert.
  • Du kannst für Entlastung sorgen, indem du die Person frägst, ob du im Alltag bei einer konkreten Aufgabe helfen oder diese übernehmen kannst.
  • Bleib geduldig und erkenne, dass es die Erkrankung ist, die das Leben der Person und auch zwischenmenschliche Beziehungen einschränkt, es ist nichts, was der/die Betroffene mit Absicht macht.
  • Achte beim Dasein unbedingt auch auf dich und deine Ressourcen.

Tipp: Falls du selbst betroffen bist, schick den Link zu diesem Artikel doch einfach an eine dir nahestehende Person weiter, die schon öfter gesagt hat, dass sie gerne für dich da wäre.

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Marina

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Dich belasten Gedanken & Zweifel rund um die Themen Aussehen, Körper, Essen, Selbstwert? Hier kannst du uns 24/7 über WhatsApp schreiben. Jede Nachricht wird beantwortet! Bitte beachte, dass wir kein Krisendienst sind. Falls du dich in einer akuten Krise befindest, Suizidgedanken hast oder sofort Hilfe brauchst, ruf bitte umgehend die Telefonseelsorge an: 0800 1110111 (kostenlos).

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Du hast selbst die Wahl, ob und über welchen Kanal du mit uns in Kontakt treten möchtest – entweder per WhatsApp oder per E-Mail. Insofern noch nicht erfolgt, musst du hierfür unabhängig von unserer Beratungsplattform bei einem Kommunikationsdienstleister deiner Wahl (z.B. Web.de, GMX.de, Gmail.com, Facebook/Meta, etc. ) eine E-Mail-Adresse bzw. einen WhatsApp-Account registrieren. Bitte beachte, dass du hierbei stets die Datenschutzbestimmungen der Kommunikationsdienste akzeptierst, die als „Datenverarbeiter“ die gesetzlichen Datenschutzauflagen (insbesondere der DSGVO) zu erfüllen haben.

Nachdem du uns über den „Kommunikationsdienst“ deiner Wahl angeschrieben hast, wird deine Nachricht automatisiert in einer zentralen Beratungsplattform (Lime Connect) gespeichert und verarbeitet.

Grundsätzlich können alle unsere Peer-Berater*innen auf deine Nachricht(en) und ggf. auch Kommunikationsdaten (z.B. Email-Adresse, Handy-Nummer) über diese Plattform zugreifen. Wir werden mit deinen Daten bzw. Informationen natürlich sehr vertraulich umgehen und diese niemals weitergeben oder außerhalb dieser Plattform speichern. Die einzige Ausnahme: Falls du im Gespräch mit den Berater*innen Suizidgedanken äußerst oder andeutest, sind wir dazu verpflichtet, deine E-Mail-Adresse, Handynummer oder IP-Adresse an die Polizei weiterzugeben.

Der Versand von Nachrichten, egal ob per E-Mail oder per Whatsapp, erfolgt durch uns ausschließlich über die Beratungsplattform. Lime Connect speichert hierfür Nachrichten in eigenen Datenbanken und übermittelt diese direkt oder über Schnittstellen an die von euch gewählten Kommunikationsdienste.

Theoretisch kann auch Lime Connect als s.g. Auftragsdatenverarbeiter auf deine Daten bzw. unsere Kommunikation zugreifen. Um dies abzusichern, haben wir mit dem Dienstleister eine „Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung“ geschlossen, die die Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung gewährleistet. Mehr dazu kannst du hier lesen.

Lime Connect nutzt bzw. speichert zur Bereitstellung des Dienstes die von euch bei den Kommunikationsdiensten hinterlegten personenbezogenen Daten, insbesondere Vor- und Nachnahme, Endgerät, Profilbild sowie die über Lime Connect ausgetauschten Nachrichten. Diese Daten werden in einer verschlüsselten Datenbank gespeichert. Weder Lime Connect, noch wir, werden jemals personenbezogene Daten von euch an die Kommunikationsdienste übermitteln!

Die o.g. Daten werden nur zur internen Fallbearbeitung bzw. für die Beantwortung eurer Nachrichten genutzt, wir geben sie nicht weiter und verwenden sie nicht anderweitig. Für andere Chat-Nutzer sind die o.g. Daten nicht sichtbar oder zugänglich, da wir keine Gruppennachrichten verschicken. Wenn du dich von dem Dienst abmeldest (s.u.) werden deine o.g. Daten aus der Datenbank gelöscht.

Mehr Informationen und die Datenschutzerklärung von Lime Connect findest du hier.

Du kannst dich jederzeit vom Dienst abmelden und deine Einwilligung zur Datenverarbeitung widerrufen. Sende dazu einfach in deinem Messenger die Nachricht „STOPP“. Wenn du zusätzlich auch alle Daten löschen möchtest, sende „Alle Daten löschen“.

Bitte beachte auch unsere ausführlichen Informationen in unseren Datenschutzbestimmungen. ( als Link: https://in-cogito.de/datenschutz/)

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